AVWL

Fortbildung gegen Retax APOTHEKE ADHOC, 10.11.2014 15:07 Uhr

Berlin - 

Der Apothekerverband Westfalen-Lippe (AVWL) will seine Mitglieder besser vor Retaxationen schützen. Bei der Mitgliederversammlung lieferte die AVWL-Spitze den rund 50 anwesenden Apothekern am Wochenende auch Hintergründe zu der Auseinandersetzung mit dem ARZ Haan und stellte das gemeinsame Projekt mit der Apothekerkammer zur Zukunft der PTA-Ausbildung vor. Mit großer Mehrheit beschlossen die Mitglieder zudem eine Beitragserhöhung von zehn Euro monatlich.

Das Urteil des Bundessozialgerichts (BSG) zu Nullretaxationen veranlasse „zahlreiche Kassen geradezu, die zuerkannten Spielräume noch extensiver zu nutzen“, sagte der AVWL-Vorsitzende Dr. Klaus Michels. Dem will der Verband mit verschiedenen Maßnahmen begegnen. Schulungen und Fortbildungsangebote sollen vor allem Berufseinsteigern und Wiedereinsteigern helfen, die Fehlerquote zu senken. Der Verband will zudem über typische Fälle informieren und die Beratung der Mitglieder insgesamt ausweiten.

Bei Form-Retaxationen gibt es laut Michels mit den Primärkassen schon eine Einigung, wonach Retaxationen vertraglich begrenzt sind: Den Kassen wird nur der entstandene Schaden ersetzt. Es fehle aber eine sachgerechte Begrenzung von Retaxationen bei Nichtbeachtung von Rabattverträgen, so Michels. Das GKV-Versorgungsstärkungsgesetz biete einen neuen Ansatz, mit den Kassen eine Lösung zu finden.

Um unberechtigte Retaxationen zu verhindern, wird der AVWL zudem seine Retaxstelle verstärken. Öfter als bisher sollen solche Auseinandersetzungen „zum Gegenstand gerichtlicher und öffentlicher Auseinandersetzungen“ gemacht werden, heißt es.

Noch keine Einigung erzielt wurde bislang mit dem ARZ Haan. Der AVWL klagt gegen die Beschlüsse der Hauptversammlung der ARZ Haan AG über den Erwerb und die Einziehung der vom Verband gehaltenen Aktien. Der AVWL strebt nach eigenen Angaben dennoch eine einvernehmliche Lösung an. Hierzu sei jedoch eine unabhängige Unternehmensbewertung notwendig, stellte die Verbandsspitze klar.

Aus Sicht des Apothekerverbands wurde der Kurs zu niedrig bewertet: ARZ-Vorstand Siegfried Pahl hatte eine Abfindung von maximal 29,50 Euro je Aktie vorgeschlagen, insgesamt 13,4 Millionen Euro. Das passt aus Sicht des AVWL nicht zu früheren Aussagen über die Geschäftsentwicklung des Unternehmens.

Das Geld aus dem Verkauf der ARZ-Anteile kann möglicherweise kurzfristig eingesetzt werden, um die Finanzierung der neuen Geschäftsstelle abzulösen. Das Verbandshaus soll voraussichtlich im August bezogen werden, am kommenden Freitag ist Richtfest. Der AVWL hat sich aus Platzgründen entschieden, das gemeinsame Apothekerhaus mit der Apothekerkammer Westfalen-Lippe (AKWL) zu räumen.

Inhaltlich läuft die Zusammenarbeit gut: Gemeinsam mit der Kammer will der AVWL ein neues Modell der PTA-Ausbildung entwickeln. PTA-Schüler sollen dabei während der gesamten Ausbildung in den Apothekenbetrieb integriert werden. Die Apotheken sollen die Ausbildungskosten übernehmen. „Dies muss gemeinsam und solidarisch von allen Apothekenleitern getragen werden. Das ist Sache und Interesse des gesamten Berufsstandes“, sagte Michels. Die Ausbildung über fünf Semester soll für die Schüler kostenfrei sein.

Hintergrund ist der Rückzug des Landes Nordrhein-Westfalen aus der Finanzierung. Der Trägerverein der PTA-Fachschulen unterhält – nach Schließung der PTA-Fachschule in Minden – die Ausbildungsstätten in Siegen, Paderborn, Gelsenkirchen und Castrop-Rauxel, hat aber mit weiter rückläufigen Bewerberzahlen zu tun. Im laufenden Schuljahr sind laut AVWL nur 210 von 256 Ausbildungsplätzen besetzt. In den kommunal getragenen Schulen sehe die Lage nicht anders aus. Schon in den beiden nächsten Jahren drohten erhebliche Defizite.