Beeinflussbare Risikofaktoren

Studie: Hälfte aller Schlaganfälle vermeidbar

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Berlin -

Es sind die fünf Klassiker, die zu den kardiovaskulären Risikofaktoren zählen: Übergewicht, Bluthochdruck, erhöhte Cholesterinwerte, Rauchen und Diabetes mellitus. Mehr als die Hälfte aller Herz-Kreislauf-Erkrankungen weltweit wird durch sie ausgelöst, das konnten Wissenschaftler:innen nun nachweisen. Dabei sind alle Faktoren modifizierbar: „Die Ergebnisse haben höchste Bedeutung, wenn wir die Prävention in diesem Bereich stärken wollen“, so das Fazit der Forschenden zur Studie.

Für die Studie wurden Daten von 1,5 Millionen Menschen aus 34 Ländern ausgewertet und die Ergebnisse im New England Journal of Medicine veröffentlicht. Wissenschaftler:innen des Global Cardiovascular Risk Consortium unter Leitung der Klinik für Kardiologie im Universitären Herz- und Gefäßzentrum des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) und des Deutschen Zentrums für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK) konnten nachweisen, dass die fünf klassischen kardiovaskulären Risikofaktoren im direkten Zusammenhang mit mehr als der Hälfte aller weltweiten kardiovaskulären Erkrankungen stehen. Weitere Erkenntnis: Ein erhöhter Blutdruck spielt eine Schlüsselrolle beim Auftreten von Herzinfarkten und Schlaganfällen.

Schleichend und unerkannt

Kardiovaskuläre Erkrankungen sind verantwortlich für etwa ein Drittel aller weltweiten Todesfälle. Schwierig für eine frühzeitige Diagnose ist die langsame und oft unbemerkte Entwicklung:

  • Innenwände der Arterien verändern sich
  • Fette aus dem Blut lagern sich an
  • es kommt zu sogenannten Plaques
  • Arteriosklerose entsteht
  • bis erste Symptome auftreten können 20-40 Jahre vergehen

Folge: Es kann zu koronarer Herzkrankheit und Komplikationen wie Herzinfarkt, akutem Herztod oder Schlaganfall kommen.

„Unsere Studie zeigt deutlich, dass über die Hälfte aller Herzinfarkte und Schlaganfälle durch die Kontrolle und Behandlung der klassischen Risikofaktoren vermeidbar sind. Diese Ergebnisse haben höchste Bedeutung, wenn wir die Prävention in diesem Bereich stärken wollen“, so Dr. Stefan Blankenberg, Ärztlicher Leiter des Universitären Herz- und Gefäßzentrums des UKE.

Gleichzeitig seien rund 45 Prozent der weltweiten kardiovaskulären Erkrankungen nicht durch diese Risikofaktoren erklärt: „ Das sollte uns und die akademischen Fördermittelgeber zu weiteren Forschungsanstrengungen motivieren“, so Blankenberg.

Studiendaten aus 34 Ländern

Insgesamt wurden für die Studie 112 Kohortenstudien ausgewertet. Die Proband:innen stammten aus Ländern der acht geographischen Regionen Nordamerika, Lateinamerika, Westeuropa, Osteuropa und Russland, Nordafrika und Mittlerer Osten, Subsahara-Afrika, Asien und Australien. Ziel der Studie: Die Forscher:innen wollten die weltweite Verteilung, die Bedeutsamkeit der einzelnen Risikofaktoren und deren Auswirkungen auf kardiovaskuläre Erkrankungen und die Gesamtsterblichkeit besser verstehen. Daraus sollen dann gezielte, präventive Maßnahmen abgeleitet werden.

„Die untersuchten fünf klassischen Risikofaktoren sind prinzipiell modifizierbar und damit zugänglich für präventive Maßnahmen. Bisher gab es widersprüchliche Studienergebnisse, welcher Anteil der kardiovaskulären Erkrankungen durch diese Risikofaktoren tatsächlich erklärt ist“, so Erstautorin Dr. Christina Magnussen, Klinik für Kardiologie im Universitären Herz- und Gefäßzentrum des UKE. Dabei zeigten sich regionale Unterschiede in den acht globalen Regionen hinsichtlich der Häufigkeit der Risikofaktoren.

Höchste Werte für die fünf Risikofaktoren:

  • Übergewicht in Lateinamerika
  • Bluthochdruck und erhöhte Cholesterinwerte in Europa
  • Rauchen besonders in Lateinamerika und Osteuropa ausschlaggebend
  • Diabetes mellitus in Nordafrika und im Mittleren Osten

Alle fünf Risikofaktoren zusammengenommen haben Frauen mit 57,2 Prozent des kardiovaskulären Risikos einen höheren Anteil als Männer mit 52,6 Prozent. Ein erheblicher Anteil des kardiovaskulären Risikos ist somit weiterhin nicht geklärt. „Im Vergleich dazu erklären die fünf Risikofaktoren lediglich rund 20 Prozent des Risikos zu versterben (Gesamtsterblichkeit), so die Forschenden.

Linearer Anstieg

Die Ergebnisse zeigen zudem, dass die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten von Herz-Kreislauf-Erkrankungen linear steigt: Je höher die Cholesterin-Werte oder der Blutdruck sind, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit für Schlaganfall & Co. Dieses Ergebnis gilt für alle untersuchten weltweiten Regionen.

Ebenfalls zwischen dem Cholesterinspiegel und der Gesamtsterblichkeit konnten die Wissenschaftler:innen etwas ungewöhnliches feststellen: „Sowohl sehr niedrige als auch hohe Cholesterinwerte bedingen eine erhöhte Gesamtsterblichkeit“, so die Studienautoren.

Dabei sei aber auch das Alter nicht außen vorzulassen, denn: „Die Bedeutung aller Risikofaktoren nimmt über das Alter ab, beispielsweise ist ein erhöhter Blutdruck für 40-Jährige schädlicher als für 80-Jährige“, so die Forscher:innen. Einzige Ausnahme sei dabei der Body-Mass-Index (BMI): „Dies wirft die Frage auf, inwieweit die Zielwerte zur Behandlung der kardiovaskulären Risikofaktoren im höchsten Lebensalter identisch mit denjenigen im mittleren bis höheren Lebensalter sein sollten“, so Blankenberg.

Präventive Ansätze

Menschen mit kardiovaskulärem Risiko oder Patient:innen mit kardiovaskulären Erkrankungen können durch Verbesserung des Lebensstils und durch Senkung erhöhter Blutdruck- oder Cholesterinwerte das Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen minimieren.
„Ein erhöhter systolischer Blutdruck erklärte den größten Teil des kardiovaskulären Risikos. Wir sollten besonderes Augenmerk auf die Therapie von Patient:innen mit erhöhtem Blutdruck legen, um kardiovaskuläre Erkrankungen soweit wie möglich zu vermeiden“, so Dr. Magnussen.

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