Streit im Apothekenteam

„Ich werde meistens zu spät gerufen“ Silvia Meixner, 11.05.2017 10:18 Uhr

Berlin - Wäre das nicht schön: Alle Mitarbeiter haben sich lieb, morgens umarmen sie sich zur Begrüßung, teilen fröhlich ihren mitgebrachten Lunch. Ärger gibt es nur, wenn sie sich zanken, wer die Regale wischen darf. Die Realität sieht anders aus: Wenn es Unstimmigkeiten gibt, über die nicht gesprochen wird, kommt es irgendwann zum Knall. Die Berliner Mediatorin Annette Kurz weiß, wie man Konflikte löst.

Sie zählt die häufigsten Konfliktsituationen in Apotheken auf: „Das größte Problem ist, dass es nicht genug Kommunikation gibt. Die Verantwortungsbereiche sind nicht klar definiert, es geht durcheinander, wer was macht. Viele Menschen kommen und wollen Ratschläge und Beratung, das kann sehr lange dauern, dann bleibt andere Arbeit liegen. Es ist schwierig, die Balance zwischen Verkauf und Beratung zu finden.“

Die Berliner Mediatorin berät Unternehmen aller Art und bundesweit auch viele Apotheken: „Alle Probleme, die es im Handel gibt, sind auch apothekenspezifisch. Apotheker müssen heutzutage sehr gut kalkulieren, Apotheken sind oft personell unterbesetzt, es gibt unglaublich viel zu tun“, berichtet sie von ihrer Arbeit. Auf allen laste Druck und jeder gehe unterschiedlich damit um. Erschwerend kommt dazu, dass in Apotheken der Platz oft eng bemessen ist und es kaum Rückzugsorte gibt, wenn ein Mitarbeiter einmal eine Viertelstunde für sich benötigen würde, um den Ärger über einen Kollegen verblassen zu lassen.

Spricht man den anderen nicht an, schwelt der Ärger oft weiter. „Mitarbeiter beginnen, schlecht übereinander zu reden. Das kann vielleicht die kleine Bemerkung ‚Typisch, er geht immer in die Pause, wenn es hier voll ist‘ oder ein Satz darüber sein, dass die andere die Medikamente falsch eingeräumt oder nicht ordentlich gewischt hat.“ Hat man sich erst in seiner Kritik verfangen, merken auch die anderen Kollegen deutlich, dass der Offizin-Segen schief hängt: „Man gibt deutlich zu verstehen, dass man selbst der beste Mitarbeiter – und der andere nichts wert ist.“

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