Kommentar

Postfaktische Apothekenhasser Alexander Müller, 16.12.2016 10:03 Uhr

Berlin - Die Debatte um ein mögliches Rx-Versandverbot beherrscht die Branche so sehr, dass andere große Themen zur Randnotiz verkommen. Dazu zählt das geplante Verbot von Zyto-Ausschreibungen. Betroffen sind zwar nur wenige Apotheken und nur ein kleiner Teil der Versichertengemeinschaft, eigentlich geht es aber um etwas Größeres: die gesteuerte Versorgung mit selektiven Verträgen. Dass ist es, was die Kassen wollen. Und deshalb kämpfen sie so verbissen für ihre Zyto-Verträge. Ein Kommentar von Alexander Müller.

Lobbyarbeit ist nichts für Empfindsame: Dass die Kassen auf Apotheker, Ärzte und die Pharmaindustrie öffentlich einschlagen und selbst gegenüber Krankenhausangestellten oder Hebammen einen harten Ton anschlagen, ist gewohnte Unbill. Die Pressemitteilungen des GKV-Spitzenverbandes sind mitunter geradezu aufreizend polemisch. Gegenüber dem Gesetzgeber jedoch äußern die Kassen ihre Kritik normalerweise schonender, mit höflicher Zurückhaltung.

Deshalb fällt es schon auf, wenn GWQ-Vorstand Johannes Thormählen die Regierung jetzt als „realitätsfern“ bezeichnet. Warum er so ausfallend wird? Weil der Kassendienstleister erst in diesem Monat zusammen mit der DAK und viel Aufwand exklusive Verträge an den Start gebracht hat und sich davon hohe Einsparungen verspricht. Dazu später mehr.

„Realitätsfern“ findet Thormälen die Begründung des geplanten Verbots. Darin schreibt das Bundesgesundheitsministerium (BMG), die Versorgung von Krebspatienten baue auf ein besonders enges Vertrauensverhältnis mit dem behandelnden Arzt. Die Patienten müssten auf das gute Zusammenwirken der Heilberufe vertrauen können. Eine möglichst „friktionsfreie Versorgung der Arztpraxen“ mit Zytostatika habe eine „hohe Bedeutung“. Deshalb soll die freie Apothekenwahl wiederhergestellt werden.

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