Kommentar

Besitzstandswahrer Alexander Müller, 09.02.2017 15:35 Uhr

Berlin - Apotheker und Versandapotheker haben sich aneinander gewöhnt, gegenseitige Anfeindungen sind zur absoluten Ausnahme geworden. Das galt jedenfalls bis zu jenem schicksalhaften 19. Oktober, an dem der EuGH sein Urteil zu Rx-Boni fällte. Seitdem fühlt man sich in der Zeit zurückversetzt: Der alte Bruderzwist ist neu entflammt. Für Außenstehende eher peinlich. Ein Kommentar von Alexander Müller.

Viele Apotheker haben der ehemaligen Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) nie verziehen, dass sie ohne Not auch den Rx-Versandhandel erlaubt hat. Die ABDA ist auch immer mal wieder dagegen zu Felde gezogen, bislang ohne Erfolg. Auch als die Pick-up-Stellen teilweise abstruse Blüten trieben, ließ sich die Politik nicht überzeugen. Heute ist die ABDA näher dran als jemals zuvor.

Dabei hatte die ABDA schon früher „aus allen Rohren“ geschossen, wie ihr heutiger Präsident Friedemann Schmidt unlängst so martialisch drohte. Es ist erst ein paar Jahre her, dass die Standesvertretung teilweise im Wochenrhythmus vor Arzneimittelfälschungen aus dem Internet warnte oder den Versandapotheken vorwarf, keine Rezepturen herzustellen.

Deren Bundesverband BVDVA rächte sich, in dem er öffentlich eine Aufgabe der Preisbindung forderte und auch beim Thema Fremdbesitzverbot gelegentlich ausscherte. Die ABDA wurde als Club rückwärtsgewandter Blockierer verunglimpft. Und dass die ehemalige Grünen-Abgeordnete und Ketten-Freundin Biggi Bender plötzlich den Kongress der Versender moderieren durfte, war auch Provokation. Wer BVDVA-Chef Christian Buse kennt, glaubt dabei nicht an Zufälle.

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