Prä-Expositionsprophylaxe

Klocke: PrEP kann auch zur seelischen Gesundheit beitragen Nadine Tröbitscher, 04.06.2018 13:06 Uhr

Berlin - Arndt Klocke ist der Fraktionsvorsitzende der Grünen im Landtag von Nordrhein-Westfalen. Seine Homosexualität lebt der gebürtige Ostwestfale seit mehr als 25 Jahren. Vor wenigen Tagen hat er sich als Nutzer der Prä-Expositionsprophylaxe (PrEP) geoutet. Von der Botschaft „PrEP für alle“ hält der Politiker jedoch nichts.

Der erste wichtige Schritt zur HIV-Prävention wurde im August 2016 gegangen, als Truvada (Tenofovirdisoproxil/Emtricitabin, Gilead) die Zulassung zur PrEP erhielt. Die Initialzündung folgte laut Klocke knapp ein Jahr später, als der Kölner Apotheker Erik Tenberken die Prophylaxe bezahlbar machte. Tenberken gebühre Lob und Anerkennung, so Klocke. Den eigenen Startschuss für die Prophylaxe erhielt der Politiker zu Jahresbeginn, seitdem nutzt er die PrEP.

„Ich vertrage die Therapie gut. Die PrEP ist ein Baustein der Prävention. Auch wenn man eine Infektion nie ganz ausschließen kann, kann man das Risiko minimieren“, erzählt Klocke. Der Politiker ist in den 80er/90er Jahren groß geworden und hatte sein Coming-out. „In meiner Generation stehen Sexualität und Tod durch die Immunschwächekrankheit Aids in einem engen Zusammenhang. Homosexuelle lebten bis heute in ständiger Angst ‚Hab' ich was, ist da was oder hab ich nichts?’ Bis zum Testergebnis plagte einen das schlechte Gewissen. Das kann zermürbend sein.“

Mit der Benutzung von Kondomen habe Klocke, der sich der Ansteckungsgefahr mit anderen sexuell übertragbaren Krankheiten bewusst ist, keine Probleme. „Ich muss mir mit der PrEP jetzt nicht mehr so einen Kopf machen, denn Safer Sex ist mehr als Kondomnutzung. Die PrEP bietet mir zusätzliche Sicherheit und die Chance, die Sache selbst in die Hand zu nehmen. Sie ist prima auch für meine seelische Gesundheit. Angstfreie Sexualität gehört eindeutig dazu.“

Klocke lässt sich regelmäßig von seinem Hausarzt, der zu den HIV-Schwerpunktärzten gehört, checken. „Die erste Untersuchung habe ich selbst bezahlt. Die bisherigen Folgekontrollen waren für mich kostenlos.“ Selbst zahlen muss Klocke – wie alle PrEP-Nutzer – das Arzneimittel. Bei Geringverdienern und ALG-Empfängern sollten die Kosten übernommen werden, so Klocke. Für eine Kostenübernahme für alle ist der Politiker allerdings nicht. „Entgegen der Meinung der Aidshilfe“ wie Klocke sagt. „Die Therapiekosten haben einen Quantensprung von etwa 800 Euro auf etwa 50 Euro gemacht. Da sehe ich noch Potenzial. Wünschenswert ist ein Preis von 20 bis 30 Euro, der von den Normalverdienern selbst gezahlt wird.“ Kassen sollten lediglich bei Personen mit geringem Einkommen die Kosten übernehmen.

Der Politiker fordert Ärzte und Apotheker auf, sich fort- und weiter zu bilden. Die hochwirksame Therapie erfordere eine ausführliche und kompetente Beratung. Schließlich handele es sich nicht um eine Partydroge. Klocke, der seit vielen Jahren im Bundestagsabgeordneten und früheren Grünen-NRW-Landesvorsitzenden Sven Lehmann einen Lebenspartner gefunden hat, will, dass das Arzneimittel kein Abenteuer ist.

Der Landtagsabgeordnete hat eine kleine Anfrage an die Landesregierung gerichtet und eine „aufgeschlossene Antwort“ erhalten. Auch die sieht in der PrEP einen wichtigen Baustein zur HIV-Prävention. Allerdings sei zu beachten, dass die PrEP keinen Schutz vor anderen übertragbaren Infektionen biete. Klocke und Kollegen fragten außerdem zum Projekt „Fast Track Cities“ der Vereinten Nationen. In Berlin erhalten etwa 1000 Angehörige der Risikogruppe das Arzneimittel kostenlos. Die Politiker wollten wissen, ob die Landesregierung an einer Beteiligung interessiert sei. Die Antwort lautet klar „Nein“. Eine Beteiligung für NRW sei nicht geplant, da die Initiative davon ausginge, „dass große Städte den Hauptanteil der globalen HIV- und Aids-Last tragen. […] Als Flächenland ist NRW hier nicht der richtige Partner“.