Festbeträge

Massive Lagerverluste, extreme Aufzahlungen Katharina Lübke und Patrick Hollstein, 13.06.2014 14:55 Uhr

Berlin - Wenn in zwei Wochen die neuen Festbeträge in Kraft treten, drohen den Apotheken bei zahlreichen Schnelldrehern massive Lagerwertverluste. Auch die Spanne sinkt deutlich. Die Patienten wiederum müssen sich auf Zuzahlungen einstellen – und bei einigen Präparaten mit erheblichen Aufzahlungen rechnen. Selbst Generikahersteller sehen sich außerstande, ihren Preis auf das neue Niveau abzusenken.

Für 19 häufig verordnete Wirkstoffe und Wirkstoffgruppen hatte der GKV-Spitzenverband im Mai neue Festbeträge festgelegt. Insgesamt sind 69 Moleküle betroffen. Je nach Gruppe fällt die Anpassung sehr unterschiedlich aus: Am deutlichsten sind laut Christof Ecker von der Unternehmensberatung Ecker + Ecker die Sartane betroffen, deren Erstattungspreise durchschnittlich um 77 Prozent sinken. Der neue Festbetrag für die Kombination mit Hydrochlorothiazid liegt ebenfalls zwei Drittel unter dem derzeitigen Niveau.

Bei den anderen Gruppen ist die Anpassung zwar geringer: Bei Protonenpumpenhemmern, Statinen, Setronen, Alpha- und Betablockern sowie Fluorchinolonen und Bisphosphonaten werden die Preise zwischen 16 und 31 Prozent gekürzt. Doch Ecker weist darauf hin, dass die Preise in acht der jetzt betroffenen Festbetragsgruppen bereits vor zwei Jahren um durchschnittlich bis zu 50 Prozent gesenkt wurden.

Für den Preis, den die Kassen für ein Arzneimittel zahlen, spielt der Festbetrag nur in den seltensten Fällen eine Rolle. Denn die meisten Wirkstoffe fallen ohnehin unter Rabattverträge. Direkt betroffen sind aber die Apotheken: Sie müssen mit Lagerwertverlusten rechnen, die die Hersteller in solchen Fällen oft nicht ausgleichen. Außerdem verlieren sie Marge bei den betroffenen Produkten, denn ihre Spanne richtet sich nach dem Listenpreis. Die Festbetragssenkung bei Olmesartan führt beispielsweise dazu, dass die 3-prozentige Marge nur noch 60 Cent statt 2,60 Euro bringt – sofern die Hersteller mitziehen. 

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