Novavax und Valneva

Vor- und Nachteile: Das Warten auf den Totimpfstoff Alexandra Negt, 25.11.2021 10:09 Uhr

  • Bald könnten die beiden Totimpfstoffe von Novavax und Valneva in der EU zugelassen werden. Foto: Oasisamuel/Shutterstock-com
Berlin -

Zwar bilden sich aktuell wieder Schlangen vor den Impfzentren, doch bei dem Großteil der durchgeführten Impfungen handelt es sich um Auffrischimpfungen. Viele von denen, die keine Impfgegner sind, aber trotzdem noch zögern, warten auf den Totimpfstoff als vermeintlich sicherere Variante. Die Kandidaten von Novavax und Valneva stehen kurz vor der Zulassung. Doch frei von Impfreaktionen sind auch die Totimpfstoffe nicht. Jedes Vakzin weist ein Nebenwirkungsprofil auf.

Nicht alle Bürger:innen, die bislang keine Impfung erhalten haben, sind gegen die Immunisierung. Sie misstrauen den neuartigen mRNA-Imfpstoffen und warten auf die Totimpfstoffe von Valneva und Novavax. Novavax hatte den Zulassungsantrag bei der EMA am 17. November eingereicht. Und auch der Impfstoffkandidat des französisch-österreichischen Herstellers Valneva könnte im Falle einer Zulassung in der EU zum Einsatz kommen – nach anfänglichen Verhandlungsschwierigkeiten wurde nun ein Liefervertrag über 60 Millionen Dosen mit der EU-Komission geschlossen.

Kurzabriss Wirkmechanismus

Bei Totimpfstoffen handelt es sich um Injektionen mit abgetöteten Viren. Diese Technologie ist seit langem bekannt und wird beispielsweise seit Jahrzehnten bei der jährlichen Entwicklung der Grippeimpfstoffe eingesetzt. Auch die Hepatitis-B-Impfung und die Immunisierungen gegen Diphterie, Polio, Pertussis und Tetanus basieren auf der Totimpfstoff-Technologie. Die abgetöteten Viren sind im Körper nicht mehr vermehrungsfähig, werden aber dennoch als pathogen erkannt und vom Immunsystem bekämpft.

Dadurch, dass Totimpfstoffe Teile oder ganze inaktivierte Erreger enthalten, wird ihnen nachgesagt, dass sie eine breitere Immunantwort im Körper auslösen, da der Körper nicht nur auf ein Strukturmerkmal (Spikeprotein bei mRNA-Impfstoffen) reagiert. Konkrete Daten in Hinblick auf die Corona-Impfung fehlen bislang.

Auch Totimpfstoffe haben Nebenwirkungen

Zu allen vier bislang zugelassenen Impfstoffen wurden Rote-Hand-Briefe verschickt. Bei den Vektorimpfstoffen von AstraZeneca und Janssen wurden seltene Thromboseformen als Nebenwirkung festgestellt. Bei den beiden mRNA-Impfstoffen von Biontech und Moderna kam es – primär bei Personen unter 30 Jahren – zu Herzmuskelentzündungen. Die Berichterstattung vor allem bei Vaxzevria führte dazu, dass die Bürger:innen das Vertrauen in die noch relativ neuartigen Vektorimpfstoffe verloren. Abgeänderte Altersgrenzen, mögliche Verunreinigungen und ein generell schlechterer Impfschutz führte dazu, dass Ärzt:innen diesen Impfstoff kaum noch verimpften.

Nebenwirkungsprofil vergleichbar

Doch auch Totimpfstoffe weisen Nebenwirkungen auf. Wie auch bei den mRNA- und Vektorimpfstoffen sind hier zunächst nur die unerwünschten Ereignisse bekannt, die im Rahmen der klinischen Studien aufgetreten sind. Seltene und sehr seltene Nebenwirkungen tauchen meist erst durch die breite Anwendung auf. So wurden beim Impfstoffkandidaten NVX-CoV2373 von Novavax, der nach der Zulassung den Namen Nuvaxovid tragen soll, im Rahmen der Studien unter anderem folgende Nebenwirkungen beobachtet: Kopf- und Muskelschmerzen, Müdigkeit und Reaktionen an der Einstichstelle. So grob betrachtet ähnelt das Nebenwirkungsprofil dem der mRNA-Impfstoffe.

Eines ist jedoch ganz klar: Umso länger jemand auf den Impfschutz wartet, desto höher ist das Infektionsrisiko für die Person. Auch das Risiko, andere Menschen durch eine unbemerkte Infektion anzustecken, steigt. Und je mehr Menschen ungeimpft bleiben, desto höher die Wahrscheinlichkeit für Mutationen, die unter Umständen infektiöser werden.

Biontech vs. Novavax

Schmerzen an der Einstichstelle
Biontech: Über 90 Prozent
Novavax: In den Studien über 75 Prozent

Kopfschmerzen und Müdigkeit
Biotech: Über 70 Prozent
Novavax: In den Studien rund 40 Prozent

Muskelschmerzen und Schüttelfrost
Biontech: Über 40 Prozent
Novavax: In den Studien rund 40 Prozent

Darüber hinaus kam es bei Comirnaty häufig (zwischen 1 und 10 Prozent) zu Übelkeit. Bei Nuvaxovid trat diese Nebenwirkung im Rahmen der Studien seltener auf. Ähnlich wie bei den mRNA-Impfstoffen scheinen Nebenwirkungen auch bei den Totimpfstoffen häufiger nach der zweiten Impfung aufzutreten.

Der Totimpfstoff von Novavax bietet mit 90 Prozent Wirksamkeit einen hohen Schutz gegen Corona aller Schweregrade. Die Immunisierung mit Nuvaxovid schützt darüber hinaus zu 100 Prozent vor schweren Verläufen.