Suchtpotenzial
Suchtpotenzial
Ein Vergleich

E-Zigarette vs. herkömmliche Zigarette

In Deutschland rauchen nach wie vor ca. 25% aller Menschen. Wäre ein Umstieg auf die E-Zigarette eine sinnvolle Alternative? Die Studienlage ist unübersichtlich!

Berlin -

Rauchen gilt allgemein als ungesund und Auslöser bzw. Risikofaktor für verschiedene Erkrankungen. Dennoch raucht ein erheblicher Teil der Gesellschaft. Angaben aus dem Statistischen Bundesamt zu den Rauchgewohnheiten der bundesdeutschen Bevölkerung zeigen, dass fast ein Viertel der Bevölkerung dem blauen Dunst zugeneigt ist. Davon raucht der überwiegende Teil nicht nur gelegentlich – sondern regelmäßig. Mehr als ein Fünftel der Deutschen greift demzufolge regelmäßig zum Glimmstängel.

Dabei ist längst bekannt, wie stark das Rauchen sich auf unsere Gesundheit auswirkt. Neben der Tatsache, dass es als eine der Hauptursachen für die Entwicklung von Lungenkrebs gilt, wirkt sich der inhalierte Rauch auch auf die Zahngesundheit oder den Verdauungstrakt aus. Experten gehen davon aus, dass Rauchen die Lebenserwartung deutlich reduziert. Und jedes Jahr sterben allein in Deutschland laut Deutschem Krebsforschungszentrum rund 150.000 Menschen an den Folgen des Tabakrauchens. Aufhören wird daher dringend empfohlen und zahlreiche Kampagnen weisen auf die Risiken hin.

Suchtpotenzial - gibt es Unterschiede?

Zigarettenrauch macht süchtig – wahrscheinlich hat inzwischen fast jeder Verbraucher diesen Ausspruch schon einmal zu hören bekommen. Besonders häufig werden wahrscheinlich Raucher damit konfrontiert. Denn der Rauch schädigt nicht nur den eigentlichen Raucher. Auch das sogenannte Passivrauchen hat für dessen Umfeld Folgen. Mit der Frage des Suchtpotentials hat sich die Forschung umfassend beschäftigt. Grundsätzlich scheint sich die Medizin einig darin zu sein, dass vom Nikotin selbst nur ein geringes Suchtpotenzial ausgeht. Allerdings enthalten Zigaretten mehrere tausend chemische Verbindungen, wie:

  • Zucker
  • Ammoniak
  • Feuchthaltemittel
  • Menthol
  • Schellack (Kleber) usw.

Erst durch die Inhalation dieser Mischung erhöht sich das Suchtpotenzial deutlich. Man geht davon aus, dass der Tabakrauch auf diese Weise irgendwo zwischen Alkohol und Kokain liegt.

Der Rauch von E-Zigaretten besteht aus weit weniger verschiedenen chemischen Verbindungen als der klassischer Zigaretten. Auf den ersten Blick wirkt deren Suchtpotenzial daher deutlich geringer. Und auch im Hinblick auf die vielen anderen negativen Faktoren des Rauchens scheint die E-Zigarette besser abzuschneiden. Aber: Wissenschaftler sehen im „Dampfen“ ebenfalls ein hohes Potenzial. Hintergrund ist die Zusammensetzung der Liquids. Letztere entziehen sich mitunter einer umfassenden Kontrolle. Und verschiedenen Inhaltsstoffen wird ebenfalls ein nicht unerhebliches Suchtpotenzial zugeschrieben – wie dem Pyrazin.

Hinzu kommt hier ein weiteres Problem. Das Rauchen führt nicht nur in die körperliche Abhängigkeit. Bestimmte Verhaltensmuster ziehen in gewisser Weise einen Belohnungseffekt nach sich. Die psychische Abhängigkeit kann über einen wesentlichen längeren Zeitraum bestehen als der körperliche Suchtdruck, der mit den Inhaltsstoffen zusammenhängt. Daher ist auch bei der Rauchentwöhnung genau zu unterscheiden, welche Abhängigkeit betrachtet wird. Letztlich kann die E-Zigarette ein geringeres Suchtpotenzial haben, Pauschalisierungen sollten aber vermieden werden.

