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Apotheken Umschau
Primärversorgung:

Apotheken könnten stärker als Lotsen eingebunden werden

Mit ihrem Titelthema „Das neue Lotsen-Prinzip“ zeigt die Apotheken Umschau, welche Rolle assistierte Telemedizin, Präventionsangebote und die Idee einer Schnellüberweisung für Apotheken in der Primärversorgung bald womöglich spielen.

Cover der „Apotheken Umschau“ mit einer Ärztin und der Aufschrift „Bitte hier entlang! Endlich Termine bei Fachärztin oder Facharzt“.

© W&B/Inga Israel

Baierbrunn - Apotheken sind bereits heute für viele Menschen die erste Anlaufstelle bei gesundheitlichen Fragen. Das pharmazeutische Fachpersonal prüft im Gespräch, ob die Beschwerden in der Selbstmedikation behandelbar sind oder ob womöglich eine ernsthafte Erkrankung dahintersteckt. Dann verweist es an eine Arztpraxis. Diese Lotsenfunktion könnte im geplanten Primärversorgungssystem künftig deutlich stärker genutzt werden.

Die Gesundheitsversorgung in Deutschland muss effizienter werden. Aus diesem Grund möchte die Bundesregierung ein „verbindliches Primärarztsystem“ einführen, so steht es im Koalitionsvertrag. Inzwischen ist von einem sogenannten Primärversorgungssystem die Rede, in das auch andere Gesundheitsberufe einbezogen werden sollen. Menschen mit Gesundheitsproblemen sollen in der Regel zunächst eine Hausarzt- beziehungsweise Kinderarztpraxis aufsuchen. Bei Bedarf leiten die dort tätigen Ärztinnen und Ärzte sie an eine Facharztpraxis weiter. So sollen Patientinnen und Patienten zielgenauer und schneller zur richtigen Behandlung kommen.

„International gibt es umfassende Erfahrungen mit hausärztlich geleiteten Primärversorgungssystemen. Diese können zu mehr Qualität, höherer Patientenzufriedenheit und weniger Krankenhausaufnahmen führen – und damit zu geringeren Kosten“, sagt Prof. Dr. Jutta Bleidorn, Allgemeinärztin und Vizepräsidentin der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), im Gespräch mit der Apotheken Umschau.

Wie sich eine stärker koordinierte Versorgung auswirken kann, zeigt sich am Beispiel Baden-Württemberg. Eine Langzeituntersuchung der Goethe-Universität Frankfurt am Main und des Universitätsklinikums Heidelberg bekräftigt das Modell der Hausarztzentrierten Versorgung (HZV). Zwar sei die Zahl der Hausarztkontakte gestiegen, zugleich aber auch die Anzahl der Facharztbesuche und Krankenhausaufenthalte zurückgegangen. Zudem seien die Aufwendungen für Arzneimittel gesunken, weil potenziell ungeeignete Medikamente nicht erst verordnet worden seien.

Neue Aufgaben für Apotheken

Auch für Apotheken könnte das Primärversorgungssystem neue Möglichkeiten eröffnen. Seit Kurzem dürfen Apotheken beispielsweise bereits assistierte Telemedizin anbieten. Bei Bedarf kann dabei direkt eine Ärztin oder ein Arzt per Videosprechstunde in der Apotheke zugeschaltet werden. Mit der kürzlich beschlossenen Apothekenreform ist nun auch der Weg frei für Angebote in den Bereichen Prävention und Früherkennung. Zum Beispiel dürfen Apotheken künftig mehr Impfungen verabreichen als bisher und bestimmte Screenings anbieten.

Gleichzeitig könnten Apotheken zukünftig eine stärkere Lotsenfunktion einnehmen. „Eine Idee wäre, dass Apothekerinnen und Apotheker zum Beispiel in besonders dringenden Fällen eine Art Schnellüberweisung ausstellen können“, sagte Franziska Scharpf, Vizepräsidentin der Bundesapothekerkammer gegenüber der Apotheken Umschau. „Damit könnten die betroffenen Patientinnen und Patienten so schnellstmöglich einen Termin in einer Praxis bekommen.“

Verbindliche Regeln und interdisziplinäre Praxisteams notwendig

Wie das Primärversorgungssystem im Detail ausgestaltet werden soll, ist allerdings noch offen. Der Gesundheitsökonom Prof. Dr. Jonas Schreyögg fordert im Gespräch mit der Apotheken Umschau jedenfalls verbindliche Regeln auf Bundesebene, damit sich die Steuerungswirkung voll entfalten kann. Darüber hinaus plädiert der Gesundheitsökonom von der Universität Hamburg für interdisziplinäre Teams in Praxen. Insbesondere im ländlichen Raum könnten andere Berufsgruppen aus dem Gesundheitsbereich, etwa weitergebildete Pflegekräfte oder speziell geschulte medizinische Fachangestellte, bestimmte ärztliche Aufgaben übernehmen.

Diese Meldung ist nur mit Quellenangabe zur Veröffentlichung frei. Das Gesundheitsmagazin Apotheken Umschau 8B/2026 ist aktuell in den meisten Apotheken erhältlich. Viele weitere interessante Gesundheits-News gibt es unter www.apotheken-umschau.de sowie auf Instagram und YouTube.

Über die Apotheken Umschau

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