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Chefapotheker: Kein Mord, aber Betrug APOTHEKE ADHOC, 30.03.2017 11:31 Uhr

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Apotheker auf der Anklagebank: Barry Cadden wurde vom Vorwurf des Mordes in 25 Fällen freigesprochen.

Berlin - 64 Menschen starben, 750 erkrankten: Vor fünf Jahren sorgte eine Meningitis-Welle in den USA für Schlagzeilen. Grund war eine verunreinigte Injektionslösung, die der Herstellbetrieb New England Compounding Center (NECC) aus Massachusetts an Kliniken in verschiedenen Bundesstaaten ausgeliefert hatte. Der verantwortliche Chefapotheker wurde nun vom Vorwurf des Mordes freigesprochen. Gleichzeitig wurde der 50-Jährige der organisierten Kriminalität und des Versandbetrugs für schuldig befunden.

Staatsanwältin Carmen Ortiz sagte Medienberichten zufolge, die Apotheke habe wissentlich hygienische Standards nicht eingehalten. „Produktion und Profit wurden über die Sicherheit gestellt.“ Als verantwortlicher Chefapotheker musste sich Barry Cadden nun vor Gericht verantworten; die Staatsanwaltschaft hatte ihn wegen Mordes in 25 Fällen angeklagt. Sein Anwalt kritisierte, dass ein „tragischer Unfall“ in ein Verbrechen verdreht werde: „Nicht jeder Unfall und nicht jede Tragödie werden durch kriminelles Verhalten verursacht.“ Cadden habe nie die Absicht gehabt, jemanden zu schädigen, sagte er bereits im Januar 2015 laut New York Times. 

Dieser Argumentation folgte nun das Gericht in Massachusetts und sprach Cadden vom Vorwurf des Mordes frei. Schuldig sei er jedoch der organisierten Kriminalität und des Versandbetrugs. Wie hoch die Strafe letztendlich ausfallen wird, soll voraussichtlich am 21. Juni verkündet werden.

Im Oktober 2012 war bekannt geworden, dass das NECC Injektionslösungen ausgeliefert hatte, in denen Aspergillus nachgewiesen wurde. Bei Untersuchungen im Herstellbetrieb wurden zahlreiche mögliche Kontaminationsquellen ausgemacht, darunter stehendes Wasser, Schimmel und verschmutztes Equipment. Medienberichten zufolge hatten Mitarbeiter abgelaufene Zutaten benutzt und nicht ausreichend sterilisiert, Medikamente nicht auf Reinheit geprüft und Protokolle gefälscht. Sie sollen Chargen mit falschen Aufschriften deklariert haben, wenn dieses abgelaufen waren oder nie getestet wurden. Anschließend wurden die Arzneimittel verschickt.

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