OTC-Medikamente

Erkältung: Lücken in der Sichtwahl

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Berlin -

Die Erkältungssaison hat begonnen, die Apotheken sind mit entsprechenden Medikamenten eingedeckt. In den kommenden Wochen und Monaten wird sich zeigen, ob die richtigen Mengen bevorratet wurden. Im vergangenen Jahr war die Nachfrage so groß, dass einige Hersteller vorübergehend nicht liefern konnten. Die APOSCOPE-Studie „Erkältungsmarkt 2017/2018: Was das Apothekenteam empfiehlt“ zeigt, welche Mittel in den vergangenen Monaten fehlten.

Platz 1: Bepanthen Augen- und Nasensalbe
Zwar kein klassisches Erkältungsmittel, aber gerne gegen rote und entzündete Nasen eingesetzt, war Bepanthen zuletzt das Sorgenkind von Bayer. Im Frühjahr konnte der Konzern die Augen- und Nasensalbe wochenlang nicht liefern – 38 Prozent der Teilnehmer der APOSCOPE-Studie hatten diesen Engpass noch in Erinnerung.

Die Gründe waren produktionstechnischer Natur: Bei der Einrichtung eines neuen Mixers am Standort Grenzach war es zu Problemen gekommen, einhergehend damit hatten sich technische Schwierigkeiten in der Abfülllinie ergeben. Daher waren mehrere Produkte von Bepanthen und Bepanthol nur eingeschränkt lieferfähig.

Kaum war der Lieferengpass im Sommer behoben, stand Bayer vor einem neuen Problem. Apotheken meldeten für die neu produzierten Chargen eine Phasentrennung. Bayer verwies darauf, dass ein Ausölen der enthaltenen weißen Vaseline die Ursache sei. Dieses Problem könne „grundsätzlich immer auftreten“ – der Konzern erinnerte an die Hinweise zur Lagerung.

Platz 2: Mucosolvan
Sanofi hatte zuletzt mit Mucosolvan Probleme. Die Ambroxol-haltigen Lutschpastillen wiesen Abweichungen im Wirkstoffgehalt auf, nach Stabilitätsuntersuchungen mussten zahlreiche Chargen zurück. Der Saft als Hauptumsatzträger war nicht betroffen.

Platz 3: Bronchipret
Bionorica konnte ab vergangenem Sommer den Bronchipret-Saft vorübergehend nicht liefern. Das tat dem Erfolg der Marke keinen Abbruch: Bronchipret legte um 24 Prozent auf 3 Millionen Packungen zu – Platz 5 nach absolutem Packungszuwachs.

Platz 4: Otriven / Platz 8: Olynth
Gleich zwei Rhinologika fehlten in der vergangenen Saison, wobei der Ausfall des einen Anbieters Engpässe beim zweiten Lieferanten verursachte: Weil Johnson & Johnson die Olynth Nasentropfen für Säuglinge zum 1. April vom Markt nahm, musste auch GlaxoSmithKline beim Pendant mit 0,025 Prozent Xylometazolin einen Engpass melden. Die Probleme des Konkurrenten hätten nicht eingeplant werden können, hieß es.

Platz 5 - 10: Bronchoforton, Lemocin, Bronchicum Thymian, Olynth, Nasenspray Ratiopharm, Nasic
Außerdem fehlten laut APOSCOPE-Umfrage in den vergangenen Monaten in den Apotheken die Bronchoforton Salbe (Zentiva), die Lemocin-Lutschtabletten (GSK), Bronchicum Thymian Saft (Klosterfrau), Olynth (J&J), Nasenspray Ratiopharm und Nasic (Klosterfrau).

Vereinzelt genannt wurden auch ACC Kindersaft (Hexal), Mucoangin und Boxagrippal (beide Sanofi), Ibuprofen Ratiopharm, Phytohustil (Bayer) und Xyloduo (Ratiopharm). Insgesamt gab knapp ein Drittel der Teilnehmer (31,6 Prozent) an, bei Erkältungsmitteln in der vergangenen Saison Lieferprobleme gehabt zu haben.

Allerdings war der Winter 2016/17 auch von einer starken Erkältungswelle geprägt gewesen. 57 Prozent der Teilnehmer gaben an, dass sie dank der großen Nachfrage ihre Vorräte auffüllen mussten. Am häufigsten nachbestellt wurden demnach Sinupret (34 Prozent), Grippostad C (25), Nasenspray Ratiopharm (23), Aspirin complex (21), Bronchipret (19), Prospan (17), Gelomyrtol (15), ACC akut und Mucosolvan (je 10) sowie Wick Medinait (9).

Für die APOSCOPE-Studie „Erkältungsmarkt 2017/2018: Was das Apothekenteam empfiehlt“ wurden 507 verifizierte Teilnehmer aus der Offizin befragt, davon 275 Apothekerinnen und Apotheker und 232 PTA. Insgesamt wurden 162 Produkte von 65 Herstellern abgefragt; hier standen Empfehlungsverhalten, Einschätzung der Wirksamkeit, Markenbildung und Konditionen im Vordergrund. Untersucht wurde außerdem, welche konkreten Produkte von den Kunden nachgefragt werden, welche Marken platziert werden und welche Kampagnen den Teams positiv oder negativ aufgefallen sind.

Zu den wichtigsten allgemeinen Themen der Befragung zählen Abverkauf/Warenkorb, Bevorratung, Preisbildung und Lieferfähigkeit. Gefragt wurde außerdem nach der Einschätzung zu Generika, Kombinationspräparaten sowie pflanzlichen und homöopathischen Präparaten. Weitere Themen sind das Grüne Rezept und die Konkurrenz durch Versandhandel und Mass Market.

Die vollständige Studie mit mehr als 1000 Seiten, Analysen und Grafiken, Tabellenband und Management Summary kann hier kostenpflichtig bestellt werden. APOSCOPE betreibt Online-Marktforschung im Apotheken- und Pharmamarkt und verfügt über ein verifiziertes Expertenpanel aus Apothekern und PTA.

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