Karriere

PTA im Ausland: Die Vorbereitung zählt Nadine Tröbitscher, 25.10.2017 10:25 Uhr

Berlin - 

Arbeiten, wo andere Urlaub machen oder einfach nur weg – Gründe für eine Auswanderung gibt es viele. Auch PTA können im europäischen und internationalen Raum Fuß fassen und einen Job finden. Jedoch kann die romantische Vorstellung vom Arbeiten im Ausland auch in einer Enttäuschung enden. Jutta Brielich von der Apothekengewerkschaft Adexa klärt auf und steht den Mutigen mit Rat zur Seite.

Spontan auswandern und dann erst einen Job im Ausland suchen, ist mutig und kann klappen. Wer nicht auf den Sprung ins kalte Wasser, sondern auf Vorbreitung setzt, ist bei Jutta Brielich richtig. Die PTA ist Mitglied des Vorstandes der European Association of Pharmacy Technicians (EAPT) und neben der Arbeit für den Verband der PTA in Europa auch für die Adexa tätig. Mehr als 20 Jahre ist Brielich schon in dem Thema aktiv und betreut PTA, die sich im Ausland neu orientieren und aufstellen wollen. Die PTA in Europa hat unterschiedliche Aufgaben und Rechte. Brielich weiß: Der Weg ist nicht leicht und sollte gut durchdacht und vorbereitet sein. Dann kann der große Traum im Glück enden.

Die PTA ist selbst viel gereist und hat viel im Ausland gearbeitet – aber nie in ihrem erlernten Beruf. „Es lohnt sich nicht für kurze Zeit, denn auch im Ausland ist der Beruf der PTA reglementiert und der Aufwand, einfach mal drei Monate in einem anderen Land zu arbeiten, zu groß.“ Außerdem kostet der Schritt Geld. PTA benötigen eine Anerkennung ihrer Berufserlaubnis im jeweiligen Wunschland und sie müssen einen Sprachtest absolvieren. Die Anerkennung kann zudem mehrere Monate in Anspruch nehmen. Auch wenn es vor 20 Jahren noch komplizierter war, ist die Berufsanerkennung auch heute nicht einfach, erzählt Brielich. Unter Umständen muss noch eine PTA-Schule besucht werden.

Bevor die Reise losgeht, sollten PTA sich „erst einmal erkundigen, ob es den Beruf im Traumland überhaupt gibt und die Chance auf eine Stelle besteht“. Brielich rät, sich die Frage zu stellen: „Finde ich jemanden, der mich einstellt?“ In Italien, Griechenland, Österreich und der Schweiz gibt es den Beruf gar nicht. In Österreich beispielsweise gibt es eine Mischform aus PKA mit etwas pharmazeutischer Expertise. Man sollte also nicht allzu blauäugig an die Sache herangehen und um die nationalen Gegebenheiten wissen. Neben der Ausbildung an sich ist zudem die Sprache des Ziellandes das A und O.

Beliebte Ziele sind England, Frankreich, Dänemark und Belgien – Grenzländer, deren Sprachen bereits in der Schulzeit erlernt wurden. „Nach Finnland geht vielleicht eine PTA in zwei Jahren“, erzählt Brielich. Nach England zu gehen, ist für die PTA angesichts des Brexit aktuell nicht empfehlenswert. „Man weiß nicht, was wird. Im schlimmsten Fall ist eine Ausweisung möglich.“

England und Irland haben ohnehin schon viele PTA enttäuscht. „Die Arbeit hatte in vielen Fällen nicht viel mit dem zu tun, was hier erlernt wurde und den Beruf ausmacht.“ PTA sind meist Verkäuferinnen in der großen Drogerieabteilung oder Kassiererinnen an der Check-Out-Kasse der großen Ketten. Vergleichbar ist die Arbeit in Deutschland mit Ungarn, dort spielen auch Rezepturen im Apothekenalltag eine Rolle. In Dänemark gibt es landesweit nur zwei Apotheken, die Individualrezepturen herstellen, erzählt Brielich.

Im Übrigen sei die Bezahlung in Irland eine „Katastrophe“. In anderen europäischen Ländern bestünden keine Tarifverträge und PTA müssten das Gehalt selbst aushandeln. Einzig Dänemark sei finanziell attraktiv. Der Wunsch, im Ausland mehr Geld zu verdienen, wird also schnell relativiert. Enttäuschungen weiß Brielich auch aus Portugal zu berichten: Arbeiten unter der Sonne hat auch seine Vorzüge, aber die dreistündige Siesta hat schon für einige Kolleginnen zum Genickbruch geführt.

Warum also dann auswandern? Gründe gibt es viele, oft gibt es Freunde oder Verwandte im Ausland oder man hat sich im Urlaub in Land und Leute verliebt. Auch wenn PTA im Ausland keine große Karriere in der Apotheke machen können oder viel Geld verdienen können, stehen ihnen dennoch die Türen in die Industrie oder das Krankenhaus offen. Vor allem in Krankenhäusern können PTA sich hocharbeiten und Verantwortung übernehmen. „Viele PTA haben eine tolle Zeit im Ausland und meistens klappt es schon irgendwie.“ Am Ende gehört neben der Vorbereitung und dem Mut aber auch viel Glück dazu.

Der EAPT ist eine gemeinnützige Vereinigung, die PTA unterstützt und informiert, wie sie in den Mitgliedstaaten Kroatien, Tschechien, Dänemark, Finnland, Frankreich, Deutschland, Ungarn, Irland, Norwegen, Portugal, Serbien, Slowenien, Schweden und England den Beruf ausüben zu können.

Zur Einordnung der Qualifikation des deutschen Bildungssystems gibt es in Europa den deutschen Qualifikationsrahmen (DQR). Gegliedert ist das System in acht Niveaus, die dem Europäischen Qualifikationsrahmens (EQR) zugeordnet werden können, so kann die Ausbildung mit der des jeweiligen Landes transparent verglichen werden. PTA und PKA werden dem DQR-Niveau 4 zugeteilt.