Risikogruppen

SARS-CoV-2: Kein erhöhtes Risiko für Diabetiker APOTHEKE ADHOC, 07.03.2020 09:18 Uhr

  • Bislang sieht die DDG auch für Menschen mit Diabetes nicht mehr Gefahr, als bei einem herkömmlichen Grippevirus. Foto: Syda Productions/shutterstock.com

Berlin - Das neue Coronavirus SARS-CoV-2 soll vor allem für Menschen mit chronischen Grunderkrankungen eine Bedrohung darstellen, da es bei den Risikogruppen zu besonders schweren Verläufen kommen kann. Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) hat sich daher mit dem Thema befasst und aufgeklärt.

Nicht gefährlicher als das Grippevirus

Das neue Virus führt zu ähnlichen Symptomen wie die saisonale Grippe: Husten, Schnupfen, Halskratzen und Fieber sind die Leitsymptome, in einigen Fällen kam es auch zu Durchfall. „Da die Viruserkrankung in den meisten Fällen mild verläuft, sehen wir bislang auch für Menschen mit Diabetes nicht mehr Gefahr, als bei einem herkömmlichen Grippevirus“, erklärt DDG Präsidentin Professor Dr. Monika Kellerer.

Stabile Blutzuckereinstellung als Grundsäule

Wichtig für Patienten mit Diabetes ist der DDG zufolge vor allem eine stabile Blutzuckereinstellung, denn diese minimiere das Infektionsrisiko. „Auch im Falle einer Infektion mit dem bislang noch wenig erforschten Coronavirus SARS-CoV-2 gehen wir – analog zur Influenza – davon aus, dass man mit einem ausgeglichenen Stoffwechsel das Risiko für Komplikationen reduzieren kann“, betont DDG Mediensprecher Professor Dr. Baptist Gallwitz.

Neben der optimalen Blutzuckereinstellung sollen daher die Infektionsschutz-Maßnahmen des Robert-Koch-Instituts (RKI) eingehalten werden. „Auch hier empfehlen wir die allgemeine vom RKI empfohlene Vorsorge, die auch für die Influenza gilt.“ Darunter zählen die Husten- und Nies-Etikette, gründliches Händewaschen und Abstand zu anderen Menschen einhalten, um eine Ansteckung zu vermeiden.

Besondere Vorsicht bei Begleit- und Folgeerkrankungen

„Haben Diabetespatienten Begleit- und Folgeerkrankungen wie Herzkreislaufprobleme oder Organschäden, sollten sie aktuell jedoch besonders achtsam sein“, warnt Gallwitz. Denn bei einer Ansteckung mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 kann es aufgrund des geschwächten Immunsystems und bereits bestehenden Infektionen zu einem schwereren Krankheitsverlauf kommen. Das gelte auch für Menschen nach einer Organtransplantation mit immunsuppressiver Therapie. Große Menschenmengen, öffentliche Verkehrsmittel und Gebiete, in denen bereits bestätigte Krankheitsfälle bekannt sind, sollen vermieden werden.

Keine Lieferengpässe bei Diabetesmedikamenten

Angst vor bevorstehenden Lieferengpässen unter anderem bei Diabetesmedikamenten müssten Patienten nicht befürchten. „Diabetesmedikamente wie Insulin werden vorwiegend in Deutschland, USA, Dänemark, Frankreich, Großbritannien – nicht jedoch China – hergestellt“, berichtet Kellerer. Von einer Medikamentenknappheit für Diabetespatienten sei daher auch künftig nicht auszugehen. Die Ärztliche Direktorin rät daher davon ab, große Vorräte an Medikamenten und Utensilien, die über die Versorgung von einem Quartal hinausgehen, für sich selbst zu bevorraten.

Viele Wirkstoffe für andere Medikamente werden in Asien produziert, aufgrund der vorherrschenden SARS-CoV-2-Krise stehen in China derzeit vor allem in der Provinz Hubei die Maschinen still. Indien reagierte prompt auf Produktionsausfälle und gab Exportbeschränkungen für mehrere Wirkstoffe bekannt. Darunter befinden sich derzeit jedoch keine für die Diabetestherapie wichtigen Wirkstoffe, allerdings einige Antibiotika oder Analgetika. Sollte allerdings etwa Metformin auf die Liste aufgenommen werden, drohten massive Einschnitte.

Der Ausfall von Wirkstoffproduzenten aus China beschäftigt auch das BfArM: Aktuell gebe es keine jedoch keine Hinweise auf eine kurzfristige Einschränkung der Arzneimittelversorgung und keinen konkreten Handlungsbedarf aufgrund von Produktionsausfällen in der betroffenen Provinz Hubei in China. Angesichts der Ausbreitung des Coronavirus hat Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt an die Pharmabranche appelliert, Medikamente verstärkt auch in Europa zu produzieren.