Apotheker testet Versandhandel

DocMorris und die geschmolzenen Kapseln Alexander Müller, 07.08.2017 15:28 Uhr

Berlin - Eine Kundin verlangte in der Fortuna-Apotheke in Dettenhausen Döderlein Vaginalkapseln. Apotheker Christopher Kreiss riet, das auch in der Apotheke gekühlte Medizinprodukt bei den aktuellen sommerlichen Temperaturen zu Hause am besten im Kühlschrank aufzubewahren. Dann fragte er sich, wie Versandapotheken diese Herausforderung eigentlich meistern würden und bestellte die Kapseln bei DocMorris. Nach dem ernüchternden Ergebnis hat er mehrere temperaturkritische Arzneimittel bei verschiedenen Versendern bestellt und die Behörden eingeschaltet.

Seinen ersten Test beschreibt er so: Am 6. Juli bestellte er eine Packung Döderlein Vaginalkapseln (10 Stück, PZN: 10571331) bei der DocMorris. Das Präparat des Herstellers Hälsa wird in Deutschland von GlaxoSmithKline vertrieben und hat den Status eines Medizinprodukts. Gemäß Packungsbeilage soll das Präparat ausdrücklich nicht über 20°C gelagert werden.

Am 7. Juli, einem Freitag, erfolgte laut Kreiss der erste Zustellversuch durch DHL. Kreiss konnte die Lieferung nicht selbst entgegennehmen, auch der zweite Zustellversuch am Samstag blieb erfolglos. Der Apotheker erhielt die typische Mitteilung, dass er das Päckchen nunmehr in der nächsten Postfiliale abholen könne, wo es sieben Werktage gelagert werde.

Erst am 14. Juli holte Kreiss die Sendung ab. An diesem Tag lag die Außentemperatur Kreiss zufolge bei weit über 30°C – die Filiale der Post sei nicht klimatisiert. Die noch verschlossene Packung Vaginalkapseln packte Kreiss nach eigenen Angaben im klimatisierten Auto unverzüglich in eine Styropor-Box mit Kühlelement und Minimum-Maximum-Thermometer. Dann sei er direkt in das zuvor verständigte Labor des „Instituts für medizinische Mikrobiologie und Hygiene“ des Universitätsklinikum Tübingen gefahren. Dort wurde die Packung in Anwesenheit von zwei Zeugen geöffnet.

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