Linnemann soll Gesundheitsminister werden 23.07.2026 18:19 Uhr
Nach dem Rücktritt des Unionsfraktionsvorsitzenden Jens Spahn soll Thorsten Frei den Posten übernehmen und kommenden Mittwoch zum neuen Fraktionsvorsitzenden der Union gewählt werden. Damit braucht Bundeskanzler Friedrich Merz einen neuen Kanzleramtschef. Bereits gestern war Gesundheitsministerin Nina Warken dafür im Gespräch. Wie „Bild“ heute berichtet, soll Warken tatsächlich auf Frei folgen. Das Gesundheitsministerium (BMG) soll künftig vom bisherigen CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann geführt werden.
Medienspekulationen zufolge war bereits gestern der Name von Carsten Linnemann als neuer Gesundheitsminister im Gespräch. Im Gesundheitsbereich wartet mit der geplanten Pflegereform und den Strukturreformen jedenfalls viel Arbeit auf einen potenziellen Nachfolger von Warken.
Nun soll es tatsächlich Linnemann werden. Dem Bericht zufolge will Merz die Personalie morgen verkünden.
Zudem heißt es, Franziska Hoppermann könnte die Nachfolge von Linnemann antreten und CDU-Generalsekretärin werden. Alternativ wird noch Catarina dos Santos-Wintz genannt, die in der Frauen-Union und in der „Jungen Gruppe“ der Fraktion aktiv ist.
Linnemann brachte sich zuletzt in die Diskussion um die Notwendigkeit der Vielzahl an Gesetzlichen Krankenkassen (GKV) ein. Er hatte im Frühjahr ein Papier vorgelegt, um die Zahl der Krankenkassen bis 2032 drastisch zu reduzieren. Vor allem kleine Kassen sollen verschwinden.
„Wir haben immer noch über 90 Krankenkassen, die in der Regel die gleichen Leistungen anbieten. Riesen Verwaltungsvolumen, da müssen wir ran. Mindestens die Hälfte. Ich finde, zehn Krankenkassen in Deutschland reichen“, so Linnemann im April in der Sendung „Frühstart“ von RTL/ntv. Richtigen Wettbewerb gebe es nicht, die Leistungen seien gleich. „Ich bin nicht für die Krankenkassen verantwortlich, sondern für die Volkswirtschaft in Deutschland. Ich bin Volksvertreter.“
Unter Berufung auf Parteikreise
Die „Bild“-Zeitung berichtete zuerst unter Berufung auf Parteikreise, dass diese Entscheidung gefallen sei. Eine offizielle Bestätigung gab es dafür zunächst nicht. „Der Bundeskanzler wird die Personalentscheidungen bekanntgeben, wenn alle offenen Punkte geklärt sind“, hieß es aus dem Umfeld von Friedrich Merz.
Warken-Linnemann-Lösung entstand schon am Dienstag
Merz hatte am Mittwoch bekanntgegeben, dass Kanzleramtschef Thorsten Frei als Nachfolger von Jens Spahn an die Fraktionsspitze wechseln wird. Schon seit Dienstagabend war klar, dass Warken die Wunschkandidatin von Merz als Nachfolgerin von Frei ist. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur hat sie aber aus familiären Gründen zunächst mit ihrer Zusage gezögert. Sie hat drei Kinder.
Auch Linnemann soll bereits am Dienstag gefragt worden sein, ob er das BMG übernehmen will. Trotzdem präsentierte Merz am Mittwoch zunächst nur den neuen Fraktionsvorsitzenden. Der Respekt vor der Fraktion und dem wichtigen Amt gebiete es, dass die Aufmerksamkeit zunächst nur auf dieses Amt gerichtet werde, hieß es.
Linnemann nutzt zweite Chance
Linnemann hatte schon nach der Bundestagswahl die Chance, ins Kabinett zu wechseln, ließ sie aber ungenutzt. Er war schon vor der Wahl als Minister eines Superministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Soziales im Gespräch. Zu der Fusion der beiden wichtigen Ministerien kam es aber nicht. Linnemann hätte trotzdem ins Kabinett wechseln können, entschied sich aber für die Parteizentrale. „Wir haben in den letzten drei Jahren hart daran gearbeitet, unsere CDU wieder aufzubauen. Dieser Prozess ist noch nicht abgeschlossen. Ich will ihn fortsetzen“, sagte der CDU-Generalsekretär zur Begründung.
