Mit der European Digital Identity (EUDI) Wallet soll eine digitale Identität entstehen. Auch die Gesundheitskarte könnte zukünftig digital in der Wallet vorliegen. Statt eine Karte zu stecken, könnte das Handy in der Arztpraxis an einen Scanner gehalten werden. Die Wallet könnte – einmal autorisiert – als Identifikationsmöglichkeit für verschiedenste Anwendung dienen. Damit könnte das Projekt auch für den Gesundheitssektor relevant sein.
Der CDU-Bundestagsabgeordnete Dr. Markus Reichel sieht im Wallet explizit Vorteile für die Apotheken vor Ort. Bereits im vergangenen Jahr hatte er bei einem Besuch in der Knut-Apotheke von Apotheker Michael Gäbe in Dresden entsprechende Möglichkeiten diskutiert.
„Die EUDI-Wallet soll in unterschiedlichen Sektoren genutzt werden können, so auch im Bereich Health/Gesundheit“, betont er auf Anfrage. Deutschland habe hier ursprünglich – anders als viele EU-Staaten – mit der GesundheitsID und der elektronischen Patientenakte (ePA) einen Sonderweg gewählt; er könne sich aber vorstellen, dass die Systeme zukünftig konvergieren.
Reichel betont die verschiedenen Anwendungsfelder: „Die EUDI-Wallet wird mit ihrer Identifizierungs- und Authentifizierungsfunktion, der elektronischen Unterschrift aber insbesondere mit der Hinterlegung von privaten und staatlichen Nachweisen ein breites Möglichkeitsspektrum für viele verschiedene Sektoren und Industrien bieten.“ Die Gesundheitskarte könne in die EUDI-Wallet aufgenommen werden, womit alle Funktionen der Karte über die Wallet abrufbar wären. Hinzu kämen die Nutzung der digitalen Unterschrift, Vertretungsvollmachten oder perspektivisch Nachweise wie Rezepte und Atteste.
Aus Apothekensicht sei neben der Personenidentität auch die Organisationsidentität für die Abwicklung und Digitalisierung interner wie externer Geschäftsprozesse höchst interessant. „Durch die EUDI-Wallet könnten Vor-Ort-Apotheken sicherlich auch Teile der Wettbewerbsnachteile zu Online-Apotheken schließen, denn die Digitalisierung der Apotheke-vor-Ort mit Hilfe der EUDI-Wallet hat sehr viel Potenzial“, findet der Abgeordnete.
Digitalminister Karsten Wildberger (CDU) hatte unlängst Anfang des Jahres mehr Geschwindigkeit bei der Umsetzung wichtiger Digitalvorhaben versprochen. Auch bei der digitalen Wallet soll es demnach Bewegung geben: Der Soft-Launch sei für den 2. Januar 2027 geplant. Erste Schritte bestünden in der Aufklärung über die Funktionen und die Vorteile der Nutzung im Alltag, erklärte der Minister.
Der Anwendungsfall für die Versender erkläre sich von selbst – das hatte Olaf Heinrich, CEO von Redcare, bereits auf der Digital Health Conference im vergangenen Dezember gesagt. Im Gesundheitssystem gebe es vielfältige Anwendungen für EUDI-Wallet: Beispielsweise könnten chronisch kranke oder mobil eingeschränkte Patienten nach einer Videosprechstunde ein Rezept ausgestellt bekommen und dieses direkt einlösen, ohne dass die Gesundheitskarte physisch in der Praxis gesteckt werden müsse. Voraussetzung sei, dass die Wallet eine schnelle und einfache Identifikation ermögliche, so Heinrich.
Zudem sieht der Redcare-CEO erhebliches Einsparpotenzial bei den Krankenkassen. Kosten könnten gespart werden, wenn die Kassen nicht mehr individuelle Identifikationsverfahren vorhalten müssten, sondern dies zentral über EUDI-Wallet laufe.