Göttingen

Toter neben Apotheke: Prozessauftakt APOTHEKE ADHOC, 06.02.2017 13:51 Uhr

Berlin - 

Im August 2016 betritt ein Schwerverletzter die Marien-Apotheke in Göttingen, bricht zusammen und stirbt trotz sofort eingeleiteter Reanimationsmaßnahmen wenig später. Der Mann, der ihn getötet haben soll, steht ab morgen vor Gericht. Der 38-Jährige, der sich seit August in Untersuchungshaft befindet, muss sich nach Angaben des Landesgerichts Göttingen wegen Totschlags, schwerer räuberischer Erpressung und schweren Raubs verantworten.

Knapp zwei Wochen vor der Tat soll der Angeklagte eine Frau, die er offenbar durch gemeinsame Drogengeschäfte kannte, mit einem Messer bedroht und von ihr so 200 Euro erpresst haben. Noch an demselben Abend soll er die Frau erneut angegriffen, mit einem Rohr oder einem ähnlichen Gegenstand geschlagen und ihr anschließend 400 bis 450 Euro gestohlen haben.

Nachdem die Frau, die nun im Prozess als Zeugin fungiert, dem später getöteten K. von diesen Taten berichtet hatte, habe ihr K. zugesichert, sie zu beschützen, heißt es weiter in der Anklageschrift. Wenige Tage vor der Tat soll der Angeklagte K. in dessen Appartement aufgesucht und ihm gedroht haben. „Misch dich nicht in Geschichten ein. Ich habe es dir gesagt, ich stech' dich ab“, soll der 38-Jährige dem späteren Opfer erklärt haben. Sowohl der Beschuldigte als auch das Opfer waren der Polizei bereits aufgrund von diversen Straftaten bekannt.

Am Tag des Totschlags habe sich K. in den abendlichen Stunden zu Fuß auf den Weg in die Göttinger Innenstadt gemacht und sei in der Groner-Tor-Straße dem Angeklagten begegnet. Es folgte eine lautstarker Streit, bei dem K. seinem Gegner Pfefferspray ins Gesicht gesprüht hat, so die Staatsanwaltschaft. Daraufhin soll der Angeklagte mit einem Messer auf den Bauch von K. eingestochen und dessen Magen durchstochen haben.

Der 44-Jährige verstarb kurze Zeit später an den Folgen der Stichverletzung. Kurz vor seinem Tod tauchte er in der nahe gelegenen Marien-Apotheke von Karl-Heinrich Reimert auf. Der Mann sei einmal durch die Apotheke gegangen und habe sie durch einen Hinterhausgang wieder verlassen, berichtete Reimert, der zu dem Zeitpunkt nicht in der Apotheke war.

Im Treppenhaus desselben Gebäudes sei er schließlich zusammengebrochen. Trotz sofortiger Reanimationsmaßnahmen und der Alarmierung von Rettungskräften gelang es den Apothekenmitarbeiterinnen nicht, den Mann zu retten. Bevor er starb, konnte K. laut der Anklageschrift noch den Namen des Angeklagten nennen. Dieser wurde wenige Tage später gefasst und dem Haftrichter vorgeführt.

Auch die zur Tatzeit anwesenden Mitarbeiter der Marien-Apotheke sollen vor Gericht aussagen. Laut Reimert haben sie die Geschehnisse gut verarbeitet. „Ich habe natürlich alles in meiner Macht stehende gemacht, um sie dabei zu unterstützen“, versichert der Apotheker. Um die Privatsphäre der Mitarbeiter zu achten, wolle er sich nicht weiter zu der Tat äußern. Das Landgericht Göttingen hat allein im Februar drei Verhandlungstage angesetzt. Weitere sollen im März folgen.