Traumjob gestorben

Lieber Zugbegleiter als PKA Silvia Meixner, 01.12.2017 10:17 Uhr

Berlin - Als Felix Bornkessel 2013 seine PKA-Ausbildung machte, war er der einzige Azubi in Thüringen. Der Letzte seiner Art. Mit Apotheke hat er nichts mehr am Hut: Jetzt ist er Quereinsteiger bei der Deutschen Bahn, unterwegs als Zugbegleiter. Als PKA möchte er nicht mehr arbeiten. Fazit für die Branche: Noch ein PKA weniger...

„Nach der Ausbildung in der Krankenhausapotheke der Medinos-Klinik in Sonneberg bin ich nach Nürnberg gezogen und habe in einer öffentlichen Apotheke gearbeitet“, erzählt der 24-Jährige. Schon während der Ausbildung war für ihn klar gewesen, dass er nicht übernommen werden würde, da es keine freie Stelle gab.

In der öffentlichen Apotheke wandelte sich der Traumberuf allerdings binnen kurzer Zeit in einen Albtraum. „Ich wurde nach einem Jahr übernommen und sollte in der Heimversorgung arbeiten. Aber es gab keine strukturierte Einteilung, alles ging drunter und drüber, es gab viel Stress und ein sehr unerfreuliches Arbeitsklima“, erinnert er sich. Dazu „Überstunden ohne Ende“. Die wurden zwar bezahlt, aber irgendwann wurde es dem PKA zu viel.

„Ich erkrankte im Herbst 2013 an schwerer Bronchitis und kam mit Verdacht auf Lungenentzündung ins Krankenhaus“, erzählt Bornkessel. Als er nach drei Tagen wieder nach Hause kam, lag die fristlose Kündigung im Briefkasten. „Ohne Angabe von Gründen, ich war noch in der Probezeit. Gesprochen hat mir mir niemand darüber.“ Zwei Monate bewarb er sich um die raren freien PKA-Stellen in seiner Stadt. Ohne Erfolg: „In Nürnberg wurden zu dem Zeitpunkt keine PKA gesucht, ich bekam nur Absagen.“ Der 24-Jährige zog die Notbremse und bewarb sich bei der Bahn.

Die sucht immer talentierte Quereinsteiger. „Ich trete in meines Vaters Fußstapfen, er hat auch bei der Bahn gearbeitet.“ Er entschied sich für das Quereinstiegs-Programm und ließ sich zum Zugbegleiter ausbilden. „Man lernt in zweieinhalb Monaten den Stoff von drei Jahren“, sagt er. Eine anstrengende Zeit. Er hat alle Abschlussprüfungen bestanden. „Seit 3. Juni bin ich bundesweit unterwegs.“ Berlin, Ruhrpott, Hamburg, Bremen, München, manchmal fährt er auch nach Basel. „Bei manchen Schichten hat man am Zielort eine längere Pause oder Übernachtung. Für Sightseeing bleibt nur manchmal Zeit, oft hat man nur eine halbe Stunde und fährt gleich wieder zurück.“

Parallelen zu seinem alten Beruf sieht er nicht. Sein neuer Beruf macht ihm Freude: „Ich vermisse nichts.“ In stressigen Situationen behält er die Nerven: „Ich gehe es entspannt an“, ist seine Devise. Als PKA an Kommunikation mit Kunden gewöhnt, hat er stets eine freundliche Lösung parat, wenn es Probleme gibt. „Wenn ein Fahrgast zum Beispiel wegen Verspätungen genervt ist, gebe ich ihm einen Kaffee aus“, sagt er. Kleine Dinge wirkten oft Wunder.

Die Bezahlung bei der Bahn ist besser als in der Apotheke. „Je nach Monat und Schicht habe ich 400 bis 500 Euro netto mehr im Monat. Und die Arbeit macht mehr Spaß.“ Aus heutiger Sicht zieht er sachlich Bilanz: „Es war einfach die falsche Apotheke.“

Die Ausbildung zum PKA wählte er, nachdem er sich als Schüler über informationstechnische Berufe informiert hatte. „Ich habe mir auch die medizinischen Bereiche angeschaut und ein Praktikum in der Apotheke gemacht.“ Danach entschied er sich für die PKA-Ausbildung in Thüringen, dort war er 2013 der einzige gemeldete Azubi. Für den Unterricht musste Felix Bornkessel ins bayerische Bamberg fahren. Damals sagte er: „Der Vorteil für mich ist, dass männliche PKA Mangelware sind. Gerade in Krankenhausapotheken ist die tägliche Arbeit oft mit Packen und Entpacken schwerer Kisten verbunden.“

Eineinhalb Jahre nach einer Bewerbung meldete sich schließlich eine Apotheke, die ihm einen Job anbot. Zu spät, der Zug war längst abgefahren. Bornkessel hat seine Entscheidung, den Beruf zu wechseln, bislang keine Sekunde lang bereut: „Ich habe mich richtig entschieden“, sagt er.

Bei der Bahn sei es schön und außerdem habe er gute Karrieremöglichkeiten: „Ich kann mich zum Beispiel Zugchef weiterbilden oder zum Lokführer. In zwei Jahren möchte ich Zugchef sein. Und später könnte ich mir vorstellen, Trainer zu werden.“ Dann bildet er den Bahn-Nachwuchs aus. Passend zum neuen Beruf hat Bornkessel auch das ideale Hobby: Modellbahn, was sonst. „Meine Bahn steht in meinem alten Kinderzimmer in meinem Elternhaus.“ Er ist Mitglied im Nürnberger Modellbauverein. Mehr Bahn geht nicht.