Pulver, Schaum oder doch CO<sub>2</sub>?

Feuerlöscher in Apotheken: Das sollten Sie beachten

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Berlin -

Feuerlöscher gehören freilich nicht zum Kerngeschäft von Pharmazeuten. Apothekeninhaber können sich aber eine Menge Zeit und Ärger sparen, wenn sie ihren Betrieb mit den richtigen Geräten ausrüsten. Denn wie der Fall der Rathaus-Apotheke in Neumarkt zeigt, kann ein falscher Feuerlöscher weitaus größeren Schaden anrichten als ein kleiner Brand. Worauf sollten Apotheker also achten, wenn sie die Offizin mit Feuerlöschern bestücken?

Wer an der falschen Stelle spart, zahlt hinterher oft drauf – das gilt auch beim Brandschutz. Vielerorts sind immer noch sogenannte Pulverfeuerlöscher im Einsatz. Die haben einige Vorteile – unter anderem, dass sie günstig in der Anschaffung sind. Kommen sie einmal zum Einsatz, kann es aber sehr teuer werden. Denn Pulverfeuerlöscher arbeiten mit sogenanntem ABC-Pulver. Das hat neben dem Preis den Vorteil, dass damit alle drei Brandklassen, also feste (A) und flüssige (B) Stoffe sowie Gasbrände (C), gelöscht werden können. Außerdem ist das Pulver lange haltbar und widerstandsfähig, Pulverlöscher können auch an Orten gelagert werden, in denen Frostgefahr herrscht.

Das widerstandsfähige Pulver ist aber auch gleichzeitig der größte Nachteil. Dabei handelt es sich meist um feinst zermahlenes Monoammoniumphosphat und Ammoniumsulfat, das das Feuer durch einen sogenannten „antikatalytischen Löscheffekt“ abtötet, bei dem durch Radikalbildung und Rekombination die weitere Verbrennung unmöglich gemacht wird. Der Pulverstrahl leitet keinen Strom, Pulverlöscher können deshalb auch zum Löschen von elektrischen Anlagen bis 1000 Volt verwendet werden. Die Anlage ist danach aber auf jeden Fall hinüber, und zwar nicht nur wegen des Feuers an sich, sondern auch wegen des Löschmittels.

Die mikrometergroßen Salzkristalle verteilen sich nämlich durch den Druck in Sekundenschnelle im gesamten Raum. Hinzu kommt die hygroskopische Wirkung, die vor allem Metalle schnell rosten lässt. „Das kann beispielsweise Leiterplatten von Computern zerfressen“, erklärt Manuel Lautermann, Geschäftsführer des auf die Prüfung von Feuerlöschern spezialisierten Unternehmens Brinitzer Brandschutz Service. „Und auch auf anderen Flächen kriegt man das nur ganz schwer wieder weg. Da kann man 20, 30 Mal wischen, es ist immer noch da, zieht dann Wasser, klumpt und verschmiert. Das ist nicht schön. Vor allem in Apotheken mit den kleinteiligen Verkaufsflächen und Regalen ist das kaum machbar.“

Lautermann rät Apotheken deshalb dringend von Pulverlöschern ab. „Die drei Apotheken, die wir beraten, benutzen alle Schaumfeuerlöscher“, sagt er. „Und die Preisdifferenz ist nicht besonders groß. Einen prüffähigen Pulverlöscher bekommt man für 50 bis 80 Euro, einen Schaumfeuerlöscher für 70 bis 110 Euro.“ Anders als Pulver- haben Schaumfeuerlöscher allerdings in der Regel ein Ablaufdatum und müssen je nach Modell aller zwei bis zehn Jahre ausgetauscht werden. Außerdem sind sie nur mit Zusätzen fortbeständig.

Der Löschschaum besteht im Wesentlichen aus einen Füllgas, Wasser und einem Schaummittel. Dessen genaue chemische Zusammensetzung unterscheidet sich je nach Hersteller und ist oft Betriebsgeheimnis. Das Feuer wird durch den Trenneffekt abgetötet, also die Abtrennung des Brandes von der umgebenden Atmosphäre durch die Schaumdecke. Die Verdampfung des enthaltenen Wassers entzieht dem Brand zusätzlich Wärmeenergie und der Deckeffekt verhindert, dass explosive Gas-/Luft-Gemische entstehen.

Für umweltbewusste Anwender gibt es mittlerweile sogar Bio-Schaumfeuerlöscher: Deren Löschmittel enthält maximal 0,04% Fluortensidanteil, und ist frei von umweltschädigender Perfluoroctansäure und Silikonen. Laut Hersteller Gloria ist der Schaum zu 99 Prozent biologisch abbaubar. Den Schaum zu entfernen ist trotzdem kein Vergnügen, im Gegensatz zum Pulverlöscher beschränkt sich die Verschmutzung aber größtenteils auf den Brandherd. „Dort, wo es brennt, hat man sowieso eine Sauerei“, sagt Lautermann. Speziell für Apotheken ist neben Pulver- und Schaumlöschern aber auch eine dritte Feuerlöscherklasse relevant: sogenannte CO2-Feuerlöscher.

CO2-Feuerlöscher sind teurer, aber die erste Wahl in Räumen mit technischem Equipment wie elektrischen Betriebsräumen, Serveranlagen, aber auch in Laboren. Denn anders als Pulver- oder Schaumfeuerlöscher hinterlassen sie keinerlei Rückstände. Wie der Name schon sagt, funktionieren sie mit Kohlenstoffdioxid, das unter Hochdruck auf den Brandherd gesprüht wird. Das Gas ist schwerer als Sauerstoff und verdrängt diesen, bis die löschwirksame Konzentration von weniger als 15 Volumenprozent Sauerstoff erreicht ist.

Doch auch CO2-Löscher haben einen Nachteil – und zwar einen erheblichen: Ihr Einsatz kann in kleinen und engen Räumen lebensgefährlich sein. Denn durch das innerhalb weniger Sekunden freigesetzte große CO2-Volumen kann sich die Kohlenstoffdioxidkonzentration in der Raumluft blitzschnell erhöhen. Bereits ab 2 Volumenprozent CO2 in der Atemluft kommt es zu einer starken Erhöhung der Atemfrequenz, ab 4 Volumenprozent treten zusätzlich Durchblutungsstörungen im Gehirn auf und ab 5 bis 8 Volumenprozent droht Erstickungsgefahr. Mögliche Warnzeichen sind ein verstärkter Atemtrieb oder Atemnot.

Vor allem Inhaber kleine Apotheken sollten deshalb genau prüfen, ob sich so ein Feuerlöscher für den Verkaufsraum oder andere Räumlichkeiten wie Büros oder Labore eignet, und auch falls das zutrifft genau auf die richtige Anwendung achten. Dabei sollte man aber nicht vergessen, dass ein Brand eine Ausnahme- und Gefahrensituation ist, in der die allermeisten Menschen nicht durchdacht, sondern intuitiv handeln. Zur Eignung von Räumlichkeiten für einen CO2-Feuerlöscher hat die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DVUG) Richtlinien vorgegeben: 5,5 m2 freie Grundfläche pro Kilogramm CO2. Bei den beiden gängigsten Größen bedeutet das: 11 m2 für einen 2-kg-Löscher und 27,5 m2 für einen 5kg-Löscher.

 

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