Herpes Zoster

G-BA: Shingrix wird Kassenleistung Nadine Tröbitscher, 08.03.2019 12:24 Uhr

  • Totimpfstoff für Gürtelrose soll Kassenleistung werden: Der G-BA hat sich bei Patienten ab einem Alter von 60 Jahren sowie für Personen mit einem erhöhten Gefährdungsrisiko ab einem Alter von 50 Jahren für eine Pflichtleistung ausgesprochen. Foto: Elke Hinkelbein

Berlin - Impfung gegen Gürtelrose wird Pflichtleistung: Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) folgt der Empfehlung der Ständigen Impfkommission aus dem Dezember und erklärt den Totimpfstoff zur Kassenleistung – für ausgewählte Patientengruppen. Der Beschluss wird nun dem Bundesgesundheitsministerium (BMG) vorgelegt und tritt nach Veröffentlichung im Bundesanzeiger in Kraft.

Seit Mai 2018 hat GlaxoSmithKline (GSK) den rekombinanten Totimpfstoff Shingrix auf dem Markt. Die Änderung der Schutzimpfungs-Richtlinie und der Kostenübernahme scheint ein Ritterschlag für die Vakzine. Hatte sich die STIKO im August 2017 gegen eine Empfehlung als Standardimpfung der bereits seit mehreren Jahren verfügbaren Lebendvakzine Zostavax (MSD) ausgesprochen. Die Experten führten als Begründung an, dass das Risiko, an Herpes Zoster zu erkranken im Alter zunimmt, aber die Wirksamkeit des Impfstoffes ab.

Der Totimpfstoff (Shingrix) hingegen soll mit heutigen Bescheid des G-BA bei Patienten ab einem Alter von 60 Jahren sowie für Personen mit einem erhöhten Gefährdungsrisiko ab einem Alter von 50 Jahren Pflichtleistung der Kassen werden. Die Experten führen an, dass die Impfempfehlung der STIKO Personen ab einem Alter von 60 Jahren mit einem zunehmenden Risiko für schwere Krankheitsverläufe sowie postherpetische Neuralgien berücksichtigt.

Zur Risikogruppe, die bereits ab einem Alter von 50 Jahren zu Lasten der Kasse immunisiert werden kann, gehören Personen mit einer Grunderkrankung, die eine erhöhte gesundheitliche Gefährdung darstellt. Dazu gehören beispielsweise:

  • angeborene beziehungsweise erworbene Immmundefiziens/Immunsuppression
  • HIV-Infektion
  • Rheumatoide Arthritis-Medikament
  • systemischer Lupus erythematodes
  • chronisch entzündliche Darmerkrankungen
  • chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) oder Asthma bronchiale
  • chronische Niereninsuffizienz
  • Diabetes mellitus.

Nach Untersuchungen des Robert-Koch-Instituts (RKI) erkranken in Deutschland jedes mehr mehr als 300.000 Menschen an Gürtelrose. Etwa 5 Prozent der Patienten entwickeln als Komplikation eine postherpetische Neuralgie, die von schweren Nervenschmerzen über Wochen bis Monate nach Abheilen der Bläschen gekennzeichnet ist. Therapiert wird die Erkrankung mit Virostatika, beginnend am zweiten oder dritten Tag nach dem Auftreten der ersten Symptome. Geeignet sind die generischen Wirkstoffe Aciclovir und Valaciclovir sowie Brivudin. Die Arzneistoffe verfolgen ein unterschiedliches Dosierschema über sieben Tage: So wird Brivudin nur einmal täglich eingenommen. Aciclovir soll in den verschiedenen Stärken bis zu fünfmal täglich genommen werden. Erwachsene, die mit Valaciclovir behandelt werden, nehmen dreimal täglich eine Tablette ein. Gegen die Nervenschmerzen können neben Ibuprofen oder Novaminsulfon auch Gabapentin oder Pregabalin eingesetzt werden.

Nicht nur systemisch, sondern auch lokal wird eine Gürtelrose behandelt. Geeignet sind Lösungen oder Salben, die einen austrocknenden Effekt haben. Patienten behandeln die Stellen zum Beispiel mit Zinksalben oder Anaesthesulf Lotio (Polidocanol, Infectopharm). Die Schüttelmixtur enthält ebenfalls Talkum und Titandioxid, das Lokalanästhetikum nimmt den Juckreiz und den Schmerz.

Shingrix ist zur Vorbeugung von Herpes zoster und postzosterischer Neuralgie bei Erwachsenen ab dem 50. Geburtstag zugelassen. Zur Grundimmunisierung sind zwei Impfdosen zu je 0,5 ml nötig. Die zweite Impfung erfolgt im Abstand von zwei Monaten auf die erste Dosis. Wenn nötig, kann die zweite Gabe auch mit einem Abstand von zwei bis sechs Monaten erfolgen.