Saarland

Beipackzettel sollen verständlicher werden

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Berlin -

Kleine Schrift, lange Sätze, viele Fremdwörter: Beipackzettel sind für viele Patienten nur schwer zu verstehen. Das Saarland will das ändern. Die Landesregierung hat dem Bundesrat einen Antrag vorgelegt, um die Lesbarkeit der Packungsbeilagen zu verbessern. Noch im Januar soll der Vorschlag in den Gesundheitsausschuss eingebracht und vom Bundesrat behandelt werden. Bei der Gestaltung sollen auch die Apotheker mitreden.

Mit dem Antrag will die Landesregierung einen Impuls setzen, „um die Arbeit, patientenfreundlichere Packungsbeilagen zu gestalten, auf nationaler und internationaler Ebene weiter voranzutreiben“, erklärt eine Sprecherin des Gesundheitsministeriums. Ministerin Monika Bachmann (CDU) hatte bereits im Mai angekündigt, sich mit einer Gesetzesinitiative für übersichtlichere Beipackzettel einsetzen zu wollen.

Ein neues Gesetz soll es nun zwar nicht geben, aber der Bundesrat soll im Januar eine entsprechende Entschließung fassen: Die Bundesregierung soll das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) und das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) hinzuziehen und prüfen, wie Packungsbeilagen patientenfreundlicher werden können. Auch auf EU-Ebene soll sich die Bundesregierung dafür einsetzen, die Lesbarkeit von Beipackzetteln zu verbessern.

Wie schwer verständlich die Beipackzettel sind, zeigt aus Sicht der saarländischen Regierung eine Studie der Übersetzungsfirma LangCor und der Kommunikationsagentur H&H Communication Lab aus dem Jahr 2011. Untersucht wurden die Packungsbeilagen von 20 der 25 meistverkauften OTC-Arzneimittel. Das Ergebnis: Viele Packungsbeilagen wurden als schwer oder sehr schwer verständlich eingestuft. „Einige der untersuchten Packungsbeilagen erreichen sogar einen Schwierigkeitsgrad, der in der Nähe einer wissenschaftlichen Dissertation anzusiedeln ist“, so das Fazit.

Untersucht wurden verschiedene Faktoren, etwa die Informationsfülle, die Verwendung von Fachbegriffen oder die Satzlänge. Ein durchschnittlicher Satz bestand demnach aus mehr als 13 Wörtern. Jeder sechste Satz enthielt mehr als 20 Wörter und war den Autoren zufolge schon aufgrund seiner Länge als schwer verständlich einzustufen.

Aus den verschiedenen Analyseergebnissen erstellten die Autoren einen Index für die Lesbarkeit von Packungsbeilagen. Lediglich den Beipackzettel der Bepanthen Wund- und Heilsalbe stuften sie im Ergebnis als patientenfreundlich ein. Dahinter folgten ACC akut Brausetabletten und Prospan Hustensaft. Am schlechtesten schnitten Ibu-Ratiopharm, Thomapyrin Classic Schmerztabletten und ASS-Ratiopharm ab.

Insgesamt haben die Autoren einige Barrieren ausgemacht, die der Verständlichkeit im Weg stehen. Dazu zählten sie einen fachlichen Sprachstil, komplexe Sätze, lange Wortschöpfungen, Fachbegriffe, eine passive Leseransprache, eine hohe Informationsdichte, eine kleine Schriftgröße und eine unübersichtliche Gliederung.

Das BfArM hatte bereits im April dieses Jahres Empfehlungen für bessere Packungsbeilagen ausgesprochen. Die Behörde rät zu verschiedenen Methoden, um die Verständlichkeit zu verbessern: Durch einen aktiven Sprachstil beispielsweise würden sich Patienten direkt angesprochen fühlen. Außerdem sollten die Hersteller möglichst konkrete Handlungsanweisungen geben und sich auf die Informationen und Handlungsanweisungen beschränken, die der Anwender tatsächlich umsetzen kann.

Fachbegriffe sollten laut BfArM-Empfehlung ins Deutsche übertragen werden, sofern sie nicht schon zum allgemeinen Sprachgebrauch gehören. Generell sollte eine „einfache, für den Durchschnittspatienten verständliche Sprache“ verwendet werden. Die Experten raten außerdem zu Aufzählungspunkten für eine bessere Gliederung und den Verzicht auf inhaltliche Wiederholungen. Insgesamt soll auf eine gute optische Gliederung und Gestaltung geachtet werden. Die Hersteller sollen mit Lesbarkeitsprüfungen testen, ob ihr Layout geeignet ist.

Allerdings: „Trotz all dieser Regelungen muss die Lesbarkeit von Packungsbeilagen weiter verbessert werden“, findet die saarländische Regierung. Insbesondere von älteren Patienten würden Schriftgröße, Informationsfülle oder Fremdwörter beanstandet. Die Regierung kritisiert, dass die Bedeutung patientenfreundlicher Beipackzettel im Gesundheitswesen immer noch unterschätzt werde. „Um eine höhere Therapietreue und damit auch eine Kosteneinsparung zu erzielen, muss insbesondere auf europäischer Ebene eine Verbesserung der Lesbarkeit von Packungsbeilagen erreicht werden.“

Um den Prozess „aktiv voranzubringen“, sollen der Ministeriumssprecherin zufolge im Februar Gespräche mit der Arbeitsgruppe „Beipackzettel“ stattfinden. Vorschläge zur Verbesserung der Aufmachung und des Inhalts der Zusammenfassungen der Arzneimittelmerkmale und der Packungsbeilagen sollen darüber hinaus auch in nationalen und europäischen Gremien in Zusammenarbeit mit Organisationen von Patienten, Verbrauchern, Ärzten, Apothekern und Sozialversicherern diskutiert werden.

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