Inhalationsgeräte

Nebel aus der Apotheke Nadine Tröbitscher, 14.11.2016 09:07 Uhr

Berlin -

Ob Topf und Handtuch oder elektrischer Vernebler: Die Inhalation von heißem Wasserdampf befeuchtet die Schleimhäute und verflüssigt hartnäckigen Schleim. Auch Patienten mit chronischen Lungenerkrankungen profitieren von der Inhalationstherapie. Für sie stehen verschiedene Inhalatoren zur Verfügung, die von den Krankenkassen bis zu einem Festbetrag übernommen werden. War Pari lange Zeit die Nummer 1, ziehen jetzt andere Hersteller nach.

Inhalatoren können vom Arzt verordnet werden, Patienten zahlen dann eine Hilfsmittelgebühr. Krankenkassen erstatten elektrische Vernebler zu unterschiedlichen Konditionen: Techniker Krankenkasse und Barmer erstatten 99 Euro netto, die Versicherten erhalten ein Gerät, das sie behalten dürfen. Eine Versorgung von DAK-Versicherten über die Apotheke ist nicht mehr möglich, die Krankenkasse verweist auf ihren zentralen Versorger Philmed.

AOK-Patienten können einen Inhalator zur Miete oder zum Verbleib verordnet bekommen, die Kasse zahlt dann 130 Euro brutto oder übernimmt die Mietgebühr. Steht eine bestimmte Marke auf dem Rezept, muss dies medizinisch begründet sein. Dann muss die Apotheke die Verordnung genehmigen lassen, wenn der Preis 130 Euro überschreitet. Diese Einzelfallentscheidungen sind seltener geworden.

Um eine Kostenübernahme zu erhalten, müssen die Inhalatoren eine Hilfsmittelpositionsnummer vorweisen. Sie muss vom Herstellern beantragt werden. Für Inhalatoren gilt die Hilfsmittelpositionsnummer 14 24 01: Die Produktgruppe 14 beinhaltet Inhalations- und Atemtherapiegeräte. Der Anwendungsort wird mit der Nummer 24 festgelegt. Die Untergruppe 01 gilt für Aerosol-Inhalationsgeräte für tiefe Atemwege.



Der Markt der Vernebler ist umkämpft. Lange Zeit war Pari die führende Firma im Verneblergeschäft; die Geräte aus Starnberg gelten als Synonym für elektrische Vernebler. Heute werden die Inhalatoren von den Apotheken meist nur noch zum Verleih angeboten, denn alle Modelle liegen über dem Erstattungspreis: Der Pari compact etwa kostet 144,94 Euro; AOK-Versicherte müssten also einen Eigenanteil von rund 15 Euro übernehmen, TK- und Barmer-Versicherte zahlen sogar 46 Euro drauf.

Pari hat aber vorgesorgt, um im Erstattungskampf mitzuhalten. Der belAir-Inhalator des Vertriebspartners Inqua kostet in der Apotheke 99 Euro und kann somit ohne Aufzahlung abgegeben werden. Inqua ist nicht apothekenexklusiv, in der Erkältungszeit vertreibt die Firma ihre Geräte auch bei Aldi zum Vorteilspreis von 64 Euro. belAir-Inhalatoren werben mit einer Partikelgröße von unter 5 µm für 61 Prozent und 2,5 µm für 30 Prozent der vernebelten Flüssigkeit. Die Partikelgröße sollte zwischen 2 und 4 µm liegen, um in die tiefen Atemwege zu gelangen.

Wepa hat seit Oktober einen Druckluftvernebler im Sortiment: Der Aponorm Compact Inhalator liefert eine Partikelgröße von 2,61 µm und besitzt eine Inhalationszeit von unter sieben Minuten für 2,5 ml Flüssigkeit. Er bringt ein umfangreiches Zubehör mit – Kinder- und Erwachsenenmaske sowie Mund- und Nasenstück sind im Preis von 99 Euro bereits enthalten. Das Familienunternehmen aus Hillscheid bietet seine Hilfsmittel unter dem Namen Aponorm by Microlife an.



Die Firma Omron mit ihren Compair-Produkten mischt auch noch mit. Das Mannheimer Unternehmen, dessen Produkte in den Apotheken seit einigen Monaten von Hermes vertrieben werden, bietet gleich mit drei Modellen passende Produkte im erstattungsfähigen Bereich und ist seit einigen Jahren Konkurrent von Pari.

MPV Medical bietet für Groß und Klein auch eine Inhalation per Kompressor und Vernebler. „Kleine Teilchen, große Wirkung“, hat sich das Unternehmen auf die Fahne geschrieben. Die Hälfte der vernebelten Flüssigkeit hat eine Partikelgröße von 2,5 µm. Kleine Patienten sind mit dem MicroDrop Calimero 2 versorgt. Das enthaltene Zubehör ermöglicht eine professionelle Inhalation. Der Babywinkel ermöglicht eine Inhalation im Liegen, die verschieden großen Mundstücke wachsen mit. Allerdings liegt das Gerät mit fast 150 Euro über dem Preis, den die Krankenkassen erstatten. MPV bietet mit dem MicroDrop Family aber auch ein Gerät zum Preis von 99,90 Euro.

Eine Inhalation ist nur erfolgreich, wenn die Compliance hoch ist. MPV hat hierfür mit dem Jordi-Stick ein unterstützendes Produkt im Sortiment. Spielerisch sollen Kinder lernen, richtig zu inhalieren: So kommt man im Computerspiel nur voran, wenn richtig ein- und ausgeatmet wird. Das Medizinprodukt ist nicht erstattungsfähig, 40 von 120 befragten Ärzten empfehlen das Produkt und würden es auch verordnen.



Wie tief der Dampf in die Atemwege gelangt, ist abhängig von der Partikelgröße. Es gibt unterschiedliche Arten von elektrischen Verneblern. Ultraschallvernebler wandeln elektrische Schwingen in mechanische um und erzeugen dadurch einen feinen Wassernebel. Das Vernebeln der Flüssigkeit erzeugt eine Teilchengröße, die selbst bis in die tiefen Bronchien gelangt. Die Therapie kann zum Beispiel Salzzusätze enthalten. Nicht geeignet ist der Zusatz von Kortikoiden.

Druckluft- oder Kompressorvernebler stellen eine große Gruppe der Inhalatoren dar. Die vom Kompressor erzeugte Druckluft erzeugt einen Unterdruck. Die dadurch angesaugte Flüssigkeit wird durch den Aufprall an eine sogenannte Prallplatte zu einem feinen Nebel. Patienten können das entstandene Aerosol mittels Mundstück oder Maske inhalieren.

Die klassische Inhalation mit Topf oder Schüssel ist bei Schnupfen geeignet. Die feuchtwarme Behandlung mit Wasserdampf wirkt auf die oberen Atemwege. Die unteren Atemwege werden nicht erreicht, da die Teilchengröße der Wassertröpfchen zu groß ist, um in die Bronchien zu gelangen. Für die Inhalation eignen sich Zusätze wie ätherische Öle oder Kräuteraufgüsse. Es ist Vorsicht geboten, das Wasser sollte 60 Grad nicht überschreiten.