Von GSK zu Bavarian Nordic

Rabipur und Encepur mit neuem Vertrieb Alexandra Negt, 02.09.2020 08:59 Uhr

  • Von GSK zu Bavarian Nordic: Rabipur und Encepur werden von jetzt an vom dänisch-deutschen Unternehmen vertrieben. Foto: APOTHEKE ADHOC

Berlin - Vor neun Monaten erwarb das dänische Pharmaunternehmen Bavarian Nordic die Vermarktungsrechte für die Impfstoffe Encepur (FSME) und Rabipur (Tollwut) von GlaxoSmithKline (GSK). Nun startet der Vertrieb in Deutschland. Mit der Übernahme positioniere sich das auf Impfstoffe spezialisierte Unternehmen neu am Markt.

Der Vertrieb der beiden Impfstoffe Encepur und Rabipur wird für Deutschland ab sofort von Bavarian Nordic übernommen. Bis vor knapp einem Jahr gehörten beide Vakzine zum Portfolio von GSK. Neben diesen beiden Impfstoffen hat das dänisch-deutsche Unternehmen weitere Vakzine im Portfolio. Darunter die beiden Impfstoffe Imvanex gegen Pocken und Mvabea gegen Ebola. Letzterer wurde in Zusammenarbeit mit Janssen entwickelt.

„Wir haben es geschafft, unsere kommerzielle Präsenz binnen kürzester Zeit auf dem deutschen Markt zu etablieren und damit die Grundlage für eine erfolgreiche Vermarktung von Encepur und Rabipur gelegt“, so Paul Chaplin, President und CEO von Bavarian Nordic. Auch Jean-Christophe May, Executive Vice President und Chief Commercial Office ist überzeugt von der Produktübernahme: „Wir sind stolz auf diesen Meilenstein und arbeiten nun weiter daran, unsere kommerzielle Präsenz auf über 30 Länder rund um den Globus auszudehnen. Damit gewährleisten wir eine zuverlässige Versorgung mit Impfstoffen zu jeder Zeit und an jedem Ort, wo sie benötigt werden.“

Bavarian Nordic gehört zu den weltweit führenden Herstellern von Pockenimpfstoffen. Das Unternehmen ist seit Jahren Lieferant für das Strategic National Stockpile in den USA. Auf der Grundlage der Lebendvirus-Impfstoffplattformtechnologie MVA-BN hat das Unternehmen ein breites Portfolio an eigenen und im Rahmen von Partnerschaften entwickelten Produktkandidaten aufgebaut. „Hierzu gehören beispielsweise therapeutische Vakzine gegen Humane Papillomviren (HPV), Hepatitis B sowie gegen das Humane Immundefizienz-Virus (HIV), das an Janssen lizenziert wurde“, so Bavarian Nordic.

Zusammen mit Janssen forscht Bavarian Nordic an einem möglichen Impfstoffkandidaten gegen Covid-19. Der aktuell vielversprechendste Kandidat der beiden Unternehmen ist ein Vektorimpfstoff der auf der gleichen Technologie wie der bereits zugelassene Ebola-Impfstoff basiert. Innerhalb dieser Kooperation steuert das dänisch-deutsche Unternehmen die Technologie für die zweite Dosis. Diese basiert auf der MVA-BN-Technologie und wird etwa acht Wochen später verabreicht. Hergestellt wird die Vakzine durch Catalent Biologics (USA) in den eigenen Werken in Bümpliz (Schweiz) und Leiden (Niederlande). Mit einer Zulassung wird Anfang 2021 gerechnet.

Auch GSK forscht an einem Impfstoff gegen Covid-19, aber nicht gemeinsam mit dem spezialisierten deutsch-dänischem Unternehmen, sondern mit dem Pharmariesen Sanofi. Innerhalb des gemeinsamen Projektes steuert Sanofi das S-Protein Covid-19-Antigen bei, das auf einer rekombinanten DNA-Technologie basiert. Diese Technologie hat eine genaue genetische Übereinstimmung mit Proteinen auf der Oberfläche von Sars-CoV-2 erzielt. GSK hingegen wird die Pandemie-Adjuvans-Technologie mit einbringen. Durch die Verwendung eines Adjuvans kann die pro Dosis erforderliche Menge an Impfstoffprotein reduzieren werden. Folglich können mehr Impfstoffdosen produziert werden.

Millionendeal mit den USA

Anfang August konnte Janssen die klinischen Phase I/II-a-Studien zu dem gemeinsam mit Bavarian Nordic erforschten Impfstoffkandidaten „Ad26.COV2.S“ starten. Wenige Tage später melden die Hersteller, mit der US-Regierung einen Deal über 100 Millionen Dosen des Sars-CoV-2-Impfstoffes getätigt zu haben. Die bestellten Dosen des Impfstoffkandidaten „Ad26.COV2.S“ sollen in den USA hergestellt und für den dortigen Einsatz zur Verfügung gestellt werden, sobald dieser durch die US-Arzneimittelbehörde FDA für den Notfallgebrauch zugelassen ist, erklärt Janssen. Im Rahmen eine Folgevereinbarung könne die US-Regierung zudem 200 Millionen weitere Impfdosen erwerben.