Europäische Arzneimittelbehörde

Amsterdam baut für die EMA Tobias Lau, 08.02.2018 11:17 Uhr

  • In Amsterdams Business-Viertel Zuidas soll das neue Hauptquartier der Europäischen Arzneimittelagentur EMA entstehen. Bis das fertig ist, muss die EMA jedoch mit einem Interimsquartier Vorlieb nehmen. IN Amsterdam

Berlin - Die Niederlande bauen der Europäischen Arzneimittelagentur EMA ein stattliches neues Hauptquartier in Amsterdam, vorerst auf Staatskosten. Doch der Deal lohnt sich, denn im Windschatten der Behörde dürfte ein Geldsegen in die Grachtenstadt wehen. Am Dienstag trat der Verwaltungsrat zu einer Sondersitzung mit einer niederländischen Delegation zusammen, um über das neue Domizil zu beraten.

Das Problem dabei ist, dass das neue Hauptquartier nicht schnell genug fertig wird: Spätestens im März 2019 – dem Zeitpunkt des formellen EU-Austritts Großbritanniens – muss die EMA London verlassen und ihre Arbeit in Amsterdam aufgenommen haben. Das jetzige Gebäude in Canary Wharf im Westen der Stadt steht dann erst einmal leer. Es war erst 2014 maßgeschneidert auf die Bedürfnisse der EMA gebaut und ein Mietvertrag bis 2039 geschlossen worden – zwei Jahre später beschlossen die Briten dann, die EU zu verlassen. Bei einer intern umstrittenen Abstimmung für einen neuen Standort setzte sich Amsterdam gegen 18 weitere Bewerber durch, darunter auch Bonn.

Da zu dem Zeitpunkt schon absehbar war, dass bis März 2019 kein ausreichendes Quartier aus dem Boden gestampft werden kann, war eine Übergangslösung Teil der niederländischen Bewerbung. Dazu wird das Spark Building, ein Bürokomplex im Stadtteil Sloterdijk, für die Anforderung der Agentur hergerichtet, sodass diese dort ab dem 1. Januar 2019 vorerst ihre Arbeit weiterführen kann. Das neue Gebäude im Amsterdamer Businessdistrikt Zuidas soll dann am 15. November 2019 eingeweiht werden.

Dabei müssen Kapazitäten geschaffen werden: Nicht nur mindestens 1300 Arbeitsplätze für die mehr als 890 fest Beschäftigten soll das neue Gebäude deshalb bieten, sondern auch genügend offene Arbeitsflächen und Konferenzräume für die über 600 Meetings und 5000 Video-Konferenzen, die die sieben wissenschaftlichen Komitees und 34 Arbeitsgruppen der EMA jährlich durchführt. Dafür will die niederländische Regierung ein Bürohochhaus mit 19 Stockwerken errichten mit einer Bürofläche von fast 40.000 Quadratmetern. Hinzu kommt ein Auditorium mit 300 Plätzen und ein hauseigenes Restaurant mit 500 Plätzen.

Einen Vorschlag für die Mietkosten haben die Niederländer auch schon unterbreitet: 300 bis 320 Euro pro Quadratmeter auf Grundlage eines 20-Jahres-Vertrags – inklusive Wartung, Instandhaltung und Parkflächen für Autos und Fahrräder. Die Kosten des Neubaus wurden indes nicht bekanntgegeben. Außerdem benötigen nicht nur die fast 1000 hochqualifizierten Neubewohner von Amsterdam neuen Wohnraum. Auch die 36.000 Besucher, die jährlich zu einem Termin bei der Behörde anreisen, brauchen ein Dach über dem Kopf. Rund 15.000 Übernachtungen bucht die EMA bisher jährlich, noch einmal 15.000 individuelle Buchungen kommen hinzu – und die liegen fast ausschließlich im mittel- bis hochpreisigen Segment.

Deshalb muss Amsterdam touristisch aufstocken: Bisher bieten die rund 650 Hotels in Stadt und Umland knapp 41.000 Zimmer. Bis 2021 muss es mehr als ein Viertel mehr werden, also weitere 11.000 Zimmer, wie sich der niederländischen Bewerbung entnehmen lässt. Die infrastrukturelle Anbindung war dabei ein wichtiges Argument der Niederländer: Mit dem Schiphol Airport liegt der drittgrößte Flughafen der EU nur sieben Zug-Minuten vom geplanten neuen EMA-Sitz entfernt.

Die Mitgliedern des Verwaltungsrats seien über die niederländischen Vorschläge „erfreut“ gewesen, wie die EMA mitteilt. Auch bei der Belegschaft dürften sie auf Zustimmung stoßen, galt Amsterdam doch neben Brüssel, Mailand und Wien als deren Favorit. Viele Mitglieder hatten sich bereits im Vorfeld der Wahl für den Standort ausgesprochen – andere wiederum entschieden gegen die ost- und südosteuropäischen Kandidaten. In einem komplizierten Verfahren, das in einem Patt endete und dann per Los entschieden werden musste, setzte sich Amsterdam dann schließlich durch – nicht jedoch ohne dabei den Frust vieler beteiligter Landesvertreter zu provozieren, die sich unfair behandelt fühlten.