Repetitorium Erkältungsmittel

Risiko hypertensive Krise Nadine Tröbitscher, 29.12.2016 13:12 Uhr

Berlin - Wechselnde Temperaturen und nasskaltes Wetter können Auslöser für Erkältungen sein. Verstopfte Nase, Kopf- und Gliederschmerzen oder Abgeschlagenheit lassen Betroffene schnell zu Komplexmitteln greifen, um den Arbeitstag zu überstehen. Oft werden diese mit einem abschwellenden Nasenspray kombiniert, davon ist jedoch abzuraten.

Fall: Ein Kunde klagt über eine verstopfte Nase sowie Kopf- und Halsschmerzen. Die ersten Anzeichen der Erkältung wolle er gleich im Keim ersticken, schließlich müsse er arbeiten und fit sein. Krank zu Hause zu bleiben, sei nicht möglich. Er habe schon für die Nacht ein abschwellendes Nasenspray benutzt, sonst hätte er keine Luft bekommen. Heute morgen startete er mit einer Schmerztablette in den Tag.

In der Werbung habe er verschiedene Kombinationspräparate gesehen, die seine Beschwerden nehmen sollen. Die Kombination aus Ibuprofen und Pseudoephedrin möchte er gerne kaufen, um schnell wieder gesund zu werden. Ein chemisches abschwellendens Nasenspray brauche er auch noch, das andere sei jetzt leer. Salzlösungen würden nicht helfen.

Analyse: Kombinationsmittel versprechen eine Linderung der Erkältungssymptome. Fieber, verstopfte Nase und erkältungsbedingte Schmerzen sollen gelindert werden. Ibuprofen und Pseudoephedrin sind von verschiedenen Herstellern erhältlich und eine beliebte Kombination.

Ibuprofen zählt zu den nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR) und wirkt schmerzlindernd, entzündungshemmend und fiebersenkend. Der Wirkstoff hemmt nicht-selektiv die Cyclooxigenasen I und II (COX-1 und -2) und vermindert somit die Produktion von Prostaglandinen, die Entzündungen vermitteln. Besonders die Prostaglandine, die aus der Arachidonsäurekaskade entstehen, verstärken Entzündungen und die Schmerzwahrnehmung. Die Halbwertszeit beträgt etwa zwei bis drei Stunden. Zu den häufigsten Nebenwirkungen zählen gastrointestinale Beschwerden.

Pseudoephedrin ist ein indirektes Sympathomimetikum und wirkt stimulierend. Der Wirkstoff kommt in Erkältungsmedikamenten in Kombination mit Ibuprofen oder Acetylsalicylsäure zum Einsatz. Pseudoephedrin schüttet verstärkt Katecholamine aus und hemmt deren Wiederaufnahme. Die Folge ist eine Gefäßverengung und eine abschwellende Wirkung auf die Nasenschleimhäute. Das „Nasenspray zum Einnehmen“ ist jedoch in seiner Wirkung schwächer als ein lokal angewendetes Nasenspray. Die Halbwertszeit beträgt etwa 9 bis 16 Stunden. Nebenwirkungen können Herzrasen, Blutdruckanstieg oder Unruhe sein.

Die Einnahme der Kombinationspräparate ist ab 15 Jahren zulässig, je nach Stärke der Symptome können alle sechs Stunden zu ein bis zwei Tabletten eingenommen werden. Die Tageshöchstdosis liegt bei sechs Tabletten, entsprechend 1200 mg Ibuprofen und 180 mg Pseudoephedrin. Die Anwendung ist auf maximal fünf Tage begrenzt.

 

Abschwellende Nasensprays können die chemischen Wirkstoffe Xylometazolin oder Oxymetazolin enthalten. Die Sympathomimetika wirken gefäßverengend und lassen die Nasenschleimhäute durch Wirkung auf die Alpha-Adrenozeptoren abschwellen. Die Sympathomimetika stimulieren auch Beta-Rezeptoren, die einen gefäßerweiternden Effekt auslösen – die Gefäßverengung überwiegt jedoch. Die Atmung ist erleichtert und die Sekretion nimmt ab. Präparate sind als Tropfen oder Spray erhältlich. Die Wirkung tritt schnell ein und hält bis zu zwölf Stunden an. Oxymetazolin wird laut Hersteller zusätzlich eine antivirale und entzündungshemmende Wirkung zugeschrieben.

Die Produkte können ein- bis dreimal täglich über einen Zeitraum von maximal sieben Tagen angewendet werden, um eine Abhängigkeit zu vermeiden. Werden die Präparate über diesen Zeitraum hinaus angewendet, kann eine Rhinitis medicamentosa die Folge sein. Sie äußert sich in einer chronischen Schwellung der Nasenschleimhäute. Betroffene nutzen weiter das abschwellende Spray und geraten in einen Teufelskreis.

Kommunikation: Liegen keine Grunderkrankungen wie zum Beispiel Asthma, Hypertonie, gastrointestinale Störungen wie Ulzera, Engwinkelglaukom, Nierenfunktionsstörungen oder Diabetes vor, kann das Kombinationspräparat angewendet werden.

Die Einnahme von anderen Medikamenten wie etwa blutverdünnenden Arzneimitteln, Methylphenidat, Digoxin, anderen NSAR, Methotrexat oder kaliumsparenden Diuretika sollte ausgeschlossen werden.

Der Kunde ist auf das Risiko einer akuten hypertensiven Krise hinzuweisen, wenn er das abschwellende Nasenspray und das Erkältungsmittel zusammen anwendet. Eine hypertensive Krise ist ein plötzlicher Blutdruckanstieg auf Werte von 230/130 mmHg. Ursache kann die Verstärkung der Vasokonstriktion durch Nasenspray und Pseudoephedrin sein.

 

Therapie: Ist der Kunde von dem Kombinationsmittel und dem Spray nicht abzubringen, sollte ihm ein Einnahmeschema mitgegeben werden. Die Tabletten können am Morgen und Mittag eingenommen werden und das Nasenspray zur Nacht.

Zu bedenken ist ebenfalls die lange Halbwertszeit von Pseudoephedrin, die weit über der von Ibuprofen liegt. Wird die Kombination noch am Abend eingenommen, kann die anregende Wirkung anhalten und das Einschlafen erschweren. Die Einnahme von anderen Schmerzmitteln ist ebenso zu untersagen, lediglich zur Nacht kann zum Beispiel Ibuprofen oder Paracetamol als Monopräparat eingenommen werden, wenn das Kombinationsmittel ausgesetzt wird.

Der Kunde kann auch auf ein Schmerzmittel ohne Kombination, ein abschwellendes Nasenspray und ein Halsschmerzmittel umgestellt werden. Dies ist anzuraten, da keine Verstärkung der Nebenwirkungen zu erwarten und die abschwellende Wirkung des lokal angewendeten Arzneimittels stärker ist. Gegen die Halsschmerzen können Lutschtabletten, Sprays oder Gurgellösungen empfohlen werden.

Die einzelnen Beschwerden sollten gezielt abgefragt und behandelt werden. Bei Kombinationspräparaten werden oftmals die Symptome erschlagen, jedoch setzt keine Heilung ein. Sie können helfen um sich über den Tag zu retten, bergen jedoch auch Gefahren.