Botenstoffe

Fresh-up: Hormone dpa/APOTHEKE ADHOC, 24.08.2017 13:01 Uhr

Berlin - Glückshormone, Kuschelhormone, Sexualhormone: Davon gehört hat jeder schon mal. Aber was genau tun Botenstoffe wirklich im Körper? Lassen sie sich bewusst steuern wie manchmal behauptet wird oder ist der Mensch ein Sklave seiner Hormone?

„Das sind die Hormone“ – diesen Satz bekommen Schwangere andauernd zu hören. Allerdings werden nicht nur werdende Mütter durch die körpereigenen Stoffe beeinflusst, sondern jeder Mensch. „Das Hormonsystem ist Teil unserer inneren Betriebsorganisation“, erklärt Peter Walschburger, Biopsychologe von der Freien Universität Berlin. Ohne Hormone geht im Grunde gar nichts. Manche werden gebraucht, um überhaupt überleben zu können, andere geben dem Körper eine schöne Form, wieder andere beeinflussen, wie gut sich jemand an andere Menschen binden kann. Ein Überblick.

Natürliche Schmerzstiller: Endorphine
Befindet sich der Körper in einer Notfallsituation beispielsweise aufgrund einer Verletzung, schüttet der Körper Endorphine aus. Die körpereigenen Opioide könnten der Grund sein, warum man nach einem Unfall zunächst keinen Schmerz verspürt. Der Körper hält diese Stoffe vor, damit der Mensch auch im Notfall noch reaktionsfähig ist. Endorphine lassen uns so einiges aushalten. Die Hormone werden in Hypophyse und Hypothalamus gebildet und können bei Läufern einen euphorischen Zustand hervorrufen – den sogenannten Runner`s High.

Nichts wie weg: Adrenalin
Das Stresshormon Adrenalin mobilisiert alle Energiereserven im Körper, ist unser Fluchthormon und soll unser Überleben sichern. Gebildet wird Adrenalin im Nebennierenmark. Überall im Körper aktiviert Adrenalin bestimmte Rezeptoren, die die kleinen Blutgefäße engstellen, damit der Blutdruck steigt. Die Verdauung wird auf ein Minimum reduziert, da die glatte Muskulatur erschlafft. Die Bronchien hingegen werden weit gestellt und die Atmung erleichtert. Adrenalin erhöht zudem den Energieumsatz. Typische Adrenalinwirkungen sind auch Gänsehaut, Pupillenerweiterung und gesteigerte Schweißproduktion.

 

Der „Glückscocktail“: Serotonin, Dopamin, Noradrenalin
Bei Serotonin, Dopamin und Noradrenalin handelt sich um Hormone und Neurotransmitter, die für die Übertragung der Erregung von einer Nervenzelle zur anderen verantwortlich sind und Glücksgefühle auslösen. Das Glückshormon Serotonin hat eine stimmungsaufhellende Wirkung und spielt im zentralen Nervensystem eine wichtige Rolle bei der Regulation von Depressionen und Ängsten. Serotonin sorgt dafür, dass sich der Mensch tagsüber lebendig fühlt. Gemeinsam mit Dopamin und Noradrenalin setzt es Verliebten die sprichwörtliche „rosarote Brille“ auf.

Wird jemand von seinem geliebten Partner verlassen, rauscht der Serotonin-Spiegel in den Keller. Die Folge kann ein Zustand sein, der dem eines Depressiven ähnelt. Bewusst steuern lässt sich die Ausschüttung solcher Botenstoffe leider nicht. Dopamin besitzt psychotrope Eigenschaften, die sich durch Antriebssteigerung und steigende Motivation äußern können.

Mehr als Sex: Östrogen und Testosteron
Unter anderem dank der beiden Sexualhormone sehen Frauen aus wie Frauen und Männer wie Männer. Sie beeinflussen das Lustempfinden und die Fähigkeit, sich fortzupflanzen. Das ist aber noch nicht alles. Der Verlust an Östrogen zeigt sich vor allem bei Frauen in den Wechseljahren in Form von Hitzewallungen, depressiven Verstimmungen, Gereiztheit und Schlafstörungen. Zudem trocknen die Schleimhäute aus, die Haut erschlafft, das Osteoporoserisiko steigt und Vermännlichungserscheinungen wie ein Damenbart können auftreten. Der Grund: Ab den Wechseljahren stellt der Körper die Produktion des Hormons nach und nach ein.

