Mometahexal

Aprilwetter stoppt Hexal nicht APOTHEKE ADHOC, 14.06.2018 07:50 Uhr

Berlin -

Im Herbst 2016 wurde Mometason aus der Verschreibungspflicht entlassen. Der OTC-Switch wurde zum Best Case – nach der Freigabe stieg die Abgabe in Apotheken deutlich. Profitiert hat vor allem Hexal. Mometahexal schaffte es als erstes verschreibungsfreies Produkt unter den topischen Allergieprodukten auf Platz 1.

Hexal hatte sich bereits 2014 auf den Switch vorbereitet. Im Januar kam das Spray als verschreibungspflichtiges Arzneimittel auf den Markt. Dann wurde der OTC-Switch vorbereitet, doch in Holzkirchen musste man fast zwei Jahre warten, bis Ministerium und Bundesrat den Antrag umsetzten. Umso erstaunlicher war es laut OTC-Chef Stefan Walk, dass die Konkurrenz zum Starttermin nicht bereit war. Nur Galen zog mit Momeallerg nach, GSK (Otri-Allergie, Fluticason) und Ratiopharm (Ratioallerg, Beclometason) waren erst zum Start der Saison im Frühjahr verfügbar.

Walks Team steckte von Beginn an viel Arbeit in das neue Nasenspray. Gleich zum Launch investierte der Konzern in eine großangelegte Werbekampagne, bestehend aus einem TV-Spot, Printanzeigen und Onlinewerbung. Apotheken erhielten als Zugabe Kühl- und Sonnenbrillen für Kunden. Vom Außendienst wurde das Produkt als „Power-Allergie-Spray“ beworben: Es sei besonders wirkstark, müsse nur einmal täglich angewendet werden, sei langzeitverträglich und mache nicht müde.

Außerdem gab es in ganz Deutschland Schulungen für Fachpersonal. Die Fortbildungen seien ein Schlüssel für den Erfolg gewesen, so Walk. In Apotheken habe es „Angst vor Empfehlungen“ gegeben, da es sich vormals um ein Rx-Produkt gehandelt habe. Für die Mitarbeiter gab es zehn Abendveranstaltungen mit jeweils 120 Teilnehmern, 4000 Inhouse-Schulungen sowie Onlinetrainings.

Mit einem knallig blauen Packungsdesign sollte das Produkt hervorstechen. „Die äußere Aufmachung wird nach wie vor von vielen Herstellern unterschätzt“, so Walk. Zugute gekommen sei Hexal außerdem, dass das Rx-Produkt zum OTC-Launch bereits Marktführer war. Auch der zeitliche Vorsprung habe den Erfolg beflügelt. „Wir wissen nicht, warum die anderen Firmen Mometason nicht auf dem Schirm hatten.“

Ein Jahr nach der Einführung lag der Marktanteil laut Iqvia bei 22 Prozent nach Apothekenverkaufspreisen (AVP). Aktuell kommt das Präparat der Holzkirchener Generikahersteller auf 24 Prozent; im Dezember lag der Anteil sogar bei 41 Prozent. 90 Prozent aller Apotheken haben das Präparat im Angebot.

Dahinter rangiert Momeallerg. Das Nasenspray von Galen kommt auf einen Marktanteil von knapp 15 Prozent, was ebenfalls ein beachtlicher Erfolg ist. GSK konnte mit Otri-Allergie nicht durchstarten – der Marktanteil liegt bei unter 5 Prozent. Aktuell läuft eine TV-Kampagne für das Fluticason-haltige Produkt. Ratioallerg hat es auf etwa 11 Prozent geschafft.

Auch die wegen des kühlen Wetters zunächst schwache Allergiesaison in diesem Jahr konnte Hexal nicht stoppen. Stattdessen gab es im April sogar einen Verkaufsrekord: „In KW 16 hatten wir zum ersten Mal in der Geschichte von Mometahexal in einer Woche fast 90.000 verkaufte Packungen“, so Walk.

Im Gesamtallergiemarkt liegt Mometahexal auf Platz 4 mit einem Anteil von 8 Prozent. Nur Cetirizin ADGC von KSK, Cetirizin Hexal und das Schwesterprodukt Lorano wurden in den zwölf Monaten bis April häufiger verkauft.

Das Heuschnupfenspray kann bei Erwachsenen zur Behandlung der Beschwerden einer saisonalen allergischen Rhinitis angewendet werden. Mit der Novelle der Arzneimittelverschreibungsverordnung waren Nasensprays mit Mometason zur symptomatischen nasalen Behandlung der saisonalen allergischen Rhinitis aus der Rezeptpflicht entlassen worden. Voraussetzung ist, dass die Erstdiagnose durch einen Arzt gestellt wird. Außerdem sind die Anwendung auf Erwachsene und die Tagesdosis auf jeweils 200 µg beschränkt.

Bei allergischem Schnupfen ist das Cortison bei pharmazeutischen Fachkräften ein Mittel der Wahl: Laut der APOSCOPE-Studie „Antiallergika 2018“ setzen Apotheker und PTA auf Mometason – etwa 74 Prozent der Befragten sprechen eine Empfehlung aus. Die Nase vorn hat demnach Mometahexal mit etwa 61 Prozent, gefolgt von MomeAllerg (22 Prozent) und Mometason Ratiopharm (19 Prozent). Den Anstieg des Abverkaufes nach dem OTC-Switch führen die Befragten mit etwa 60 Prozent auf eine bessere Wirksamkeit zurück. Etwa 57 Prozent sehen den Grund in der Therapietreue der Patienten, die bereits auf den Wirkstoff eingestellt sind. Denn die Patienten mit saisonaler allergischer Rhinitis (Heuschnupfen) können sich seitdem ohne Umweg zum Arzt direkt in der Apotheke bevorraten.