Kreative Zerstörer

Das Apotheken-Duell

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Berlin -

Sie hat sich tapfer geschlagen: Die Hamburger Apothekerin Heike Gnekow von der Adler Apotheke trat im Rahmen eines Videoduells für das Unternehmer-Magazin Impulse gegen Max Müller, Strategie-Vorstand bei DocMorris, an. Die Hauptfrage lautete: Wem gehört die Zukunft?

Beiden – da waren sich die Duellanten natürlich einig. Gnekow hatte in Vorbereitung auf das Gespräch den Konkurrenten getestet und stellte ihm ein schlechtes Zeugnis aus. Müller hielt dagegen und warf ihr ein „falsches Bild von Versandapotheken“ vor.

Das Magazin Impulse bittet „kreative Zerstörer“ zum Wort-Duell. Der österreichische Nationalökonom und Politiker Joseph Schumpeter (1883-1950) erfand diesen Begriff. Er bezeichnete damit junge Unternehmer (heute: Start-ups), die mit neuen Ideen auf den Markt drängen, ganze Märkte verändern und etablierte Unternehmen bedrohen und auch zerstören können.

Junge Wilde vs. Erfahrung – wer wird sich durchsetzen? Nun ist DocMorris zwar nicht (mehr) der klassische „Junge Wilde“, aber dennoch fühlen sich viele etablierte Apotheker seit Jahren von dieser Konkurrenz massiv bedroht. „DocMorris macht sehr clevere und gute Sachen, das muss man anerkennen“, sagt Heike Gnekow gegenüber APOTHEKE ADHOC. Auch ihr Schachzug war clever. Sie überraschte den Kontrahenten mit einem Testkauf, den sie in Vorbereitung auf das Duell durchgeführt hatte.

Ihr Fazit: DocMorris schickte ihr zu viele Medikamente auf einmal, ohne vorher nachzufragen. Ihre Kritik: „Ich hatte mehrere Packungen Paracetamol und Grippostad bestellt. Die bekam ich dann auch – einfach so. Bei uns in der Apotheke hätten wir nachgefragt, was der Kunde mit so vielen Pillen will, und ob er weiß, dass in Grippostad ebenfalls Paracetamol enthalten ist. All das fand bei meinem Online-Einkauf nicht statt.“

Müller hielt dagegen, dass es auch online sehr wohl Aufklärung und Nachfragen von Seiten des Online-Unternehmens gebe: „Natürlich werden die Kunden aufgeklärt, welche Medikamente sie wie nehmen sollten und was nicht kombiniert werden darf.“ Das wäre, so Gnekow, nur ein beiliegender Zettel.

Müller: „Man kann bei uns anrufen, was viele auch machen.“ Die Hamburger Apothekerin ist nicht grundsätzlich gegen Bestellungen bei Online-Apotheken: „Wenn Sie nur Ihre Reiseapotheke auffüllen wollen, können Sie sicher online bestellen. Aber wenn Sie ein krankes Kind zu Hause haben und sofort beraten werden und ein Medikament mitnehmen wollen, dann gehen Sie doch in die vertraute Apotheke in der Nachbarschaft.“

Müller schickte als Gegenargument die Beratung per App ins Rennen und die 24-Stunden-Bereitschaft. Da kann die Adler-Apothekerin beinahe mithalten, sie hat 365 Tage im Jahr bis 24 Uhr geöffnet. Auch die Adler-Apotheke bietet Online-Bestellungen an, der Kunde kann sofort prüfen, ob das Medikament vorrätig ist.

Frage von Impulse an den DocMorris-Mann: „Ihr Unternehmen wird immer wieder von den Gerichten zurückgepfiffen. Ist die Politik, die die Gesetze macht, Ihr Feind?“ Müller konterte: „Am Ende gewinnen wir ja meistens die Gerichtsverfahren. Die Politik ist weder Freund noch Feind, aber es fällt ihr schwer, sich mit der Zukunft zu befassen.“ Und: „Wenn in Brüssel eine neue Richtlinie entsteht, tritt sie sieben Jahre später in Kraft. In der Zeit hat Apple sieben neue iPhone-Modelle auf den Markt gebracht und die Welt ist eine ganz andere.“

Fazit: Beide haben sich wacker geschlagen. Kompliment der Apothekerin an den Strategie-Vorstand von DocMorris: „Er ist ein begnadeter Rhetoriker und hat natürlich mehr Übung vor Kameras als ich. Manchmal muss man ihn unterbrechen.“ Nachdem die Kameras ausgeschaltet waren, schied man als Freunde. Und fand ein gutes Thema jenseits der Pharmazie: „Ich bin Hamburgerin, er hat hier gelebt und mag die Stadt, wir konnten gut miteinander schnacken.“ Das Duell geht vor Ort und online weiter.

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