Krebserkrankungen

Onkologen: Methadon-Euphorie unbegründet APOTHEKE ADHOC, 15.07.2017 09:08 Uhr

Berlin - Nach dem ARD-Beitrag „Methadon – Warum ein preiswertes Mittel für Krebspatienten nicht erforscht wird“ häufen sich Medienberichte. Betroffene Patienten zeigen großes Interesse und erhoffen sich Heilung. Zu Unrecht, sagt die Deutsche Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie (DGHO ) und warnt vor „unrealistischen Erwartungen“.

Die Sendung „Plusminus“ stellte hauptsächlich die im März veröffentlichte Studie von Onken und Friesen et.al. zum Einsatz des Wirkstoffs bei Patienten mit Gliomen vor. In der retrospektiven Studie wurden Sicherheit und Verträglichkeit von D,L-Methadon bei 27 Probanden mit Tumoren unterschiedlicher Stadien und unterschiedlichen Risikofaktoren analysiert. Die Teilnehmer erhielten zusätzlich zu ihrer bestehenden Chemotherapie eine 1-prozentige Lösung des Arzneistoffs. Die Anfangsdosis betrug 5 mg; je nach Verträglichkeit wurde diese Dosis auf bis zu 35 mg pro Tag erhöht.

Die Mehrheit der Patienten vertrug die Substanz gut und ohne oder mit sehr milden Nebenwirkungen. Nur ein geringer Teil klagte über Übelkeit und Verstopfung. Den Studienautoren zufolge wird Methadon daher gut vertragen. Außerdem wurden histologische Untersuchungen mittels Biopsie oder Resektion durchgeführt. Die Ergebnisse zeigen, dass 18 von 27 Patienten nach der Therapie keine Rezidive hatten.

In einem öffentlichen Schreiben nimmt die DGHO Stellung zu der Studie und dem Hype um Methadon. Darin führt sie unter anderem an, dass die Tabelle III der Publikation bei zwei Patienten fehlerhaft sei. Die Onkologen weisen darauf hin, dass die Berechnung der progressionsfreien Überlebenszeit „unscharf“ sei. Es sei nicht eindeutig, ob man die positiven Effekte zwingend mit einer Methadon-Einnahme begründen könne. Außerdem stellen sie klar, dass die Wirksamkeit von Methadon bei Gliomen allein in einer einzigen unkontrollierten Studie analysiert wurde. Sie fordern klinische Untersuchungen, im idealen Fall sollten diese randomisiert sein.

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