„Seit heute morgen rufen non-stop Ärzte an“

3G am Arbeitsplatz: Ansturm auf Testzentren, Engpass bei Schnelltests Carolin Ciulli, 24.11.2021 13:06 Uhr

  • Apothekerin vermittelt Schnelltests: Mona Farhang spürt die sprunghaft gestiegene Nachfrage und erwartet steigende Preise. Foto: City Apotheke Ratingen
Berlin -

Die Nachfrage nach Antigen-Schnelltests ist mit dem neuen Infektionsschutzgesetz (IfSG) explodiert. Bei Apothekerin Mona Farhang klingelt das Telefon seit heute „nonstop“, wie die Inhaberin der City Apotheke Ratingen sagt. Besonders Ärzt:innen meldeten sich und fragten nach Schnelltests für ihre Angestellten. Auch in ihrem Testzentrum war heute Morgen angesichts der neuen 3G-Regel für Betriebe der Andrang groß.

Seit heute gilt das neue Infektionsschutzgesetz – ein zentraler Punkt sind die Testnachweise von Angestellten. Besonders streng sind die Vorgaben für Gesundheitseinrichtungen wie Praxen. Dort müssen Arbeitgeber, Beschäftigte und Besucher einen tagesaktuellen Antigentest vorlegen – unabhängig davon, ob sie geimpft oder genesen sind. „Seit heute Morgen rufen nonstop Ärzte an“, sagt Farhang. Die Praxen brauchten dringend Tests. Die Apothekerin versucht, die gestiegene Nachfrage zu bedienen.

Einkaufspreis teils bei 2,10 Euro

Farhang betreibt einen Großhandel und spürt, dass der Markt für Antigen-Schnelltests – sowohl für Laien als auch für Profis – angespannt ist. „Es gibt nicht genug Tests, das ist ein Problem“, sagt sie. Deshalb stiegen die Preise aktuell. „Und das wird noch viel mehr werden.“ Momentan lägen die Einkaufspreise für Laientests wieder bei über 1 Euro. „Zwischenzeitlich hatten wir 80 Cent pro Stück.“ Profitests seien noch teurer und kämen – je nach Hersteller – aktuell auf etwa 1,90 Euro, teilweise auch auf 2,10 Euro. „Vor einer Woche waren wir noch bei 1,10 Euro.“

Kund:innen berichten von Supermärkten, in denen die Tests mittlerweile für 13 Euro angeboten werden – nachdem sie vor Kurzem noch für 3 Euro zu haben waren. Auch die Drogeriekette dm, die im Sommer Schnelltests für unter 1 Euro verramschte, hat mittlerweile Probleme, überhaupt noch Ware in den Filialen anzubieten.

Die Apothekerin ist zuversichtlich, dass sie die Nachfrage bedienen kann. „Ich kann noch Ware besorgen, weil ich meine Strukturen aufrechterhalten habe.“ Sie lässt die Tests importieren und versorgt 400 Pflegeeinrichtungen mit den Diagnostika. Doch leicht sei die Beschaffung nicht, räumt sie ein. Die Nachfrage stellt sie in den vergangenen Wochen vor Herausforderungen. „Ich komme teilweise erst um 2 Uhr nachts ins Bett, weil ich nach Ware suche.“

Auch wenn sie ihre eigenen Testzentren und andere Einrichtungen die vergangenen Monate weiter mit Schnelltests versorgt habe, müssten die plötzlich sprunghaft gestiegenen Bestellungen organisiert werden. „Alle brauchen plötzlich Tests.“ Die Pflegeeinrichtungen etwa hätten im März und April wöchentlich noch 80.000 Tests angefragt. Dann sei die Zahl seit August auf 20.000 pro Woche gesunken. „Vor zwei Wochen wurden allein für Sachsen für einen Tag 30.000 Stück benötigt.“ Jetzt seien es insgesamt zwischen 200.000 und 250.000 Stück pro Woche. „Das ist der Wahnsinn.“

Andrang in Testzentrum

Auch in ihrem Testzentrum in Bonn war heute Morgen mehr los als sonst. Zwischen 7 und 8 Uhr seien 87 Menschen getestet worden – doppelt so viel wie noch zuvor. „Das wird in den nächsten Tagen noch boomen“, erwartet Farhang. Denn die Teststelle befindet sich in einem Industriegebiet und verfüge über einen Drive-Inn-Schalter. „Ich bin am Überlegen, weitere Standorte zu öffnen und habe es dem Gesundheitsamt schon vorgeschlagen.“

Farhang ist in den vergangenen Monaten eine der Apotheker:innen gewesen, die ihr Testangebot aus Überzeugung nicht komplett eingestellt hat – auch wenn die Zahlen teilweise deutlich zurückgegangen sind. „Ich habe meinen Mitarbeitern gesagt, sucht euch bitte keinen neuen Job und bleibt bis Weihnachten. Auch wenn das Geschäft dadurch wirklich teilweise defizitär war.“ Die Teststrategie sei eine der wichtigsten Säulen in der Pandemiebekämpfung, ist sie überzeugt. Die Schnelltests ermöglichten, „die Gefahr“ schnell zu erkennen und die betroffenen Personen zu isolieren. Zudem engagiert sie sich, ein Impfangebot in Kooperation mit Ärzt:innen aufzubauen. Dazu habe sie Vorschläge bei der Stadt Ratingen eingereicht und wartet aktuell auf Rückmeldung.