Retaxationen

„Die DAK hat Trödelmarkt mit mir gespielt“ Alexander Müller, 01.02.2016 11:38 Uhr

Berlin - Die DAK gilt unter Apothekern als besonders streng mit Retaxationen. Deshalb war eine Apothekerin aus Langenfeld nicht sonderlich überrascht, als ihr Einspruch gegen eine Vollabsetzung abgelehnt wurde. Was sie erstaunte war der Anruf des Mitarbeiters, der mit ihr über die Höhe der Retaxation verhandeln wollte.

Die Retaxation war äußerst unglücklich zustande gekommen: Die Praxissoftware war ausgefallen und die Ärztin musste alle Rezepte per Hand ausstellen. Ausgerechnet bei einem T-Rezept unterlief ihr dabei ein folgenschwerer Fehler – sie vergaß den Stempel. Das fiel in der Apotheke zwar auf, die seit Jahren bekannte Patientin wurde trotzdem versorgt. Den fehlenden Stempel wollte die Apothekerin bei der ebenfalls gut bekannten Ärztin später besorgen. Das Rezept rutschte dann aber aus Versehen doch mit in die Abrechnung.

Der Rest ist Routine: Die DAK retaxierte die Verordnung über Imnovid (Pomalidomid) und kündigte eine Netto-Absetzung von 12.254,12 Euro. Über den Apothekerverband Nordrhein (AVNR) legte die Apothekerin Widerspruch ein. Beigefügt wurde eine Stellungnahme der Ärztin, die ihr Versehen einräumte und die Verordnung bestätigte. Der AVNR bat im Namen der Apotheke in diesem Fall um Kulanz – vergeblich.

Die Apothekerin schrieb daraufhin die Verwaltungsräte der Kasse an und schilderte ihren Fall. In der vergangenen Woche erhielt sie dann einen Anruf, allerdings von der Abrechnungsstelle der Kasse. Der Mitarbeiter teilte ihr zunächst mit, dass man die Retaxation nicht zurücknehmen werde. „Aber dann hat er gefragt, was die Kasse für mich tun könne“, berichtet die Apothekerin. „Bezahlen Sie die Versorgung Ihrer Versicherten“, sei ihr Vorschlag gewesen. Der wurde natürlich abgelehnt. Auch auf die Erstattung des Einkaufspreises wollte sich der DAK-Mitarbeiter nicht einlassen.

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