Arzneimittelversorgung

TK: Strategien für Apotheken Benjamin Rohrer, 29.01.2013 12:20 Uhr

Neue Aufgaben: Um die Therapietreue ihrer Patienten zu verbessern, setzt die Techniker Krankenkasse auch auf Apotheker. Foto: Elke Hinkelbein
Berlin - 

Die Techniker Krankenkasse (TK) hat sich für das Jahr 2013 im Arzneimittelbereich viel vorgenommen: Insbesondere durch die Verbesserung der Therapietreue der Patienten will die Kasse Einsparungen erwirken. Einen wichtigen Teil dazu beitragen könnten die Apotheker: Noch heute trifft sich der TK-Chefapotheker Tim Steimle mit der ABDA-Spitze, um über eine Beteiligung der Apotheker bei einem Diabetiker-Beratungsprogramm zu sprechen. Um die Versorgung auf dem Land zu verbessern, scheint die TK allerdings auch Apothekenbussen nicht abgeneigt zu sein.

Der TK zufolge entstehen jährlich rund 7 Milliarden Euro Mehrkosten durch mangelnde Therapietreue. Dabei wünsche sich jeder fünfte Patient mehr Informationen zu seiner Medikation. Die TK kritisiert auch: Nur jeder zweite Patient werde vom Apotheker nach der gesamten Medikation gefragt.

Um die Adhärenz ihrer Versicherten zu verbessern, will die Kasse einerseits intensiver mit den Ärzten zusammenarbeiten: Den Medizinern sollen zunächst in Modellphasen Studien und Daten über die Therapietreue von unterschiedlichen Patientengruppen zur Verfügung gestellt werden.

Ein anderes Projekt, das die Kasse schon seit dem vergangenen Jahr verfolgt, ist der sogenannte TK-Arzneimittelcoach. Dieser richtet sich gezielt an die non-adhärenten Typ-2-Diabetiker, die bei der TK Versichert sind. Eigene Studien hatten ergeben, dass beispielsweise rund 7000 der über 200.000 Typ-2-Diabetiker nur jeden zweiten Tag ihre Medikamente korrekt einnehmen.

Diesen Patienten will die TK nach deren Einwilligung zunächst Telefon-Beratungen anbieten. Zu einem späteren Zeitpunkt könnten aber durch auch die Apotheker daran beteiligt werden, so Steimle. Der Apotheker könnte beispielsweise einen Termin mit dem betroffenen Diabetiker machen, und ihm eine Arzneimittelberatung oder ein Gesundheitscoaching anbieten.

Wie genau die Pharmazeuten eingebunden werden könnten, will Steimle heute bei einem Treffen in der Jägerstraße klären. Als Problem sieht der TK-Chefapotheker allerdings die relativ geringen Fallzahlen, die noch dazu in ganz Deutschland verstreut auftreten.

Doch damit nicht genug: Die TK will die pharmazeutische Kompetenz der Apotheker insgesamt mehr nutzen. So sei es langfristig vorstellbar, dass Apotheker mehr Verantwortung beim Austausch von wirkstoffähnlichen Produkten übernehmen. Einerseits könne dadurch die Therapiesicherheit verbessert werden, andererseits ergäben sich dadurch Einsparungen, so Steimle.

Die Arzneimittelabteilung der TK macht sich auch Sorgen um die lückenlose Versorgung auf dem Land: Als „Versorgungsoptimierung im regionalen Umfeld“ könne man daher beispielsweise über die von der CDU vorgeschlagenen Apothekenbusse nachdenken, so Steimle bei der Euroforum-Konferenz „Krankenkassen 2013“. „Wir bevorzugen immer die Versorgung durch die Apotheke vor Ort. Aber um insbesondere nicht mobile Patienten auf dem Land zu versorgen, ist mir ein Apothekenbus lieber als der Versandhandel.“