Österreich

Verband: Zu wenig Arbeitsplätze für Apotheker Eugenie Ankowitsch, 27.01.2017 07:55 Uhr

Berlin -

Der Verband angestellter Apotheker Österreich (VAAÖ) geht davon aus, dass die Zahl arbeitsloser Approbierter in Zukunft weiter steigen wird. Damit die meisten der angestellten Apotheker weiterhin einen Job bekommen, müssten die Tätigkeitsbereiche erweitert werden. Dennoch habe man in den vergangenen Jahren viel für seine Mitglieder erreichen können.

Während hierzulande händeringend sowohl Nachfolger für Apotheken als auch angestellte Approbierte gesucht werden, sorgt man sich im Nachbarland offenbar über die steigenden Arbeitslosenzahlen unter den Pharmazeuten. „Aufgrund des Outputs an den Universitäten und Zuzuges von ausländischen Apothekern kommt es zu wesentlich mehr Apothekern in Österreich“, sagte VAAÖ-Präsident Raimund Podroschko vor wenigen Tagen in einem Videoblog. „Selbst wenn wir den Level erhalten können, den wir jetzt haben, bekommen wir mehr arbeitslose Apotheker.“

Deshalb sollen Apotheker nach Ansicht von Podroschko, der auch Vizepräsident der Österreichischen Apothekerkammer ist, ihre Tätigkeitsbereiche erweitern. Eine Lösung sehen die Funktionäre in Kooperationen mit sogenannten Primary Healthy Care Centern, Alters- und Pflegeheimen, Gemeinschaftsarztpraxen oder mit Krankenkassen.

Fakt ist: Immer mehr österreichische Apotheker sind auf Jobsuche. Seit dem Jahr 2012 gibt es mehr Interessenten als offene Stellen. Nach Angaben der Kammer sind aktuell 168 Apotheker auf Jobsuche. Ihnen stehen 31 offene Stellen gegenüber. Im Januar 2016 erreichte die Zahl mit mehr als 180 arbeitssuchenden Pharmazeuten den Höchstwert.



Besonders dramatisch soll die Situation in Wien, der Steiermark und Niederösterreich sein, wo es deutlich weniger offene Stellen gebe als Interessenten. Auch in Tirol und Kärnten sei die Situation ernst. Mehr Stellen als Bewerber gab es vor einem Jahr nach Angaben der Apothekerkammer lediglich in Oberösterreich und Salzburg. Noch vor fünf Jahren hatten Apotheken in einigen Regionen Österreichs händeringend nach Approbierten gesucht.

Um Apotheker für die künftigen Aufgaben zu wappnen, will der VAAÖ mehrere Fortbildungsmöglichkeiten schaffen. So soll beispielsweise in einem ersten Schritt ein Postgraduiertenstudium an den drei staatlichen Universitäten eingerichtet werden. Laut Podroschko gibt es im Verband seit mehr als einem Jahr eine Arbeitsgruppe, die sich „intensiv mit dieser Thematik beschäftigt“. In ein bis zwei Semestern soll im Rahmen eines solchen Studiums beispielsweise ausführliche Kenntnisse über Medikationsmanagement vermittelt werden.

Außerdem werde ein Zertifikatskurs benötigt, bei dem Apothekern Kompetenzen auf den Gebieten wie Ökonomie, Pharmakogenetik und Triage erwerben können. Zudem soll nach Auffassung des Verbandes ein Masterstudium etabliert werden, mit dem sich Apotheker spezialisieren können. „Das ist dann aber das Minderheitenprogramm für diejenigen, die noch eine zusätzliche Master-Ausbildung machen möchten“.



Im Videoblog äußerst sich Podroschko positiv über die Arbeit seines Verbandes. „Wir konnten in den letzten fünf Jahren jedes Mal gute Gehaltsabschlüsse für unsere Kollegen erzielen“, sagte er. Wir sind jedes Mal über der Inflation gewesen, was einen Netto-Reallohnzuwachs bedeutet. Zuletzt habe man „die Machtdemonstration des Apothekerverbandes“ abwenden und eine Nullrunde für die VAAÖ-Mitglieder verhindern können. Die Verhandlungsrunde sei mit 1,3 Prozent Lohnzuwachs „gut abgeschlossen“ worden.

Auch die kleine und die große Inanpruchnahmegebühr, wie in Österreich die Notdienstgebühr bezeichnet wird, konnte laut VAAÖ-Präsident um 30 beziehungsweise um über 40 Prozent erhöht werden. „Am Samstagnachmittag bekommen unsere Mitglieder nun auch die Inanspruchnahmegebühr, was natürlich den Dienst sehr versüßt.“

Als Erfolg verbucht Podroschko die Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) zur Bedarfsplanung in Österreich. Zwar mussten in der Folge des Urteils einige Vorgaben gelockert werden, die Bedarfsplanung darf aber weiterhin bestehen bleiben. „Außerdem ist es uns aufgrund unserer guten Arbeit beim Ministerium gelungen zu verhindern, dass dm Arzneimittel abgeben darf“, sagte der VAAÖ-Chef.

Für 2017 gelte es das Arbeitszeitgesetz, dessen Neufassung vor einem Jahr in Kraft getreten ist, im Sinne aller Beteiligten umzusetzen. Außerdem will sich der Verband für eine Quote für angestellte Apotheker einsetzen. Damit soll einerseits die Qualität in den Apotheken gesichert und andererseits Arbeitsplätze für angestellte Apotheker erhalten und geschaffen werden.