Dort hatte er in den ersten knapp 15 Monaten der schwarz-roten Koalition allerdings keinen leichten Stand. Im Schatten von Parteichef und Kanzler Merz konnte er sich nicht so richtig entfalten. Für die sinkenden Umfragewerte der Union ist zwar eher die Bundesregierung verantwortlich. Sie bleiben aber auch an ihm als Parteimanager hängen. Die AfD hat die Union inzwischen in den bundesweiten Umfragen weit abgehängt. Wäre Linnemann Generalsekretär geblieben, hätte er bei krachenden Niederlagen der CDU bei den Landtagswahlen im September um seinen Posten bangen müssen.
Warken vor Wechsel ins Zentrum der Macht
Als Bundesgesundheitsministerin Warken gerade ein Mammutprojekt über die Ziellinie gebracht. Ein Sparprogramm soll eine Finanzlücke von 18,8 Milliarden Euro bei den gesetzlichen Krankenkassen stopfen und Beitragserhöhungen vermeiden. Damit hat sie sich offenkundig Merz empfohlen.
Schon bei der Vorstellung der Gesundheitsreform im April zeigte sich Merz öffentlich begeistert von seiner Parteikollegin. Mut, Augenmaß, Ehrlichkeit und Empathie habe Warken bewiesen. „Der Entschlossenheit und dem Tempo, das du hier vorgelegt hast, gebührt allergrößte Anerkennung“, sagte Merz damals. Jetzt holt er die 47-jährige Juristin übereinstimmenden Medienberichten zufolge als Managerin der Macht ins Kanzleramt. Sie würde Frei folgen, wenn der aus der Regierungszentrale an die Spitze der Unionsfraktion wechselt.
Mit der Entscheidung für eine Frau tritt Merz zudem dem Vorwurf entgegen, das Kanzleramt sei ein reiner Männerverein. Alle seine engsten Berater sind derzeit Männer: Die beiden wichtigen Abteilungsleiter für Außen- und Wirtschaftspolitik, der Regierungssprecher, der Kanzleramtschef und sein Büroleiter.
Seit mehr als zehn Jahren in Berlin
Vor ihrer Zeit als Gesundheitsministerin war Warken öffentlich kaum bekannt. Doch hatte die Baden-Württembergerin schon von 2021 bis 2025 eine Führungsposition in der Unionsfraktion: Sie war parlamentarische Geschäftsführerin. Im Bundestag sitzt Warken mit einer kurzen Unterbrechung seit 2013.
Daneben war sie von 2023 bis 2025 Generalsekretärin der CDU Baden-Württemberg, der sie seit 1999 angehört. 2025 wurde sie Vorsitzende der Frauen Union. In ihrer Bewerbung nannte sie damals eine „weitere Erhöhung der Sichtbarkeit der Frauen Union und der frauenpolitischen Themen“ als Ziel. Das dürfte mit ihrem Jobwechsel einen Schritt näher rücken in einer Partei, die sonst fast nur Männer in der ersten Reihe präsentiert.
Tennisspielerin aus Tauberbischofsheim
Warken wurde am 15. Mai 1979 in Bad Mergentheim geboren und machte Abitur in Tauberbischofsheim. Von 1998 bis 2002 studierte sie Jura in Heidelberg, legte bis 2005 beide Staatsexamen ab und war seit 2006 als Rechtsanwältin tätig. Derzeit lässt sie ihre Zulassung ruhen.
In der CDU begann sie ihre Karriere 1999 in der Jungen Union und saß ab 2004 20 Jahre lang im Stadtrat von Tauberbischofsheim. Die Katholikin sagt über sich selbst: „Ich bin Mutter von drei Söhnen, verheiratet, Rechtsanwältin, Hobby-Tennisspielerin und mein ganzes Leben lang stolze Tauberbischofsheimerin.“