Schlechte Zahngesundheit

Jedes dritte Kind hat Karies dpa/APOTHEKE ADHOC, 29.05.2020 14:04 Uhr

Viele Kinder haben Karies in den bleibenden Zähnen. Das geht aus einem Bericht der Barmer hervor. Bisher ist man von weniger Fällen ausgegangen. Foto: Victoria 1/ Shutterstock.com
Berlin - 

Ein Drittel der Zwölfjährigen in Deutschland hat Karies in den bleibenden Zähnen. Das geht aus einer Studie der Krankenkasse Barmer hervor. Der „Zahnreport“ berichtet demnach von 240.000 Kindern mit einer Karies-Behandlung im Jahr 2018 – das seien deutlich mehr, als bislang angenommen. Eine geeignete Zahnpflege und eine regelmäßige Kontrolle der Putzleistung durch Zahnarzt und Eltern kann Löcher in den Zähnen vermeiden.

Mehr Kinder und Jugendliche als gedacht haben Karies, das geht aus einem Bericht der Barmer hervor. „Studien sind bislang von ungefähr 19 Prozent der Zwölfjährigen ausgegangen“, sagte Vorstandschef Christoph Straub am Donnerstag. Die Zahlen basierten auf Krankenkassendaten von über neun Millionen Patienten. In der Studie ist unter anderem der Anteil der Zwölfjährigen mit keiner Kariesbehandlung ermittelt worden. Schlusslicht in dieser Rubrik ist Hamburg: Etwa 60 Prozent der Zwölfjährigen haben dort noch keine Kariesbehandlung gehabt. Im Saarland sind es knapp 70 Prozent.

Warum so viele Kinder Karies haben, darüber könne man nur spekulieren, sagt Michael Walter, Direktor der Dresdner Poliklinik für Zahnärztliche Prothetik bei der Vorstellung der Ergebnisse. Womöglich spielten eine veränderte Ernährung eine Rolle oder dass manche Bevölkerungsgruppen nur schwer für Zahngesundheit erreicht werden könnten. Bei benachteiligten Familien sehe man einen Trend zur Vernachlässigung des Zahnschutzes, fügte Straub hinzu. Es komme zudem zu einer Polarisierung: „Wenige Kinder und Jugendliche haben besonders viel Karies“, sagt Straub. Bei den Jugendlichen und Kindern unter 18 Jahren haben demnach 10 Prozent einen Anteil von 70 bis 90 Prozent an den Gesamtleistungen. Die Probleme seien bereits in den ersten Jahren zu verorten – mehr als 15 Prozent der unter Sechsjährigen waren laut der Studie noch nie beim Zahnarzt.

Auch jüngere Kinder haben dem Bericht zufolge bereits Probleme mit Karies: Mehr als die Hälfte der Zehnjährigen – rund 400.000 Kinder – hat schon eine Kariesbehandlung im Milchgebiss hinter sich. Das verursache nicht nur teils starke Schmerzen, sondern führe oft auch zu Problemen an den bleibenden Zähnen, erläutert Walter.

Früh beginnen – Mundpflege bei Babys

Fangen Eltern frühzeitig mit der Mundhygiene an, so kann die spätere Bereitschaft des Kindes zum Zähneputzen positiv beeinflusst werden. So kann ein Auswischen der Mundhöhle mit einem feuchten Tuch bereits vor dem Zahnen erfolgen. Kommt es zum Durchbruch des ersten Zahnes, so hat das Baby häufig Schmerzen. Ein Beißring, der gekühlt werden kann, kann die Beschwerden lindern. Die Gabe von Globuli oder das Einreiben des Zahnfleisches mit einem leicht betäubenden Gel kann ebenfalls Abhilfe schaffen.

Wenn das Kind ein halbes Jahr alt ist, kann über die Verwendung einer fluoridhaltigen Kinderzahnpasta (500 ppm) oder der täglichen Einnahme einer Fluoridtablette nachgedacht werden. Für die Zahncremedosierung gilt: Bei Säuglingen nur eine hauchdünne Schicht auf das markierte Borstenfeld auftragen; bei Kleinkindern darf es eine erbsengroße Menge sein.

Zahnpasta speziell für Kinder

Zahnpasta für Kinder sollte einen angepassten Fluorid-Gehalt aufweisen. Darüber hinaus sind die Cremes für die Kleinen meist milder im geschmack und enthalten wenig bis kein Minzaroma. Doch es geht auch ganz ohne Fluorid. Dr. Wolff hat seit Oktober letzten Jahres mit Karex Kinder Zahnpasta einen fluoridfreien Kariesschutz auf dem Markt. Das Pendant für Erwachsene gibt es bereits seit März 2017. Karex Kinder Zahnpasta enthält Hydroxylapatit, eine zahnverwandten „biometrische“ Substanz, die den Zahnschmelz schützen und reparieren soll. Das Produkt kann bereits ab dem ersten Zahn angewendet werden, auch wenn Kinder noch nicht richtig ausspucken können. Die Altersempfehlung liegt bei Kindern von 0 bis 12 Jahren. Dr. Wolff verweist auf eine im März 2017 vorgestellte klinische Studie, die erstmals den Beweis erbracht habe, dass Karex gleichermaßen vor Karies schützen könne wie etablierte Produkte mit Amino- oder Zinnfluorid.

Detektor-Tabletten

Verschiedene Hersteller, darunter Gum, TePe und Curaprox, führen spezielle Färbetabletten zur Überwachung und Kontrolle des Putzverhaltens. Diese Kautabletten färben Zahnbeläge ein. Dabei verfärbt sich ältere Plaque blau, neuere rosa bis pink. Für den Plaquetest lassen Erwachsene eine Tablette im Mund zergehen. Kinder zerbeißen eine halbe Tablette und verteilen sie mit etwas Speichel im Mundraum. Nach der Anwendung lassen sich die Einfärbungen durch Zähneputzen einfach entfernen. Der Plaquefinder von Curaprox detektiert Rückstände nach folgendem Farbprinzip: Nach ungefähr 30 Sekunden Kauen färbt die Tablette alte Plaque (älter als zwölf Stunden) blau und neu gebildete Plaque rot. Das Produkt ist Erythrosin-frei (E127).

Nach Infektion Zahnbürste wechseln

Nach einer Erkältung oder Grippe sollte eine neue Zahnbürste genutzt werden. So könne man verhindern, dass Keime, die noch zwischen den Borsten stecken, erneut in den Mundraum gelangen und zur Wiederansteckung führen könnten. Dazu rät der Verband Deutscher Zahnärzte. Leider beherzigen laut Angaben der Zahnärzte die wenigsten diesen Tipp.

Karies & Co. als Auslöser für weitere Erkrankungen

An kaum einem anderen Ort unseres Körpers tummeln sich mehr Bakterien als in der Mundhöhle. Wird die Zahnreinigung vernachlässigt, werden diese nicht mehr in Schach gehalten. In der Folge können Entzündungen entstehen, die zunächst Zähne und Zahnfleisch betreffen und dann über Nervenbahnen und Blutgefäße in den Körper wandern. Der Zusammenhang zwischen Zahnhygiene und einer Reihe von Krankheiten ist schon seit Längerem bekannt – etwa bei Lungen- und Herzentzündungen, Erektionsstörungen, Herzinfarkten und Schlaganfällen. Forscher vermuten, dass regelmäßiges Zähneputzen Bakterien in den schwer erreichbaren Taschen zwischen Zahnfleisch und Zähnen reduziert – und damit verhindert, dass diese in den Blutkreislauf gelangen.