Baden-Württemberg

Prio für Apothekenpersonal: Wer testet, wird geimpft Tobias Lau, 24.02.2021 11:09 Uhr aktualisiert am 24.02.2021 11:53 Uhr

  • Wer testet, wird geimpft: Als erstes Bundesland zieht Baden-Württemberg die Apotheker vor, sofern sie ihre Kunden testen. Foto: APOTHEKE ADHOC

Berlin - Ab März sollen Apotheken verstärkt kostenlose Corona-Schnelltests anbieten, aber die Euphorie hält sich bisher in sehr engen Grenzen: Die Kapazitäten fehlen, die Honorierung ist zu knapp – und viele Apotheker sehen es nicht ein, sich verstärkter Infektionsgefahr auszusetzen, gleichzeitig bei den Corona-Impfungen aber nicht priorisiert zu werden. Zumindest das baden-württembergische Sozialministerium hat bereits eingelenkt.

Apotheker*innen, die Schnelltestzentren betreiben oder in ihren eigenen Betrieben Schnelltests auf Sars-CoV-2 durchführen, stehen in Baden-Württemberg künftig in der zweithöchsten Priorisierungsgruppe für Corona-Schutzimpfungen. Das hat der Landesapothekerverband am Mittwochvormittag in einer internen E-Mail angekündigt, die APOTHEKE ADHOC vorliegt. Die Mitglieder sollen nun entsprechend informiert werden.

Laut LAV hat das baden-württembergische Sozialministerium dem Verband die Neuregelung auf mehrfache Anfrage hin bestätigt. Aufgrund des hohen Infektionsrisikos sollen testende Apothekenmitartbeiter*innen künftig nach §3 Absatz 1 Nummer 5 der Coronavirus-Impfverordnung (CoronaImpfV) eingestuft werden. Das entspricht Priorisierungsgruppe 2, zu der neben Menschen über 70 und mit Vorerkrankungen wie Demenz, Diabetes mellitus oder chronischen Lungenerkrankungen auch Personen unter besagter Nummer 5 zählen, „die in Bereichen medizinischer Einrichtungen mit einem hohen oder erhöhten Expositionsrisiko in Bezug auf das Coronavirus Sars-CoV-2 tätig sind, insbesondere Ärzte und sonstiges Personal mit regelmäßigem unmittelbarem Patientenkontakt, Personal der Blut- und Plasmaspendedienste und in SARS-CoV-2-Testzentren“, so die Verordnung. Bisher sind Apothekenmitarbeiter*innen eine Priorisierungsgruppe tiefer eingestuft.

Der LAV bestätigt die Neueinstufung auf Anfrage. Die entsprechende Information sei nach einiger Vorarbeit am Mittwochmorgen aus dem Sozialministerium eingetroffen. „Wir haben uns seit Wochen für diese Eingliederung eingesetzt. Die Entscheidung kommt spät, aber erfreut uns natürlich dennoch“, so ein LAV-Sprecher. „Es ist schön, dass die Landesregierung hier die testende Apothekerschaft mit dem Personal in Testzentren und der Ärzteschaft gleichstellt. Das bestätigt uns, dass das Engagement der Apothekerschaft hier gesehen wird und das Land sich um ihren Gesundheitsschutz kümmert.“ Der LAV war nach einiger Überzeugungsarbeit im Hintergrund am Dienstag mit der Forderung an die Öffentlichkeit getreten, Apotheker heraufzustufen. „Wer sich aber mehrere Stunden täglich unmittelbar einem erhöhten Infektionsrisiko aussetzt, sollte auch bei der wichtigen Corona-Schutzimpfung zuvorderst berücksichtigt werden. Ich sehe hier die Politik gefordert, diesen Schutz durch eine Anpassung der Corona-Impfstrategie auch zu gewährleisten“, erklärte Verbandspräsident Fritz Becker.

In Baden-Württemberg kommt den Apotheken bei der Teststrategie eine besondere Bedeutung zu: Nicht nur setzt die Landespolitik mittlerweile verstärkt auf das „Böblinger Modell“, bei dem Apotheken-Testzentren Träger der allgemeinen Teststrategie sind, sondern Apothekenmitarbeiter*innen spielen – ähnlich wie in Sachsen – auch eine zentrale Rolle bei der Wiedereröffnung von Schulen und Kindertagesstätten, wo sie vor Ort testen. Neben Testzentren und ambulanten Arztpraxen bieten knapp 300 Apotheken im Ländle Schnelltests an.

„Wir stehen hier mit vielen Apotheken als Teil der nationalen Teststrategie und der Teststrategie des Landes zur Verfügung und engagieren uns“, so Becker. Mit den kostenlosen Tests ab März werde die Nachfrage und damit die Exposition des testenden Apothekenpersonals noch einmal zu nehmen. „Erhöhte Nachfrage bedeutet natürlich auch ein erhöhtes gegenseitiges Ansteckungsrisiko“, so Becker. Selbstverständlich achte das eingesetzte Personal peinlich genau auf die Einhaltung aller Hygiene- und Schutzstandards bei den Testungen, aber: „Erst eine Impfung für unser Personal rundet den Schutz wirklich ab! Das müssen die politisch Verantwortlichen erkennen und entsprechend handeln.“ Der LAV forderte deshalb mindestens eine Einstufung in die Priorisierungsgruppe 2, in der beispielsweise auch Lehrer*innen stehen – wie nun erfolgt.

Auch in anderen Bundesländern dürfte damit der Druck steigen. So forderte der Apothekerverband Nordrhein (AVNR) ebenfalls, dass Apothekenpersonal zeitnah gegen Covid-19 geimpft wird. Laut einer aktuellen apsocope-Umfrage teilen 91 Prozent der Apothekenmitarbeiter*innen die Forderung, dass sie bei regelmäßiger Duchführung von Antigen-Tests bevorzugt geimpft werden sollten.