Hustenstiller

Neuzugang im OTC-Regal Alexandra Negt, 20.07.2021 08:57 Uhr

  • Für die Selbstmedikation stehen unterschiedliche hustenstillende Medikamente zur Verfügung. Bald könnte ein neuer Wirkstoff Einzug ins OTC-Regal halten. Foto: Krakenimages.com/shutterstock.com

Berlin - Husten gehört zu den häufigsten Beratungsthemen im Handverkauf. Nachdem abgeklärt ist, ob es sich um produktiven oder trockenen Husten handelt, kann es zur Produktempfehlung kommen. Hier stehen unterschiedliche Wirkstoffe zur Verfügung. Neben chemischen Wirkstoffen gibt es auch Präparate mit pflanzlichen Hustenstillern. Durch einen OTC-Switch könnte bald auch der Wirkstoff Levodropropizin (Quimbo, Pädia) eine Rolle innerhalb der Beratung spielen.

Trockener Husten tritt als Symptom im Rahmen eines grippalen Infekts auf. Selten bleibt es bei der unproduktiven Form. Meistens wandelt sich dieser in festsitzenden Husten um. Innerhalb des Beratungsgespräches sollten Apotheker:innen und PTA darauf hinweisen, dass Hustenstiller wenn möglich nur zur Nacht eingenommen werden sollten. Für eine Anwendung über den Tag sollte der Zeitraum streng auf die unproduktive Phase eingegrenzt werden. Diese dauert in der Regel nicht länger als drei Tage an.

Quimbo bald OTC

Der Sachverständigenausschuss für Verschreibungspflicht gab grünes Licht für die Freigabe von Levodropropizin. Zukünftig könnte also auch dieser Arzneistoff zur Behandlung des trockenen Hustens in der Selbstmedikation eingesetzt werden. Levodropropizin gehört zu der Gruppe der der Antitussiva und hemmt den Hustenreiz vermutlich überwiegend durch peripheren Angriff an Rezeptoren des Respirationstrakts. Es stehen sowohl Tropfen als auch ein Sirup zur Verfügung. Dieser kann bei Kindern ab zwei Jahren angewendet werden. Zwischen den Gaben sollte ein Mindestabstand von sechs Stunden liegen. Die maximale Tagesdosis liegt bei drei Einnahmen.

Jugendliche ab zwölf Jahren und Erwachsene nehmen als Einzeldosis 60 mg, entsprechend 10 ml Saft oder 20 Tropfen. Bei Kindern richtet sich die Dosierung nach dem Gewicht:

  • Bis 12 kg KG: 2 ml als ED (Saft), 4 Tropfen als ED (Tropfen)
  • Bis 18 kg KG: 3 ml als ED (Saft), 6 Tropfen als ED (Tropfen)
  • Bis 24 kg KG: 4 ml als ED (Saft), 8 Tropfen als ED (Tropfen)
  • Bis 30 kg KG: 5 ml als ED (Saft), 10 Tropfen als ED (Tropfen)
  • Bis 36 kg KG: 6 ml als ED (Saft), 12 Tropfen als ED (Tropfen)
  • Bis 42 kg KG: 7 ml als ED (Saft), 14 Tropfen als ED (Tropfen)

Während der Schwangerschaft und Stillzeit darf der Arzneistoff nicht angewendet werden. Als besonderer Hinweis ist in der Fachinformation das veränderte Reaktionsvermögen aufgeführt: „Das Arzneimittel kann auch bei bestimmungsgemäßem Gebrauch das Reaktionsvermögen soweit verändern, dass die Fähigkeit zur aktiven Teilnahme am Straßenverkehr oder zum Bedienen von Maschinen beeinträchtigt wird. Dies gilt in verstärktem Maße im Zusammenwirken mit Alkohol.“

Als weitere chemische Wirkstoffe stehen Pentoxyverin (Sedotussin, Sanofi-Aventis) und Dextromethorphan (Silomat, Sanofi-Aventis) zur Verfügung. Beide Wirkstoffe gehören der Gruppe der Antitussiva an, wobei DMP ein Morphin-Derivat ist. Es setzt die Hustenhäufigkeit durch Unterdrückung des Hustenreflexes infolge einer Hemmung des Hustenzentrums im Stammhirn herab. Pentoxyverin ist kein Abkömmling des Morphins. Jedoch wirkt es genau wie die Opioid-Antitussiva agonistisch am Sigma-1-Rezeptor des Hustenzentrums im Gehirn. Darüber hinaus zeigt der Wirkstoff eine leichte bronchodilatierende, spasmolytische und anticholinerge Wirkung.

