Pharmahandelskonzerne

Börsen-Zeitung: Celesio will mit CVS einkaufen Patrick Hollstein, 28.06.2013 09:59 Uhr

Berlin - 

Ende vergangenen Jahres reduzierte Haniel seinen Anteil bei Celesio von

knapp 55 auf 50,1 Prozent; rund 100 Millionen Euro spülte der

Großaktionär damit in seine Kasse. Der Pharmahändler solle aber

definitiv ein „Ankerinvestment“ bleiben, hieß es damals. Haniel

verpflichtete sich, innerhalb von sechs Monaten keine Aktien mehr zu

verkaufen. Die Frist ist jetzt abgelaufen, und in Finanzkreisen gibt es

Gerüchte, dass CVS/Caremark das Paket des Familienclans übernehmen

könnte. Als zweite Variante wird jetzt eine strategische Zusammenarbeit

der beiden Konzerne kolportiert.

So energisch wie selten zuvor hatte Haniel zuletzt die Meldungen über einen Verkauf seiner Celesio-Anteile an den US-Konzern dementiert. Nach dem „Platow Brief“, einem Fachdienst für Anleger, hatte das Manager Magazin über entsprechende Gespräche berichtet.

Celesio-Chef Markus Pinger habe dem Großaktionär Mitte Juni persönlich ein entsprechendes Angebot vorgelegt, das er im Alleingang verhandelt habe, hieß es. CVS/Caremark sei liquide und brauche dringend mehr Masse, um besser einkaufen zu können, so die Argumentation.

Warum aber hätte Haniel vor einem halben Jahr knapp 5 Prozent seiner Anteile zu einem Kurs von 12,60 Euro verkaufen sollen, wenn jetzt bis zu 23 Euro für 50 Prozent drin wären? Schlüssiger klingt daher eine aktuelle Meldung der Börsen-Zeitung, nach der die beiden Kooperation eine Kooperation anstreben, um im Einkauf Kosten zu sparen. Demnach gibt es derzeit intensive Gespräche mit den Amerikanern. Über einen Verkauf werde dabei nicht gesprochen.

Für Celesio wäre es der zweite Anlauf mit einem US-Gesundheitskonzern. Das Joint Venture mit Medco/Express Scripts hatte Pinger kurz nach seinem Amtsantritt 2011 beendet; allerdings standen hier neben den beiden Versandapotheken der Bereich Homecare/Specialty Pharmacy sowie Management von Patientendaten im Fokus. Dem Vernehmen nach waren zu wenig Kassen an dem Angebot interessiert.

Die Idee eines gemeinsamen Einkaufs über den Atlantik hinweg ist nach dem Zusammenschluss von Boots und Walgreens sowie mit dem US-Großhändler AmerisourceBergen nicht neu. In der Schweiz hat Boots/Walgreens bereits Quartier bezogen, um mit den Herstellern auf globaler Ebene noch einmal über zusätzliche Vergütungskomponenten verhandeln zu können.

Ob die Industrie am Ende mitspielt, wird sich zeigen. Bei Celesio glaubt man jedenfalls, genauso wie bei Boots/Walgreens, fest daran. Schon in Pingers Konzept „One Celesio“ spielt neben dem europäischen Apothekennetzwerk der zentrale Einkauf eine entscheidende Rolle. Die Fusion mit CVS/Caremark könnte ein weiterer Baustein zu einem globalisierten Pharmahandelsmarkt sein.

Der US-Konzern war 2007 aus dem Zusammenschluss der Apothekenkette CVS und des Pharmacy Benefit Managers (PBM) Caremark hervorgegangen. Der Konzern steht in beiden Geschäftsbereichen unter Druck: Im PBM-Bereich hatten sich vor einem Jahr die Konkurrenten Medco und Express Scripts zusammengeschlossen. Im Einzelhandel hat sich Walgreens mit AmerisourceBergen gut aufgestellt.

Passen könnte übrigens auch die internationale Strategie der beiden Konzerne: Während sich Celesio im brasilianischen Großhandel eingekauft hat, hat CVS/Caremark in dem südamerikanischen Land erst kürzlich als Kettenbetreiber Fuß gefasst.