 

Testosteron ist für die Entstehung des männlichen Phänotyps verantwortlich fördert außerdem das Wachstum der Körperbehaarung und besitzt muskelaufbauende Eigenschaften. Generell steigert das Hormon die Lust, den Antrieb, die Ausdauer und ist maßgeblich am dominanten und aggressiven Verhalten beteiligt. Es gibt auch einen Zusammenhang zwischen dem Hormon und Erfolgserlebnissen. Gewinnt etwa bei einem Fußballspiel die favorisierte Mannschaft, steigt der Testosteronspiegel auch bei den Fans, die selbst nicht auf dem Spielfeld standen.

Energie in der richtigen Dosis: Schilddrüsenhormone
In den Zellen der Schilddrüse produzierte Hormone wie Triiodthyronin und Thyroxin gehören zu den Botenstoffen, die überall im Körper wirken. Sie sind an der Regulation des Herz-Kreislauf-Systems beteiligt, regen den Stoffwechsel an und sorgen so dafür, dass dem Körper immer genügend, aber auch nicht zu viel Energie zur Verfügung steht. Schilddrüsenerkrankungen können sich durch unterschiedliche Symptome bemerkbar machen. Eine Unterfunktion, die Hypothyreose, ist durch einen verlangsamten Stoffwechsel gekennzeichnet. Die Betroffenen können an Gewichtszunahme, Frösteln, Abgeschlagenheit, Verstopfung, Haarausfall oder depressiven Verstimmungen leiden.

Kraft für den Tag: Cortisol
Cortisol wird in der Nebennierenrinde produziert und ist wie Adrenalin ein Stresshormon. Ausgeschüttet wird es aber nicht nur, wenn der Mensch Stress verspürt. Ohne genügend Cortisol in der Blutbahn wäre der Mensch gar nicht lebensfähig. Es würde schwer fallen, morgens überhaupt aufzustehen. Cortisol wirkt sowohl auf die Blutgefäße als auch auf den Stoffwechsel. Besonders wichtig ist es für den Blutsalzhaushalt. Das Hormon hat Einfluss auf den Kohlenhydrathaushalt, den Fettstoffwechsel und den Proteinumsatz.

 

Körpereigenes Speichermedium: Insulin
Insulin versetzt den Körper in die Lage, Energie zu speichern. Hat ein gesunder Mensch Kohlenhydrate gegessen, schütten die Inselzellen in der Bauchspeicheldrüse Insulin aus. Das Insulin schließt dann die Zellwände auf, damit der Zucker in die Zellen gelangen und dort gespeichert werden kann. Folglich sinkt der Zuckerspiegel im Blut: ein lebenswichtiger Mechanismus. Ist er gestört - etwa bei Diabetes, muss der Mensch nachhelfen und zum Beispiel Insulin spritzen. Insulin besitzt blutzuckersenkende Eigenschaften. Das Hormon ist am Kohlenhydrat-, Fett- und Proteinstoffwechsel beteiligt, fördert anabole und hemmt katabole Prozesse.

Das „Kuschelhormon“: Oxytocin
Während Verliebten ein Mix aus Serotonin, Noradrenalin und Dopamin den Kopf verdreht, schüttet das Gehirn Oxytocin aus, wenn aus einer Affäre eine Liebesbeziehung wird. Es beeinflusst auch, wie gut ein Mensch außerhalb von Paarbeziehungen mit anderen interagiert. Bindungshormon wäre also vielleicht der passendere Begriff. Besonders wichtig ist Oxytocin für die Beziehung zwischen Eltern und ihren Kindern, wie etwa die Mutter-Kind-Bindung beim Stillen. Das Hormon ist außerdem als Auslöser von Wehen bekannt. Darüber hinaus fördert es die Bindung zwischen Partnern. Als „Vertrauenshormon“ kann es soziale Beziehungen stärken. Oxytocin hat aber auch eine negative Seite: Es kann bewirken, dass Menschen andere ausgrenzen, die ihnen weniger vertraut sind als die eigene soziale Gruppe.

Wachstumshormon: Somatropin
Das Wachstumshormon Somatropin ist bei Kindern – wie der Name schon sagt, für das Wachstum zuständig. Bei Erwachsenen ist es unter anderem für die Verteilung des Fetts im Körper verantwortlich. Wer einen athletischen Körper haben möchte, sollte also die Ausschüttung des Wachstumshormons anregen. Somatropin stimuliert das Knochen- und Körperwachstum, der Zellen und der Organe und hat Effekte auf Es hat zahlreiche Effekte auf den Stoffwechsel.