Reimporteure

Verheugen verteilt „Abschiedsgeschenke“

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Der Bundesverband der Arzneimittel-Importeure (BAI) hat schwere Vorwürfe gegen den EU-Industrie-Kommissar Günter Verheugen erhoben. Mit seinen angekündigten Gesetzesinitiativen verteile Verheugen „Abschiedsgeschenke an die Pharmaindustrie“, kritisierte der BAI den Vorstoß des scheidenden Vizepräsidenten der EU-Kommission. Beim Hauptstadtkongress Anfang des Monats hatte Verheugen eine Initiative im Herbst angekündigt, um die Umverpackung von Arzneimitteln zu verbieten. Parallelimporte wären damit de facto unmöglich.

Verheugen plant zudem eine Codierungen der Arzneimittelpackungen, um eine Rückverfolgung der Lieferungen zu ermöglichen. Mit beiden Maßnahmen will er nach eigenem Bekennen dem wachsenden Problem der Arzneimittelfälschungen in Europa entgegen treten. Der BAI hält dieses Argument für einen „Vorwand“. Verheugen setze mit seinem Maßnahmenpaket fast alle Forderungen der großen Pharmakonzerne um, unterstellt der Verband.

Der EU-Kommission sei bekannt, dass seit der Markteinführung von Importarzneimitteln in Deutschland in 30 Jahren kein einziger Fall von Arzneimittelfälschungen aufgetreten sei. Die eigentliche Gefahr gehe vielmehr vom illegalen Versandhandel vor allem per Internet aus, „gegen den der EU-Kommissar offensichtlich nichts unternehmen will“, so der BAI.

Importarzneimittel seien zudem derzeit das einzige Wettbewerbselement im Bereich der patentgeschützten Arzneimittel, so der BAI. „Das lässt den Schluss zu, dass hier wohl die Durchsetzung wirtschaftlicher Interessen vor allem der multinationalen Pharmaindustrie im Vordergrund steht“, sagte der BAI-Vorsitzende Andreas Mohringer. Verheugens Vorhaben entsprächen umfassend den Forderungen des Europäischen Dachverbandes der forschenden Pahrmaindustrie (EFPIA), unterstellt der BAI. Mitglieder im Verband sind Eurim-Pharm, Pharma Westen und Beragena.

Über den Vorstoß des EU-Kommissars war es bereits zu einer Auseinandersetzung des Bundesverbandes Deutscher Versandapotheken (BVDVA) und dem Verband der Arzneimittelimporteure (VAD) gekommen, der weitere große deutsche Reimporteure vertritt.

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