Wie sieht es mit der Auswirkung auf die Gesundheit aus?
Hinsichtlich der Auswirkungen, die eine E-Zigarette im Vergleich zum Tabakrauchen hat, sind sich selbst Gesundheitsexperten nicht wirklich einig. Klar ist, dass eine Bewertung der Auswirkungen auf die Gesundheit von vielen Faktoren abhängt. Hierbei spielt in erster Linie die genaue Zusammensetzung der E-Zigarette bzw. der verwendeten Liquids eine Rolle. Nur über den aus diesen Inhaltsstoffen entstehenden Dampf lassen sich Rückschlüsse auf mögliche Risiken für die Gesundheit ableiten. Mediziner und Suchtexperten sehen die E-Zigarette an dieser Stelle durchaus kritisch. Es wird unter anderem bemängelt, dass:

  • kanzerogene (krebserregende) und
  • süchtig machende

Stoffe in den einzelnen Flüssigkeiten enthalten sein können. Diese Bedenken werden mit großer Wahrscheinlichkeit solange bestehen, wie sich die Liquids ganz oder in Teilen in ihrer genauen Zusammensetzung einer staatlichen Überwachung oder Regulation entziehen.

Auf der anderen Seite gibt es Stimmen, die der E-Zigarette positive Effekte bescheinigen. Eine kürzlich in Großbritannien publizierte Untersuchung spricht davon, dass die E-Zigarette wesentlich sicherer im Vergleich zur normalen Zigarette ist. Bei genauer Betrachtung lässt allerdings diese Studie einige Lücken erkennen, da man sich hier im Wesentlichen nur auf die gesundheitliche Wirkung einiger weniger Inhaltsstoffe bezieht. Um die Folgen abschließend zu bewerten, muss aber das gesamte Inhaltsstoffspektrum in seiner kombinierten Wirkung untersucht werden. Zusammenfassend lässt sich daher nur ein Fazit ziehen: Selbst Experten sind sich im Hinblick auf die Auswirkungen der E-Zigarette nicht einig.

Dampfen als Alternative zum normalen Rauchen - es scheint bisher der einzige Ersatz zu sein, der von Rauchern wirklich angenommen wird. Ob das Dampfen insgesamt jedoch gesünder ist als die herkömmliche Zigarette, muss die Zeit erst noch zeigen!

Hilft die E-Zigarette beim Aufhören?
Einer der immer wieder angeführten Vorteile einer E-Zigarette ist der Nutzen in der Rauchentwöhnung. Befürworter unterstreichen hier, dass das Dampfen beim Aufhören hilft. Wie realistisch diese Einschätzung ist, lässt sich allerdings nicht mit abschließender Sicherheit feststellen. Derzeit stehen sich hier Befürworter und Gegner gegenüber. Als Argument für die E-Zigarette wird beispielsweise angeführt, dass Raucher auf diese Weise den Zigarettenkonsum reduzieren und deutlich weniger Rauchen.

Auf der anderen Seite bemängeln Kritiker, dass die Effekte teilweise nur temporären Charakter haben. Nach einiger Zeit greifen die Betroffenen wieder zur Zigarette. Damit ist der Effekt aus Sicht der Kritiker faktisch gleich null. Und jede Seite argumentiert mit eigenen Studien oder Metastudien (Untersuchungen, die Studien anderer Autoren zusammenfassen). Letztlich ist nicht gesichert, dass die E-Zigarette einen positiven oder nachteiligen Effekt auf die Entwöhnung von der Zigarette hat.

Fazit: Die E-Zigarette bleibt umstritten
Seit Jahren ist die E-Zigarette auf dem Markt und hat sich inzwischen eine feste Fangemeinde erarbeitet. Und dies aller Kritik zum Trotz. Bereits die Einführung des „Dampfens“ war von einer kontrovers geführten Debatte gekennzeichnet. Inzwischen sind die E-Zigaretten zwar bereits seit Jahren auf dem Markt. Zudem liegen Ergebnisse im Hinblick auf die verdampften Flüssigkeiten vor. Aber: Wirklich schlauer sind selbst Experten im Hinblick auf Auswirkungen auf die Gesundheit nicht. Im Gegenteil: Selbst das Vorliegen verschiedener Studien bringt kein Licht ins Dunkel. Mediziner und Suchtexperten streiten nach wie vor darüber, wie hoch das Suchtpotenzial der E-Zigarette ist und welche Risiken von deren Konsum ausgehen. Am Ende lässt sich nur ein Fazit sicher ziehen: Die E-Zigarette bleibt umstritten – auch weil solide Langzeitstudien bislang nach wie vor fehlen.

Für den Inhalt ist Martin Hoffmann verantwortlich

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