Retaxationen

Aut-idem einfach streichen? APOTHEKE ADHOC, 18.05.2017 15:06 Uhr

Berlin - Das Aut-idem-Kreuz kann Fluch und Segen zugleich für die Apotheken sein. Wünschen Patienten ihr Präparat immer von der gleichen Firma zu bekommen, oder vertragen Rabattarzneimittel nicht, kann der Arzt durch Setzen des Kreuzes einen Austausch verhindern. Meist gibt es Stress in der Offizin, wenn das Kreuzchen fehlt. Doch es kann auch Probleme geben, wenn das Kreuz gesetzt ist und der Kunde einen Austausch wünscht. Darf die Apotheke dann das Kreuz einfach streichen?

Die Antwort lautet: nein. Apotheken können das vom Arzt gesetzte Aut-idem-Kreuz nicht einfach durchstreichen. Es bedarf einer Arztrücksprache und einer anschließenden Änderung und Dokumentation auf der Verordnung. Denn nur der Arzt kann die Formalie aufheben.

Das Aut-idem-Kreuz verhindert die Substitution auf ein wirkstoffgleiches Medikament. Selbst wenn das verordnete Arzneimittel nicht Rabattpartner der Krankenkasse ist, darf nicht ausgetauscht werden. Anders verhält es sich bei Original/Import-Verordnungen. Hier sieht der neue Rahmenvertrag eindeutig vor, dass auch bei gesetztem Kreuz ausgetauscht werden muss, wenn ein Rabattvertrag vorliegt.

Für die sogenannten „Altoriginale“ gilt diese Regel jedoch nicht. Werden nach Patentablauf Generika auf den Markt gebracht, verliert das Kreuz seine Wirkung nicht. Der Austausch auf das Nachahmerpräparat ist untersagt. Hintergrund ist, dass Original und Import nicht als unterschiedliche Arzneimittel angesehen werden, Original und Generikum dagegen schon.

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