Telemedizin

TK holt Gnekow-Apotheke ins bundesweite E-Rezept APOTHEKE ADHOC, 23.07.2020 14:52 Uhr

  • E-Rezept: TK-Vize Thomas Ballast sammelt immer mehr Player der Telemedizin um Deutschlands größte Krankenkassen. Foto: Elke Hinkelbein

Berlin - Anfang 2019 startete Techniker Krankenkasse (TK) in Hamburg-Wandsbeck ein kleines Pilotprojekt und machte sich damit im Kassenlager zum Vorreiter des E-Rezeptes. Inzwischen hat die TK immer mehr Krankenkassen, Apotheken, Ärzte- und Apothekensoftwareanbieter um sich versammelt und ist zum bundesweit größten Telemedizinprojekt emporgestiegen. Sogar DocMorris hat dort angedockt. Das Pilotprojekt Hamburg-Wandsbeck hat jetzt seine Schuldigkeit getan und wird in die neue TK-Telemedizinwelt integriert.

In 18 Monaten sollte im Hamburger Stadtteil Wandsbeck gezeigt werden, welche Vorteile die Digitalisierung für Patienten, Ärzte und Apotheker bringt. Inzwischen ist die rasante Entwicklung der Digitalisierung über das kleine Projekt hinweggefegt. Anfangs von der Konkurrenz nicht ernst genommen, wird das Pilotprojekt Hamburg-Wandsbeck in das bundesweite TK-Telemedizinprojekt integriert und wird vielleicht einmal als Keimzelle der Digitalisierung des deutschen Gesundheitswesens in die Geschichtsbücher eingehen. Die Firma Lifetime, die für Hamburg-Wandsbeck die E-Rezept-Technik lieferte, hat inzwischen Insolvenz angemeldet. Die Lifetime E-Rezept-App arbeitet aber bis zur vollständigen Integration in das bundesweite Telemedizinprojekt weiter, versichert die TK.

Neben Lifetime hatte die TK in Hamburg das Rechenzentrum König an Bord geholt. Letzteres gehört Zur Rose und Shop-Apotheke. Außerdem dabei waren die Privilegierte Adler Apotheke in Hamburg-Wandsbek und das Diabetes Zentrum Wandsbek. „Das ist ein großer Schritt nach vorne“, schwärmte Anfang 2019 Holger Gnekow, Inhaber der Privilegierten Adler Apotheke. „Das Projekt wird von Apothekern mitgestaltet und ist nichts was wir aufgedrückt bekommen und stärkt die stationäre Apotheke. Wir müssen zeigen, dass wir vorangehen und innovativ sind. Dabei müssen wir selbst aktiv werden.“

Jetzt ist Gnekow ebenfalls Teil des bundesweit größten Telemedizinprojekts der TK: Durch Kooperationen mit den Softwaredienstleistern medatixx und Medisoftware können bundesweit rund 40.000 niedergelassene Ärzte elektronische Verordnungen für TK-Versicherte ausstellen. Außerdem sind die Ersatzkassen BARMER, DAK-Gesundheit und Hanseatische Krankenkasse (HEK) und die Innungskrankenkasse BIG direkt gesund dem E-Rezept-Projekt der TK beigetreten. Durch den Beitritt der vier Kassen könnten nun insgesamt etwa 26 Millionen Versicherte – das entspricht 35 Prozent aller in Deutschland gesetzlich Versicherten – von den Vorteilen der elektronischen Verordnung profitieren, so die TK.

„Dass fast ein Viertel der niedergelassenen Ärzte in Deutschland E-Rezepte ausstellen können, ist der nächste entscheidende Baustein, um das E-Rezept in die breite Versorgung zu bringen. Wir haben bisher sehr positive Rückmeldungen zur elektronischen Verordnung bekommen, ob von Versicherten, Ärzten oder Apothekern. Deshalb freut es uns umso mehr, dass bald noch deutlich mehr Versicherte ihr Medikament über das Smartphone einlösen können. Damit wird unser Projekt zum bundesweit größten E-Rezept-Projekt", sagt Thomas Ballast, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der TK.

Jens Naumann, Geschäftsführer von medatixx: „Die Kooperation ermöglicht es Ärzten mit unserer Praxissoftware, die Erstellung des elektronischen Rezepts unkompliziert in ihren Praxisalltag zu integrieren und auf diese Weise zu Vorreitern des digitalisierten Verordnungsprozesses zu werden." Die Praxissoftware-Lösungen von medatixx werden von rund 38.000 Ärzten in 21.000 Praxen eingesetzt, die von Medisoftware nutzen etwa 2200 Ärzte in 1000 Praxen. Dr. Silke Zinke, Fachärztin für Innere Medizin und Rheumatologie in Berlin, ist Vorsitzende des Bundesverbands der Rheumatologen und sieht die Teilnahme am E-Rezept-Projekt als große Chance: „Wir Ärzte haben auf diese Weise die Möglichkeit, die elektronische Verordnung so mitzuentwickeln, dass sie zum Praxisalltag passt.“

Damit die elektronischen Rezepte nach ihrer Ausstellung eingelöst werden können, hat die TK bereits eine gemeinsame Schnittstelle mit den Apothekendienstleistern Noventi, NARZ/AVN, ARZ Haan, DRZ sowie Pharmatechnik geschaffen. Bundesweit sind nach TK-Angaben mehr als 1000 Apotheken technisch angebunden. Medatixx gehört wie ADG (Phoenix) zur Merckle-Gruppe und ist der zweitgrößte Hersteller von Arztsoftware in Deutschland. Die Lösungen von Medatixx werden nach Firmenangaben von 38.000 Ärzten in 21.000 humanmedizinischen Arztpraxen, MVZ und Ambulanzen eingesetzt, was einem Marktanteil von rund 27 Prozent im deutschen Markt entspricht.

Medatixx kooperiert nicht nur mit der TK, sondern auch über die Tochterfirma eHealth-Tec mit der Schweizer Zur Rose Gruppe, der Muttergesellschaft von DocMorris. DocMorris hat sich inzwischen auch dem TK-E-Rezept-Projekt angeschlossen. Patienten, denen im Rahmen des TK-Projekts ein E-Rezept ausgestellt wird, können per Postleitzahlsuche eine Vor-Ort-Apotheke zu Einlösung suchen oder das Rezept per Klick direkt an DocMorris weiterleiten.

Außerdem hat Zur Rose kürzlich die Übernahme der Teleclinic angekündigt. Damit ist ein führender Anbieter von Videosprechstunden ebenfalls an Bord. Und ARZ Haan hat einen Kooperationsvertrag mit Red Medical geschlossen. Das Rechenzentrum wird seinen Kunden im Rahmen einer Vertriebspartnerschaft nicht nur die Red-Konnektorenlösung nahelegen. ARZ könnte dem Telemedizinangebot Red Connect als Gegengewicht zur Teleclinic die Tür zum E-Rezept-Pilotprojekten der TK öffnen. Außerdem ist Medatixx auch beim neuen Zusammenschluss von Phoenix und Pro AvO mit an Bord. Zuletzt hatte sich auch das Starnberger Softwarehaus Pharmatechnik dem TK-E-Rezept angeschlossen, um dorthin den „Gerda“-Server aus dem Abda-E-Rezept-Modellprojekt in Baden-Württemberg exportieren.