Dermapharm/Fyta

Cannabis: Pharma- trifft Immobilien-Milliardär APOTHEKE ADHOC, 06.03.2019 11:00 Uhr

  • Selfmade-Milliardäre unter sich: Bei Fyta trifft Dermapharm-Chef Willi Beier auf die Immobilieninvestoren Uwe und Wolfgang Reppegather. Foto: GW Pharm

Berlin - Dermapharm steigt in das Cannabis-Geschäft ein und tut das nicht allein: Der Hersteller aus München hat einen Vertrag zur Beteiligung an verschiedenen Gesellschaften unter dem Namen Fyta mit Sitz in den Niederlanden und in Monheim abgeschlossen. Hinter der Gruppe stehen die Familien zweier schillernder Geschäftsmänner mit spannender Vergangenheit: Uwe und Wolfgang Reppegather. Wer sind die beiden?

Dermapharm ist nicht nur in der Geschäftswelt ein Begriff, sondern auch im Promijournalismus. Denn hinter dem Generikahersteller steht mit Willi Beier eine der schillerndsten Figuren der Branche: Der Selfmade-Milliardär bewohnt im Hochhaus „The Seven“ das teuerste Penthouse Münchens, veranstaltet in seinem schlossartigen Anwesen in Kitzbühel spektakuläre Silvesterpartys und segelt schon mal mit der eigenen Yacht zu Promihochzeiten am Mittelmeer.

So gesehen könnte die Chemie mit seinen neuen Geschäftspartnern durchaus stimmen. Denn die Reppegathers leben auf ähnlich großem Fuß, verbringen ihre Freizeit mit Schwergewichten wie Arnold Schwarzenegger und mieten für ihre Geburtstage jedes Jahr die Münchner Nobeldisco P1. Und auch über sie gibt es mehr Gerüchte als belegte Informationen. Anders als Beier sind die Reppegathers aber in der Pharmabranche bisher überhaupt nicht bekannt. Einen Namen machten sie sich nämlich bisher in einer ganz anderen Branche: Sie zählen zu Deutschlands schillerndsten Immobilieninvestoren.

Vor allem Uwe Reppegather geht ein Ruf als beeindruckende Gestalt voraus. Zwei Meter groß, gilt er als unkonventionell, zupackend und verlässlich. Schon durch ihren persönlichen Hintergrund stechen die Brüder aus der Masse heraus: Die 54- und 58-Jährigen entstammen nicht den erlauchten Kreisen einer Immobilien- oder Industriellendynastie, sondern kommen aus einfachen Verhältnissen – Arbeiterklasse, Provinz. Sie haben es mit Hauptschulabschluss zu Milliardären gebracht.

In Langenfeld, 60.000 Einwohner zwischen Köln und Düsseldorf, sind beide aufgewachsen. Mit 14 habe er den Wunsch verspürt, „so viel Geld zu verdienen, dass ich selbst entscheiden kann, wann ich aufstehe und was ich tue“, sagte Uwe Reppegather vor ein paar Jahren der Tageszeitung „Die Welt“ für ein Porträt über ihn. In der Schule lief es nach eigenen Angaben nicht so rosig und mit einer Ausbildung als Großhandelskaufmann in der örtlichen Spar-Großhandelszentrale ließen sich die großen Ziele auch nicht ganz so gut umsetzen. Als Gebrauchtwagenhändler ins Rotlichtmilieu soll es ihn danach verschlagen haben, erzählt man sich. Reppegather dementiert eher den Teil mit den Gebrauchtwagen, aber so richtig einlassen will er sich auf die Frage auch nicht.

1989 setzte er seinen Fuß das erste Mal ins Immobiliengeschäft. Mit den Ersparnissen der ersten Berufsjahre kaufte er damals ein Düsseldorfer Restaurant, das Casablanca. Der ganz große Sprung kam aber nach der Wiedervereinigung: Die beiden Brüder gehen Anfang der Neunziger in die neuen Bundesländer, um offene Vermögensfragen zu klären, und werfen ein Auge auf Restitutions- und Erbansprüche enteigneter Bürger. Sie kaufen Rückforderungsansprüche auf einst enteignetes Vermögen, Grundstücke und Häuser auf und reprivatisieren sie. Rund 200 Wohnungen haben sie so im ersten Jahrzehnt nach der Wende gekauft, saniert und wieder verkauft.

Doch dann zieht es die beiden wieder in die alte Heimat. Sie entdecken ein neues Betätigungsfeld für sich, das einträglicher ist und ihnen den ganz großen geschäftlichen Durchbruch bringt: Kaufhäuser in besten Innenstadtlagen. 1998 beginnt es mit einem H&M in Neumünster. Das Projekt wird zum Erfolg. Uwe und Wolfgang Reppegather gründen die Immobiliengesellschaft Centrum und bauen das Unternehmen zum „Marktführer in der Projektentwicklung im Bereich exponierter Einzelhandelsimmobilien mit großem Wertsteigerungspotenzial“ aus, wie sie es heute selbst bezeichnen.

Die Liste der Objekte liest sich wie ein Luxus-Reiseführer: Düsseldorfer Kö‘, Berliner Ku‘damm, Frankfurter Zeil, Münchner Leopoldstraße. Das Alexanderhaus am Berliner Alexanderplatz gehört ihnen seit 2017, im gleichen Jahr haben sie auch ein Gebäude der Alsterarkaden am Neuen Wall in Hamburg gekauft – eine teuerere Adresse findet man kaum in Deutschland. Das realisierte Volumen von Centrum beläuft sich nach eigener Darstellung auf über 4,5 Milliarden Euro. Das Portfolio ihrer Kunden liest sich wiederum wie ein Who is Who der großen Mode- und Einzelhandelsketten: H&M, C&A, Esprit, Mango, Koton, S.Oliver, Zara und dergleichen mieten ihre Räumlichkeiten.

Auf 1,2 Milliarden Euro schätzte das Wirtschaftsmagazin „Bilanz“ das Einkommen der beiden bereits 2015. Die Brüder sind aber nicht nur über Centrum miteinander verbunden, sondern auch über ein Geflecht aus Vermögensverwaltungs- und Beteiligungsgesellschaften, darunter Namen und Kürzel wie WR, JR oder eben Fyta – alle gemeldet in Monheim am Rhein.

Fyta gehört nun zu 20 Prozent Dermapharm; der Generikahersteller will mittels Partnerschaft mit dem Reppegather-Unternehmen in das Geschäft mit medizinischem Marihuana einsteigen. Vom Immobilien- ins Marihuanageschäft klingt erst einmal wenig naheliegend. Aber wenn die beiden neuen Partner eines in ihrem Leben bewiesen haben, dann, dass sie wissen, in welchem Business Geld zu holen ist.