Kommentar

Apotheker auf Bewährung Patrick Hollstein, 19.04.2017 11:34 Uhr

Berlin - Der Apotheker in seiner Apotheke: Im Fall von Werner Lukassowitz hat dieser Grundsatz des Apothekenrechts seine ursprüngliche Bedeutung zurückgewonnen. Der 60-Jährige ist wohl der einzige Pharmazeut in ganz Deutschland, der trotz erlaubten Mehrbesitzes nicht mehr filialisieren darf. Weil er aus Sicht des Verwaltungsgerichts Arnsberg mit vier Apotheken überfordert war, musste er einem merkwürdigen Vergleich zustimmen: Er bringt weniger Zuverlässigkeit als seine Kollegen mit, also darf er auch weniger Apotheken betreiben.

Im Februar hatte der zuständige Amtsapotheker des Hochsauerlandkreises die Zwangsschließung der vier Apotheken von Lukassowitz angeordnet. Zunächst war die Sache klar: Der Widerruf der Betriebserlaubnis schien nach jahrelangem Streit, mehreren berufsrechtlichen Verfahren und angesichts einer mehr als 40 Seiten umfassenden Akte gerechtfertigt.

Doch jetzt müssen die Siegel zumindest bei einer Apotheke wieder abgeknibbelt werden. Die Richter stellten hinter verschlossenen Türen in Aussicht, dass sich das Verfahren über Monate oder sogar Jahre hinziehen könnte. Für keine der Parteien eine angenehme Aussicht. Auch mit der Entscheidung über den Sofortvollzug tat sich das Gericht schwer – also mit der Frage, ob Lukassowitz seine Apotheken vorerst weiter betreiben dürfen würde. Von der Hand zu weisen waren die Vorwürfe nicht, aber rechtfertigten sie die sofortige Vernichtung seiner beruflichen Existenz?

So kam ein Vergleich zustande, über den die Fachwelt nicht schlecht staunt. Er musste sich dazu verpflichten, keine Betriebserlaubnis für weitere Apotheken zu beantragen und neben der Apotheke in Sundern auch keine weitere Apotheke geschäftsführend oder verantwortlich zu leiten. So etwas gab es noch nicht.

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