Versandapotheken

Alter Ofen bremst Aponeo APOTHEKE ADHOC, 03.12.2016 09:59 Uhr

Berlin - Bei Bauarbeiten in Berlin wurde ein Massengrab aus dem 19. Jahrhundert entdeckt. Ganz so schlimm hat es die Versandapotheke Aponeo nicht getroffen. Doch bevor das neue Logistikzentrum errichtet werden kann, müssen noch einige Steine aus dem Weg geräumt werden, genauer gesagt: Antiquitäten. Bei den Bauarbeiten in Rudow bei Berlin wurde ein Ofen aus der Bronzezeit entdeckt.

Wirklich überraschend kam der historische Fund nicht: Schon bei den Bauarbeiten auf dem benachbarten Schulgelände sei das der Fall gewesen, berichtet Hartmut Deiwick, kaufmännischer Leiter bei der Versandapotheke.

Für Aponeo ist der Vorfall trotzdem ärgerlich: Jetzt sind die Archäologen vor Ort, die Baugenehmigung wurde nicht erteilt. Entsprechend kann auch die Anlage für das Logistikzentrum mit einer Fläche von 8000 m² nicht in Auftrag gegeben werden. Der eigentlich für Mitte 2017 geplante Start wird sich um mindestens ein Jahr verschieben.

Finanziell wird Aponeo beim Expansionskurs von dem britischen Finanzinvestor Marcol unterstützt, der beim neu gegründeten Logistikdienstleister Pharmahera eingestiegen ist. Pharmahera fungiert als Großhandel, der – nach dem Vorbild von Apotheke Zur Rose und Zur Rose Pharma – als Dienstleister aktiv werden soll. Die anonymisierten Aufträge werden weitergeleitet, von Pharmahera fertiggestellt und an Aponeo zurückgeschickt. Dort werden die Bestellungen verpackt und mit der Adresse des Empfängers versehen.



Im vergangenen Jahr erzielte Aponeo einen Umsatz von rund 44 Millionen Euro (plus 22 Prozent). Die Zahl der im Durchschnitt verschickten Pakete pro Tag stieg um 40 Prozent auf rund 4500. Die Zahl der Kunden lag zum Jahreswechsel bei 1,3 Millionen. Das größte Plus verzeichnet die Versandapotheke bei homöopathischen Präparaten.

Im Fokus stehen für das weitere Wachstum auch Kosmetik und Nahrungsergänzungsmittel. Sollte irgendwann das E-Rezept eingeführt werden, erhofft sich Aponeo auch eine Stärkung des Rx-Geschäftes. Dieses spielt derzeit nur eine untergeordnete Rolle und könnte durch das EuGH-Urteil weiter unter Druck geraten.

Da aktuell nur ausländische Versandapotheken Rx-Boni gewähren dürfen, sind deutsche Anbieter im Nachteil. Aponeo hat bereits angekündigt, notfalls einen Prozess anzustreben, um die „Inländerdiskriminierung“. Weil die weitere Entwicklung vollkommen offen ist, hat die Verzögerungen beim Bau des Logistikzentrums auch ihr Gutes. Vielleicht wandert man ja doch noch ab nach Holland.