Brandenburg

Lorenz: Gute Versorgung nicht zu Dumpingpreisen Julia Pradel, 26.09.2015 16:42 Uhr

Werder - 

Die Vorsitzende des Apothekerverbands Brandenburg (AVB), Dr. Andrea Lorenz, hat sich für eine regelmäßige Überprüfung und Dynamisierung des Fixhonorars ausgesprochen. Gute Versorgung könne es nicht zu Dumpingpreisen gebe, sagte sie bei einer Festveranstaltung zum 25. Jahrestag der Verbandsgründung – und nahm damit Bezug auf Protestmaßnahmen der Brandenburger Apotheker in der Vergangenheit.

Während die Verbandsarbeit der ersten Jahre davon geprägt gewesen sei, die nötigen Strukturen aufzubauen, sei inzwischen eine konsequente politische Interessenvertretung erforderlich. Jede Reform ziele darauf, die Kosten zu begrenzen, so Lorenz mit Blick auf die Freigabe der OTC-Preise, die Einführung des Versandhandels und die Filialisierung im Jahr 2004. Diese Entwicklungen hätten den Apothekenbereich sehr nachhaltig geprägt. Umso wichtiger sei es gewesen, dass der Europäische Gerichtshof das Fremd- und Mehrbesitzverbot bestätigt. „Aber das ist kein Grund, sich auszuruhen“, betonte Lorenz.

Der Beginn des dritten Jahrzehnts der Verbandstätigkeit sei von Licht und Schatten geprägt: Die Auswirkungen des AMNOG seien in jeder Apotheke spürbar gewesen. Gleichzeitig seien viele zusätzliche Aufgaben auf die Apotheken zugekommen, für die sie nicht adäquat entlohnt würden. Die Rabattverträge beispielsweise hätten dazu geführt, dass die Warenlager wuchsen und bei der Beratung von Patienten viel Mehrarbeit geleistet werde.

2012 machten die Brandenburger Apotheker ihrem Unmut Luft gemacht und gegen die aus ihrer Sicht zu niedrige Erhöhung des Fixhonorars und die Blockadehaltung der Krankenkassen bei den Verhandlungen zum Kassenabschlag protestiert. Mit der geringen Honoraranpassung ist Lorenz auch heute noch nicht zufrieden. Sie basiere auf einer Rechenmethodik, bei der die gesamten Rohertragssteigerungen abgezogen würden. „Dieses leistungsfeindliche Rechenmodell muss dringend korrigiert werden“, so Lorenz. Auch die Forderung nach einer regelmäßigen Überprüfung und Dynamisierung des Honorars bekräftigte sie.

Auch mit dem derzeitigen Entwurf des E-Health-Gesetzes ist Lorenz nicht zufrieden. Immerhin: Die Länder wollen die Apotheker stärker eingebunden sehen. Aus Lorenz Sicht zurecht, denn „nur in der Apotheke vor Ort laufen alle Informationen über die ärztliche Versorgung und die im Wege der Selbstmedikation erworbenen Arzneimittel zusammen“, erklärt sie. Da der Arzt für die Medikation verantwortlich sei, sei es zwingend, dass sowohl Arzt als auch Apotheke eine zentrale Rolle bei der Erstellung und Aktualisierung von Medikationsplänen spielten.

Die Staatssekretärin des brandenburgischen Gesundheitsministeriums, Almuth Hartwig-Tiedt (Die Linke), hat Lorenz da ganz auf ihrer Seite. „Ich bin der Meinung, dass den Apothekern bei der Erstellung und Aktualisierung des Medikationsplans und beim Medikationsmanagement eine wesentliche Rolle zukommt“, sagte Hartwig-Tiedt. Daneben – und neben den Hauptaufgaben Abgabe von Medikamenten und Beratung – sieht sie den Schutz vor Arzneimittelfälschungen und die Prävention als wesentliche Aufgaben der Apotheken. „Ich könnte mir vorstellen, dass sich Apotheker hier stärker engagieren, auch wenn sie nicht im Präventionsgesetz stehen.“

Aber auch die wirtschaftliche Situation der Apotheken hat Hartwig-Tiedt im Blick: „Die beste Apotheke nützt nichts, wenn sie sich wirtschaftlich nicht tragen kann“, etwa weil weniger Menschen in ihrem Einzugsgebiet lebten, die Arztpraxis schließe oder das nötige Fachpersonal fehle. Der drohende Fachkräftemangel ist der aus Sicht der Staatssekretärin besonders drängend, schon allein deshalb, weil in den kommenden Jahren die ausscheidenden Pharmazieingenieure durch Apotheker und PTA ersetzt werden müssten.

Die PTA-Schule in Eisenhüttenstadt zu erhalten und ihre dauerhafte Finanzierung aus Landesmitteln sicherzustellen, sei ihr daher „ein besonderes Anliegen“. Nicht überzeugt ist Hartwig-Tiedt hingegen von der Forderungen, einen Pharmaziestudiengang in Brandenburg zu etablieren. Aus ihrer Sicht ist es wichtiger, das Land als Arbeitsplatz attraktiv zu machen, sodass Menschen her und zurückkommen.