Arzneimittelgesetz

Urteil: Preisbindung gilt für Einzelimport Alexander Müller, 22.07.2016 10:01 Uhr

Berlin - Ist ein Arzneimittel nicht vorrätig, besorgt die Apotheke es spätestens bis zum nächsten Tag. Selbst in Deutschland nicht zugelassene Medikamente importieren sie notfalls für ihre Patienten. Das ist aufwändig – und offenbar auch riskant: Eine Apotheke aus Sachsen soll einer privaten Krankenversicherung 15.000 Euro plus Zinsen zurückzahlen. Aus Sicht der Versicherung hat die Apotheke einen zu hohen Preis in Rechnung gestellt.

Es geht um sechs Rezepte aus dem Jahr 2013. Der Arzt hatte insgesamt 18 Einheiten des Krebsmedikaments Kadcyla (Trastuzumab Emtansin) von Roche verordnet, das in Deutschland aber erst seit 2014 zugelassen ist. Der Apotheker importierte das Medikament über einen Münchener Großhändler zum Einzelpreis von 3500 Euro. Dieser hatte das Präparat beim Hersteller zu einem frei ausgehandelten Preis bezogen.

Auf dem letzten dieser sechs Rezepte aus dem Dezember 2013 vermerkte die Versicherung, dass man nach telefonischer Rücksprache mit der Apotheke und eingehender Prüfung den Preis für die Zubereitung mit Kadcyla „in voller tariflicher Höhe“ erstatte. Das betreffe auch die beiden Zubereitungen von Anfang und Ende Oktober. „Bitte weisen Sie die abrechnende Apotheke darauf hin, dass deutlich günstigere Bezugsmöglichkeiten für das Kadcyla existieren“, schrieb die Versicherung an die Patientin.

Der Herstellerabgabepreis betrug aus Sicht der Versicherung seinerzeit nämlich höchstens 2700 Euro pro Packung. Dieser Betrag wurde der Versicherten erstattet. Die Restforderung ließ sich die Versicherung offenbar abtreten und klagte gegen die Apotheke, als diese nicht zur Rückzahlung bereit war.

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