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Kulanz ist, wenn man trotzdem lacht Alexander Müller, 13.06.2020 07:58 Uhr

Berlin - 

Nullretaxierungen haben einen doppelten Schmerzfaktor. Je nach Schwere des Abrechnungsfehlers kann es finanziell weh tun. Zweitens und vor allem aber schmerzt das Gefühl, ungerecht behandelt worden zu sein. Deswegen sollen die Kassen zumindest erklären, warum sie die Versorgung ihres Versicherten nicht bezahlen wollen.

Apotheker Sören hat wurde retaxiert – 2496 Euro will ihm die Kasse abziehen. Weil der Patient sein Arzneimittel bekommen hat (sogar im Notdienst) und es sich wirklich nur um einen formalen Fehler gehandelt hat, legt Sören Widerspruch ein.

Eigentlich hat er ein gutes Gefühl. Seit das Sozialgericht eine Kasse verdonnert hat, ihre eigene Gnadenlosigkeit schriftlich zu begründen, hätte es besser werden können. Aber nichts da, es wird einfach weiter retaxiert und jede noch so detaillierte Ausführung zum Einzelfall mit dem einem hurmorlosen „Einspruch abgewiesen“ abgebügelt.

Was wäre das für eine schöne Welt, wenn die Freunde Sören und Frank sich gegenseitig schreiben würden wie kleine Brieffreunde. Etwa so:

Lieber Apothekerfreund Sören,

heute habe ich deinen Brief bekommen, für die Retacksierung. Ich habe das kontolliert, leider kanst du das Gelt nicht wiederbekommen. Kuhlanz ist schön, aber wir wollen das Gelt lieber behalten für uns. Weil du hast das Rezept nicht so genau angeschaut und da vehlte nähmlich ein Kreutz. Und außerdem warst du auch gemein, und hast die Erklärung über den Verzicht auf Einrede der Verjährung nicht geschickt. Also: Einspruch abgewiesen.

Dein Kassenfreund Frank

Aber jetzt mal im Ernst: Wie könnte diese wundervolle Entscheidung des Sozialgerichts Nordhausen die Beziehung von Apothekern und Krankenkassen entkrampfen! Apotheker haben demnach einen Anspruch auf eine ermessensfehlerfreie Entscheidung über ihren Kulanzantrag. Ohne eine solche Überprüfungsmöglichkeit stünde es den Kassen frei, „in nahezu willkürlicher Form“ von Retaxationen Abstand zu nehmen. Nur eine Frage noch, hohes Gericht: Was meinen Sie mit „nahezu“?

Nahezu gut funktioniert hat auch der IT-Umzug der Apobank. Bis auf die Sache mit der App und dem Login. Und dass die Kontoanzeige nicht richtig funktioniert hat. Aber das war zunächst offiziell nur ein Darstellungsproblem. Erst als das Geld wirklich nicht da war und sich Anfänge von Nervosität bei Großhändlern und Rechenzentren breit machte, räumte die Apobank ein, dass vielleicht doch nicht alles geklappt hat. Mehr noch: Auf der Homepage entschuldigt sich die Bank für das Chaos. Das ist übrigens noch nicht ausgestanden, und für die Bank kann das noch richtig teuer werden.

Zu teuer erschien einem Apotheker der Umbau seiner Apotheke. Doch die Barrierefreiheit steht in der Apothekenbetriebsordnung und die Aufsicht ließ sich nicht auf Rampe und Klingel ein. Am Ende wurde der Apotheker gerichtlich dazu verdonnert, den Bürgersteig auf die Höhe seiner Stufe anzuheben, Kosten: 8000 Euro. Klingt hart, ist aber gut investiertes Geld!

Etwas freihändiger im Umgang mit Geld war offenbar Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) bei der Bestellung von Schutzmasken. Dann gab es Berichte über mangelhafte und verschwundene Ware – und jetzt Klagen, weil Rechnungen offenbar nicht bezahlt wurden.

Aber er tut auch Gutes: Im BMG wird daran gebastelt, dass die geplante Mehrwertsteuersenkung nicht auf den Kassenabschlag durchschlägt. Ausgerechnet die Apotheker sollen jetzt ja nicht unter dem Konjunkturpaket leiden – nachdem sie doch monatelang „an der Coronafront geackert“ hatten, wie DAV-Chef Fritz Becker es nannte.

Ist Skonto Subvention? Was inzwischen klar ist: Die Großhändler dürfen ihre 70-Cent-Marge nicht weitergeben. Offen war noch die Frage, was echte und was unechte Skonti sind. Damit wollte sich der BGH aber auch in der zweiten Skonto-Runde nicht befassen. Denn die 4,5 Prozent Preisnachlass bei mehr als drei Monaten Zahlungsziel war allzu offensichtlich Rabatt.

Wenn Sie abschließend wissen wollen, wie welcher Schnelltest funktioniert: BITTESCHÖN (inklusive Download zu den Parametern). Und wenn Sie wissen wollen, ob sie glaubwürdiger Apotheker und guter Verkäufer gleichzeitig sein können, schauen Sie das aktuelle Video von Coach Timo Wopp. Haben Sie wenigstens was zu lachen. Schönes Wochenende!