Pentoxyverin sollte aufgrund des erhöhten Risikos einer Atemzentrumsdepression bei Kindern unter zwei Jahren nicht angewendet werden. DMP steht als Lutschtablette für Kinder ab sechs Jahren zur Verfügung. Die ebenfalls erhältlichen Kapseln sollten nicht bei Kindern unter zwölf Jahren angewendet werden. DMP ist bei Asthma bronchiale, akuter Pneumonie und COPD kontraindiziert.

Die Missbrauchsfälle im Zusammenhang mit dem Antitussivum Dextromethorphan (DMP) haben in den vergangenen Jahren stetig zugenommen. Bei der Abgabe der Kapseln an Jugendliche sollte deshalb besonders genau hingeschaut werden. Wie immer gilt: Bei der Forderung von zwei oder mehreren Packungen sollten Apotheker:innen und PTA gezielte Fragen stellen, um einen Missbrauch auszuschließen.

Pflanzlich werden vor allem Schleimdrogen eingesetzt. Diese legen sich wie eine Schutzschicht auf die gereizte Rachenschleimhaut. Diese wird beruhigt – der Hustenreiz nimmt ab. Eibischwurzel-Präparate können häufig ab einem Jahr angewendet werden. So können Kinder zwischen 1 und 2 Jahren den Phytohustil Hustensaft (Bayer) bis zu viermal tägliche einnehmen. Eine Einzeldosis entspricht 3 ml. Die Dosis steigt mit dem Alter. Erwachsene nehmen 3- bis 6-mal täglich 10 ml. Eine Flasche Phytohustil enthält 150 ml Sirup. Die Schleimstoffe der Eibischwurzel bestehen hauptsächlich aus sauren Polysacchariden und einer Mischung aus Galacturonorhamnanen, Arabinanen, Glucanen und Arabinogalactanen.

Gerade bei gereizter Schleimhaut kann auch Hyaluronsäure Entlastung verschaffen. Denn das langkettige, lineare Polysaccharid kommt natürlicherweise in vielen Geweben des menschlichen Körpers vor und hilft bei der Wasserspeicherung und dementsprechend bei der Linderung von Reizerscheinungen. Beim Lutschen entsteht ein Hydro-Depot, welches die Symptomatik lindert und die Schleimhäute langanhaltend befeuchtet. Präparate wie Gelorevoice (Pohl-Boskamp) eignen sich für Kinder ab sechs Jahren. Bei Erwachsenen kann die Anwendung auch dauerhaft erfolgen. Die Lutschtabletten können bis zu sechsmal täglich angewendet werden.

Als weitere Schleimdroge kommt Isländisch Moos in Betracht. Hier stehen ebenfalls Lutschtabletten wie Isla (Engelhard) zur Verfügung. Ganz neu im Regal ist der Hustenlolly von Neo-Angin (Klosterfrau). Das Phytopharmaka ist speziell für Kinder ab 3 Jahren entwickelt.

Vor der Empfehlung: Hustenarten unterscheiden

Akuter Husten: Kann bis zu acht Wochen andauern und wird zumeist durch Entzündungen der Atemwege (Sinusitis, Bronchitis) ausgelöst. Begleitsymptom von Asthma oder Lungenentzündung

Chronischer Husten: Dauert länger als acht Wochen und wird zumeist durch eine dauerhafte Inhalation von Schadstoffen ausgelöst. COPD, Asthma oder Lungenkrebs können ebenfalls Dauerhusten verursachen.

  • Chronisch idiopathischer Husten (CIC): Anhaltender Husten ohne bekannte Ursache (nach Ausschluss-Diagnose)
  • Chronisch refraktärer Husten (CRC): Husten, der trotz adäquater Therapie der Grunderkrankung anhält