APOTHEKE ADHOC Umfrage

Kritik an Zyto-Ausschreibungen APOTHEKE ADHOC, 17.04.2016 20:17 Uhr

Berlin - 

Nachdem das Bundessozialgericht (BSG) Ausschreibungen über Sterilrezepturen erlaubt hat, legt die AOK richtig los: In fünf Bundesländern suchen die Kassen derzeit Zyto-Apotheken, die die Versorgung übernehmen. Diese Entwicklung sehen nicht nur Ärzte und Politik kritisch, sondern auch die meisten Leserinnen und Leser von APOTHEKE ADHOC.

Bei einer Umfrage zeigte sich die Mehrheit kritisch gegenüber Sterilrezepturen: 35 Prozent meinen, sie seien ein Angriff auf die freie Apothekenwahl. „Geht gar nicht“, so ihr Urteil. Weitere 34 Prozent halten die Ausschreibungen sogar für gefährlich, da sie die Versorgung verschlechterten.

Jeder achte Teilnehmer kann den Ausschreibungen aber etwas Positives abgewinnen: 5 Prozent meinen, es sei höchste Zeit für Ausschreibungen, da sie Transparenz in den Markt brächten. 4 Prozent finden sie sinnvoll, weil dadurch Wirtschaftlichkeitsreserven gehoben werden könnten. 3 Prozent sind überzeugt, dass die Spezialisierung die Qualität verbessert – und halten die Ausschreibungen daher für gut.

Der Rest ist unentschlossen: 13 Prozent der Teilnehmer messen den Ausschreibungen keine große Bedeutung bei, schließlich beträfen sie ohnehin nur Spezialapotheken. 4 Prozent halten die Verträge für ein zweischneidiges Schwert, da sie für Mehraufwand bei den Ärzten sorgten. An der Umfrage nahmen am 5. und 6. April 2016 insgesamt 172 Leserinnen und Leser von APOTHEKE ADHOC teil.

Die Ausschreibung des AOK-Bundesverbands läuft noch bis zum 27. April. Bis dahin können sich Apotheken um die Versorgung von Versicherten in Brandenburg, Hamburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern und Nordrhein bewerben. Dabei müssen sie zahlreiche Vorgaben erfüllen. Auf diese Weise soll sichergestellt werden, dass die Patienten auch weiterhin schnell und zuverlässig versorgt werden.

Derweil kündigte die gesundheitspolitische Sprecherin der Unionsfraktion, Maria Michalk (CDU), an, dass sich die Arbeitsgruppe Gesundheit der Union ernsthaft mit dem Thema befassen wolle. Lange Transportwege sieht sie nicht als das vordergründige Problem – aber es sei wichtig, dass die Patienten Vertrauen in die Einrichtung hätten, die sie versorge und nicht „nehmen müssen, was sie kriegen“, sagte sie auf der Jahrestagung des Verbands der Zytostatika herstellenden Apothekerinnen und Apotheker (VZA).

Ganz abgeschafft werden die Ausschreibungen der Kassen in diesem Bereich aber wohl nicht. „Ich stehe zu mehr Wettbewerb, aber die Auswüchse sind zu hinterfragen“, so Michalk mit Blick auf die Hilfsmittelversorgung. Auch hier habe das System ungewollte Blüten getrieben, und auch in diesem Bereich müsse die Versorgung „möglichst wirtschaftlich sein, nicht möglichst billig“. Die Koalition habe an dieser Stelle bereits reagiert.