„Das E-Rezept kommt“

#unverzichtbar: ABDA kapert DocMorris-Slogan Tobias Lau, 23.01.2020 15:31 Uhr

  • Digital vor Ort: Die ABDA hat den E-Rezept-Slogan der DocMorris-Werbekampagne mit einem eigenen Motiv aufgegriffen.

Berlin - „Das E-Rezept kommt“, lautet die einfache Wahrheit, mit der DocMorris seit vergangenem Frühjahr bundesweit wirbt. Die ABDA macht das nun auch, ergänzt um den Zusatz „in meine Apotheke vor Ort“. Ihre #unverzichtbar-Kampagne wurde nun um ein Motiv und einen Infoflyer erweitert, die denselben Slogan tragen. Warum die ABDA fast ein Jahr später damit kommt? Weil die Zeit dafür bisher nicht reif gewesen sei, so ein Sprecher.

Ein Bahnhof irgendwo in Deutschland, in der Eingangshalle zwei Werbeplakate mit demselben Slogan – aber eines in grün, das andere in weiß: Versender und Vor-Ort-Apotheken werben um die Wette, sie buhlen um die Gunst der Verbraucher und agitieren – zumindest für den Sachkundigen erkennbar – auch gegeneinander. Ganz so weit ist es noch nicht, denn das neue ABDA-Motiv ist noch nicht in der Außenwerbung angekommen. „Im Augenblick ist noch nicht geplant, damit in die Außenwerbung zu gehen, aber wenn das E-Rezept in greifbare Nähe rückt, wird das sicher kommen“, erklärt ein ABDA-Sprecher dazu.

Doch noch sieht die ABDA nicht genug Handlungsdruck, die ganz große Werbetrommel für das E-Rezept zu rühren. Deshalb kam das neue Motiv auch erst ein Dreivierteljahr nachdem DocMorris den Slogan bereits mit seinem Logo verschweißt hat – aus Sicht der ABDA anscheinend zu früh, auch wenn die Standesvertretung das so nicht sagen würde. „Man muss nüchtern einschätzen, wann ein Thema auf welchem Spielfeld Konjunktur hat. Das Timing spielt eine große Rolle“, so der ABDA-Sprecher. „Es macht erfahrungsgemäß wenig Sinn, eine Produkteinführungskampagne zu machen, wenn das Produkt noch gar nicht verfügbar ist.“

Allerdings werden Apotheker mittlerweile regelmäßig auf die bevorstehenden Änderungen im Gesundheitswesen angesprochen und müssen Rede und Antwort zu Themen stehen, die sie selbst noch verunsichern. „Die Einführung des E-Rezepts ist nüchtern betrachtet noch relativ weit weg, aber es gibt da spürbar schon einen Bedarf in den Apotheken, auch die Kunden aufzuklären. Diesen Bedarf wollten wir bedienen.“ Die grünen DocMorris-Plakate allerorts tragen ihren Teil dazu bei. „Natürlich ist es so, dass der Berufsstand das sehr stark wahrnimmt und das löst auch den Wunsch aus, dass man etwas dagegensetzen kann.“

Da mit dem Slogan „Das E-Rezept kommt“ nicht viel erklärt ist, gibt die ABDA den Apotheken noch einen Info-Flyer mit in die Hand. Darin wird in einfachen Worten erklärt, was es mit dem E-Rezept auf sich hat: Was ist es? Wann kommt es? Wo kann ich es einlösen? Allerdings verursacht der Flyer zum Teil auch mehr Fragen, als er löst. „Geht das nur mit dem Handy?“, lautet eine der Fragen. „Es wird auch andere Wege geben“, die Antwort darauf. Welche das sind, wird allerdings nicht verraten, aber zur Beruhigung erwähnt, dass man auch weiterhin das gewohnte Papierrezept nutzen oder sich den Zugangsschlüssel ausdrucken kann.

Werblich wird es aus nachvollziehbaren Gründen bei der Frage nach der App: Hier verweist die ABDA nur auf ihr eigenes Projekt, die DAV-WebApp. „Die Apotheker entwickeln gerade eine WebApp, mit der Patienten ihre eRe­zepte verwalten können“, so der Flyer. „Sie funktio­niert auf allen gängigen Plattformen, Endgeräten oder Betriebssystemen – ohne aufwändige Programm­installation oder Registrierung. Sie ist einfach, kostenlos und werbefrei und nimmt den Rezeptschlüssel automa­tisch auf. Erste Tests laufen in Berlin.“

Das E-Rezept ist nicht das erste Mail, dass die ABDA mehr oder weniger aktuelle Themen in ihrer Kampagne aufgreift. „Wir machen seit geraumer Zeit nicht mehr nur Imagepflege, sondern greifen auch spitzere Themen auf und gehen dabei auf aktuelle Fragen ein.“ Erst Ende 2019 waren die Lieferengpässe dran. Wie jetzt auch stellte die ABDA das Motiv auf ihrer Webseite zur Verwendung in der Offizin zur Verfügung und hat damit offenbar gute Erfahrungen gemacht. „Das Lieferengpassmotiv ist auch gut gelaufen“, so ein Sprecher.