Schweiz

Kasse lotst 70.000 Versicherte zu Apothekenkette Julia Pradel, 13.10.2011 08:55 Uhr

Berlin - Pflichteinkauf in der Apothekenkette: Die Schweizer Krankenversicherung Assura lockt mit einem preiswerten Tarif, bei dem sich die Versicherten an die Apotheken- und Drogeriekette Sun Store des Pharmahändlers Galenica binden. Vor drei Jahren wurde der Tarif „PharMed“ eingeführt, inzwischen haben sich laut Assura-Direktor Dr. Fredi Bacchetto etwa 10 Prozent der Versicherten dafür entschieden. Das sind zwischen 65.000 und 70.000 Patienten.

PharMed-Versicherte erhalten in der Apothekenkette einen Rabatt von 20 Prozent auf alle verordneten Generika. Damit soll gezielt der Generikaumsatz gefördert werden. Weiterhin verzichten die Sun Store-Geschäfte auf die tariflich vereinbarten Apotheker- und Patientenpauschalen. Solche Rabatte würden andere Apotheken nicht geben wollen, begründet Bacchetto seine Entscheidung für Sun Store.

Doch PharMed läuft nicht reibungslos: Weil es nicht überall Sun Store-Apotheken gibt, müssen immer wieder Versicherte in andere Tarife umgeschrieben werden. Bis vor einem halben Jahr verschickte Sun Store Arzneimittel an Patienten, die keine Filiale um die Ecke hatten. Doch nach der Übernahme von Sun Store durch Galenica sollte die Kette nicht länger mit der Versandapotheke MediService konkurrieren. Da diese Dienstleistung somit für die Versicherten nicht mehr zur Verfügung gestanden habe, hätten viele Kunden den Tarif wechseln müssen, so Bacchetto.

Assura ist laut Bacchetto die einzige Versicherung in der Schweiz, die ein solches Modell mit Apothekenbindung anbietet. Andere Versicherungen wie Visana und Concordia setzen auf lockere Kooperationen und empfehlen ihren Kunden Sun Store als Partnerapotheke - im Gegenzug erhalten die Versicherten Rabatt auf die Kundenkarte „Sun Card“.

Beim Schweizer Apothekerverband PharmaSuisse sieht man PharMed und ähnliche Modelle als „höchst bedenklich“. Die Versicherten merkten zu spät, dass sie nun nicht mehr in ihrer Apotheke einkaufen könnten, erklärt ein Sprecher. Apotheken müssten die Patienten gezielt informieren und darauf hinweisen, das Kleingedruckte zu lesen.

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